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Arbeitslosenzahlen: Stärkster Rückgang seit fünf Jahren

Gute Nachrichten, dank guter Konjunktur: Die Bundesanstalt für Arbeit hat im September 134.000 weniger Arbeitslose gezählt. Vermutlich wird die Erwerbslosenzahl übers Jahr gesehen stärker zurückgehen als erwartet.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im September im Vergleich zum Vormonat um 134.000 auf 4.238.000 gesunken. Im Vergleich zum Vorjahresmonat bedeute dies einen Rückgang um 409.000, berichtet die Bundesagentur für Arbeit (BA). Die Arbeitslosenquote ging um 0,4 Punkte auf 10,1 Prozent zurück. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 11,2 gelegen.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise sagte, im Fahrwasser der konjunkturellen Aufwärtsentwicklung sei die Arbeitslosigkeit im September deutlich gesunken. "Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wächst weiter und die Zahl der offenen Stellen konnte nochmals zulegen", sagte der BA- Chef.

Zahl der offenen Stellen steigt

Die Zahl der offenen Stellen betrug im September 621.000, das waren 154.000 mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten lag im Juli mit 26,28 Millionen um 194.000 über dem Vorjahresniveau.

Der Rückgang läge damit deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, sagten Volkswirte deutscher Großbanken. Die gute Konjunkturentwicklung führt nach Einschätzung der Fachleute dazu, dass Unternehmen ihre Auftragsspitzen kaum noch mit Überstunden und Sonderschichten abfangen könnten und deshalb zunehmend dazu gezwungen seien, neue Kräfte einzustellen. "Dieser Effekt dürfte für einen Rückgang von 15.000 bis 20.000 Arbeitslosen gut sein", schätzt beispielsweise der Commerzbank-Volkswirt Matthias Rubisch.

Auch seine Kollegen sehen die Entwicklung ähnlich und erwarten daher bis ins Jahr 2007 die Schaffung zusätzlicher regulärer, voll versicherter Stellen und nicht nur einfacher Jobs. "Der Aufwärtstrend wird sich fortsetzen. Viele Firmen sind inzwischen so ausgelastet, dass die bestehende Belegschaft kaum noch ausreicht", sagt auch Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank in München.

In erster Linie habe der starke Rückgang im September aber saisonale Gründe, sind sich die Fachleute einig. Vor allem das Ferien-Ende in den wirtschaftlich starken Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg hinterlasse in der Arbeitsmarkstatistik deutliche Spuren. Nach Rubischs Einschätzung spielt auch die Ausweitung der so genannten Ein-Euro-Jobs bei Langzeitarbeitslosen eine gewisse Rolle.

Arbeitslosenzahl dürfte weiter zurückgehen

Angsichts dieser Zahlen geht die BA für 2006 von einem etwas stärkeren Rückgang der Arbeitslosigkeit als bislang erwartet aus. Bisher habe man mit einem Jahresdurchschnitt von 4,6 Millionen Arbeitslosen gerechnet, sagte BA-Vorstand Heinrich Alt. "Wir werden nach der guten Entwicklung nun etwas besser herauskommen", sagte er. Nunmehr erwarte die BA eine Jahresdurchschnittszahl zwischen 4,5 und 4,6 Millionen Arbeitslosen. Im Oktober dürfte die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen, die Entwicklung im November und Dezember hänge unter anderem von der Witterung ab.

DPA / DPA