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Brenninkmeyer-Clan: Die verschwiegenen Milliardäre

Jeder kennt C&A. Doch über die Gründer - der Brenninkmeyer-Clan gehört zu den reichsten Familien Europas - weiß man nur wenig.

Jeder kennt C&A. Seit über 100 Jahren steht der Name der Textilhandelskette als Synonym für günstige Kleidung für die ganze Familie. Doch über die Familie, die hinter der Textilkette steht, weiß man nur wenig. Denn die Brenninkmeyers gehören nicht nur zu den reichsten Familien Europas, sondern auch zu den verschwiegensten.

Auf rund 3,6 Milliarden Euro wird das Vermögen des streng katholischen Familienclans geschätzt, dessen Familienmotto "Eendracht maakt Macht" - Eintracht bedeutet Macht - lautet. Das Brenninkmeyer-Reich umfasst heute nicht nur eine der führenden Bekleidungsketten Europas mit mehr als 500 Niederlassungen, sondern auch eine milliardenschwere Immobilienfirma und eine finanzstarke Kapitalbeteiligungs-Gesellschaft mit Büros in Brüssel, London und New York.

Dabei begann alles ganz bescheiden

Das erste C&A-Geschäft wurde 1861 von den aus dem westfälischen Mettingen stammenden Brüdern und Namensgebern Clemens und August Brenninkmeyer im holländischen Sneek gegründet. Schnell sorgten Kreativität und Geschäftstüchtigkeit für Wachstum. In einer Zeit, in der die Bekleidung noch meist in Hausarbeit hergestellt wurde, spezialisierte sich C&A als eines der ersten Unternehmen auf den Verkauf von Kleidung von der Stange zu finanzierbaren Preisen. "Unser Sortiment macht es jedem möglich, bei uns zu kaufen. Wir sind mit kleinem Gewinn zufrieden und bieten dadurch für die Qualität die niedrigsten Preise", warb das Unternehmen damals in einer Anzeige.

Bis 1910 hatte C&A in den Niederlanden bereits zahlreiche Filialen. 1911 gelang dann mit dem ersten Geschäft auf der Berliner Königsstraße die Rückkehr in die alte Heimat Deutschland. Heute ist C&A in 13 europäischen Ländern präsent.

"Es können nicht alle in die Fußstapfen ihrer Familie treten"

Für Wachstum sorgten immer wieder neue Ideen. Lange vor der Einführung internationaler Standardgrößen entwickelte das Unternehmen sein eigenes Größensystem, um den Kunden den Einkauf zu erleichtern. In den 20er Jahren führte C&A das Umtauschrecht ein. Und auch im Alltag zeigte man sich erfindungsreich: Da nach dem Zweiten Weltkrieg Stoff für Wintermäntel knapp war, kaufte C&A Pferdedecken, ließ daraus warme Wintermäntel nähen und bot sie günstig den frierenden Kunden an.

Aus dem Dorfladen wurde so ein internationaler Konzern. Doch eines blieb gleich: An der Spitze des Unternehmens steht auch nach über 100 Jahren unverändert ein Brenninkmeyer. Und das soll - was das Topmanagement angeht - auch so bleiben, wie Deutschland-Chef Dominic Brenninkmeyer betont.

Nachwuchsprobleme gibt es offenbar nicht. Denn die Zahl der Nachfahren von Clemens und August Brenninkmeyer geht inzwischen in die Hunderte. Doch macht die Familie Brenninkmeyer längst nicht mehr nur im Textilhandel Furore. Philipp Brenninkmeyer, geboren 1964 im englischen Wimbledon, hat als Schauspieler unter anderem in der Serie "Girl Friends" die Frauenherzen höher schlagen lassen. Und er hatte sogar einen kurzen Auftritt in der amerikanischen Kultserie "Sex and the City". Mit Textilien hat er nach eigenen Worten dagegen nichts am Hut. "Es können nicht alle in die Fußstapfen ihrer Familie treten", sagte er selbst einmal.

Erich Reimann, AP