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Bahn-Personalvorstand Margret Suckale: Mehdorns Frau für schwierige Fälle

Wenn es um Tarifverhandlungen und drohende Streiks geht, schickt die Deutsche Bahn mit Margret Suckale eine Spezialwaffe an den Verhandlungstisch. Die 51-jährige Juristin gilt als harte Verhandlungspartnerin. Sie ist zudem die erste Frau, die in den Bahn-Vorstand vorgedrungen ist.

Selten räumen Manager öffentlich ein, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind. Margret Suckale hat es getan. "Wir sind an dieser Stelle ratlos", sagte die Frau im Bahnvorstand Mitte Juli nach ergebnislosen Gesprächen mit der Gewerkschaft der Lokomotivführer. Die geforderten 31 Prozent Gehaltssteigerung seien unmöglich zu erfüllen. Doch die Kompromissangebote der Konzernspitze reichten den widerspenstigen Lokführern auch nicht. Seitdem stehen die Signale bei der Deutschen Bahn auf Streik - der erste flächendeckende Arbeitskampf seit 15 Jahren, mitten in der Ferienzeit. Und seitdem steht auch Suckale unter besonderer öffentlicher Beobachtung. Denn sie ist im Bahn-Vorstand für Personal zuständig und damit für rund 230.000 Beschäftigte.

Sie muss sich letztlich mit der GDL wieder an einen Tisch setzen und die Kohlen für die DB aus dem Feuer holen. Einen Abschluss hat die 51-Jährige - zusammen mit Bahnchef Hartmut Mehdorn - ja schon ausgehandelt, nämlich das 4,5-Prozent-Paket, das die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA als Erfolg feiern. Dabei soll Suckale nicht immer glücklich agiert haben. Fehlende "Hemdsärmeligkeit" und schwaches Durchsetzungsvermögen werden ihr nachgesagt. Alles Quatsch, weisen andere Eisenbahner die Kritik an der Topmanagerin zurück. Fakt ist, dass sie für ihre derzeitige Position, auf die Mehdorn sie 2005 hievte, eine exzellente Ausbildung und jede Menge Erfahrung mitbrachte.

Suckale scheint kaum Gemeinsamkeiten mit Mehdorn zu haben

Als die 1956 in Hamburg geborene Juristin mit zwei Wirtschaftsabschlüssen 1997 zur Deutschen Bahn wechselte, übernahm sie zunächst die Rechtsabteilung und ist seit 2003 in Personalunion auch Leiterin der Zentralen Stäbe. Sie kam vom Hamburger Energieriesen Mobil Oil, wo sie seit 1985 in verschiedenen Positionen ebenfalls für Rechtsfragen und Personal zuständig war. Auch dort hatte sie mit Tarifpolitik zu tun. Ihren Vorstandsposten bei der Bahn sieht sie keinesfalls als Bürojob. "Meinen Schreibtisch könnte ich untervermieten, so wenig sitze ich daran", sagt Suckale, die mit einem Berliner verheiratet ist. Wer in der Spitze eines Verkehrsunternehmens tätig ist, muss sich offenbar ohne Unterlass durch die Republik und durch die Welt bewegen. Suckale tut das, so wird es jedenfalls kolportiert, gerne auch mal als Passagier im Führerstand von ICEs.

Jüngst jedenfalls soll sie die 90 Minuten zwischen Berlin und Hamburg zum Gespräch mit dem Lokführer genutzt haben. Ob ihr das in den nächsten Runden mit GDL-Chef Manfred Schell nützt, wird sich zeigen. Denn mit dem querköpfigen Selfmade-Man an der Spitze der Gewerkschaft scheint sie so gar nichts zu verbinden. Vielleicht helfen diplomatisches Geschick und Humor, die der zurückhaltenden Managerin ebenfalls nachgesagt werden. Vielleicht hilft über die Zeit auch ein gewisser Gewöhnungseffekt, den festgefahrenen Tarifkonflikt doch noch zu knacken. Denn noch nie mussten die Gewerkschafter, die sich den Jungentraum des Lokführers erfüllt haben, mit einer Frau verhandeln. Suckale ist die erste, die in den Bahn-Vorstand vorgedrungen ist. Damit hat das Unternehmen unter den 100 umsatzstärksten deutschen Konzernen bereits eine Sonderstellung. Auch unter deren 533 Vorstandsmitgliedern ist nur eine einzige Frau - Margret Suckale.

Verena Schmitt-Roschmann/AP / AP