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Wer im Osten telefoniert, verdient weniger

Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass das Gehaltsniveau von Call-Center-Mitarbeitern regional sehr unterschiedlich ausgeprägt ist: Wer im Osten telefoniert, verdient weniger.

"Was kann ich für Sie tun?" - Mitarbeiter im Call-Center sind immer häufiger die ersten Ansprechpartner für Kunden. Sie informieren, beraten, verkaufen, nehmen Aufträge oder Beschwerden entgegen. Mehr als 330.000 Beschäftigte, so der Deutsche Direktmarketing Verband (DDV), verdienen ihr Geld am Telefon. Eine Auswertung aktueller Gehaltsdaten durch die Hamburger Vergütungsberatung Personalmarkt zeigt, dass das Jahresbruttogehalt eines Call-Center-Agenten bei durchschnittlich 27.065 Euro pro Jahr liegt.

Wer heute Service am Telefon macht, war früher vielleicht einmal Bäckermeister, Grafiker, Kindergärtnerin oder Bauzeichner. Quereinsteiger gibt es viele. Wichtige Voraussetzungen für diesen Beruf sind neben einer guten sprachlichen Ausdrucksweise und der Fähigkeit, Sachverhalte kurz und prägnant zu beschreiben, vor allem Freundlichkeit und Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen. Kein Wunder, dass die meisten der freundlichen Stimmen am Telefon weiblich sind: Einer aktuellen Studie zufolge liegt der Frauenanteil bei 77 Prozent (Inbound) und 83 Prozent (Outbound). Attraktiv ist die Branche auch für Teilzeitarbeiter. Über die Hälfte aller Beschäftigten, nämlich 52,3 Prozent, arbeitet stundenweise.

Was verdient ein Call-Center-Mitarbeiter inDurchschnittliches Jahresbruttogehalt
Mecklenburg Vorpommern19.638 Euro
Hamburg27.035 Euro
Berlin25.102 Euro
Ruhrgebiet26.428 Euro
München29.097 Euro
Bayern ohne München27.691 Euro
Frankfurt30.520 Euro
Sachsen24.193 Euro
Brandenburg25.928 Euro
Baden-Würtemberg ohne Stuttgart29.105 Euro
Stuttgart

Call-Center werden in Regionen mit niedrigen Lohnkosten eingerichtet

Nicht nur die Zahl der Beschäftigten ist in den letzten Jahren stetig gestiegen, auch die Zahl der Call-Center selbst hat sich innerhalb der letzten fünf Jahre in Deutschland auf aktuell circa 5500 im Jahr 2005 verdoppelt. Call-Center werden dabei häufig in Regionen mit niedrigen Lohnkosten eingerichtet. Tim Böger, Geschäftsführer von Personalmarkt, bestätigt: "Insbesondere in den neuen Bundesländern sind Call-Center wie Pilze aus dem Boden geschossen." Große Konzerne gründen ihre zentralen Call-Center dagegen oft in Ländern wie Irland, Belgien oder den Niederlanden, um von dort aus den gesamten europäischen Markt abzudecken.

Obwohl die Branche boomt, sind die Spannbreiten bei den Gehältern groß. Die von Personalmarkt ausgewerteten Gehaltsdaten zeigen, dass ein Call-Center-Agent in Mecklenburg-Vorpommern auf ein durchschnittliches Jahresbruttogehalt in Höhe von 19.638 Euro kommt. Sein Kollege in Stuttgart dagegen verdient durchschnittlich 33.356 Euro.

Höheres Gehaltsniveau im Westen

Der Trend ist eindeutig: Wer im Osten telefoniert, verdient weniger. In Sachsen beispielsweise verdienen Telefonagenten durchschnittlich 24.193 Euro, in Berlin 25.102 Euro und in Brandenburg 25.928 Euro.

In den alten Bundesländern dagegen liegt das Gehaltsniveau höher: Im Ruhrgebiet verdient ein Mitarbeiter im Call-Center durchschnittlich 26.428 Euro, in Hamburg 27.035 Euro, in München 29.097 Euro und in Frankfurt 30.520 Euro.

Personalverantwortung zahlt sich aus: Das durchschnittliche Jahresbruttogehalt eines Teamleiters in einem Call-Center liegt - über alle Regionen hinweg betrachtet - bei durchschnittlich 54.514 Euro.

Heike Friedrichsen/Personalmarkt

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