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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Mensch Blüm!

Vor einem Flug nach Berlin begegnete Frank Behrendt in der Lufthansa Business-Lounge einem ehemaligen Bundesminister, der vor 20 Jahren mit ihm in einem Tonstudio saß und aus einem ganz und gar unpolitischen Märchenbuch vorlas.

Frank Behrendt und Norbert Blüm

Frank Behrendt und Norbert Blüm

Da saß er in der Ecke an einem Tischchen, las die "Bild" und trank eine Coke aus dem Bierglas. Norbert "Nobby" Blüm. Geschlagene 16 Jahre lang diente er Deutschland als für Arbeit und Sozialordnung im Kabinett des gerade verstorbenen früheren Kanzlers Helmut Kohl. Unvergessen ist er seit dem Jahr 1986, als er mit dem Werbespruch "Denn eins ist sicher: Die Rente" auf Plakaten posierte.

Über Politiker, ihre Versprechen, Ansichten und Entscheidungen kann man trefflich streiten. Mich interessierte allerdings auch bei Ministern und Abgeordneten immer mehr der Mensch hinter dem Amt. Auch Politiker sind schließlich keine Maschinen und machen Fehler, wie wir alle.

war keiner mit einer Bilderbuchkarriere. Er hatte sich vielmehr mit Einsatz und Leidenschaft von ganz unten hochgekämpft. Nach der Volksschule machte er eine Ausbildung als Werkzeugmacher, schaffte bei Opel in Rüsselsheim. Schon damals war er als Jugendvertreter im Werk jemand der seine Meinung klar und deutlich sagte. Auf dem zweiten Bildungsweg machte er dann sein Abi. Später studierte er Philosophie, Germanistik, Geschichte und Theologie, bevor er seine politische Laufbahn startete.

Norbert Blüm als Märchenonkel

Unsere erste Begegnung fand nicht bei einer Wahlkampfveranstaltung statt, sondern vor genau 20 Jahren in einem Hamburger . Als Geschäftsführer beim Kinderhörspiel-Label Karussell produzierte ich den Tonträger seines ersten Kinderbuches "Die Glücksmargerite" – gelesen vom Autor höchstpersönlich. Bei diesem sehr originellen Märchen grinste der typische Blüm-Humor aus jeder Seite.

Der Vater von drei Kindern hatte seinen Sprösslingen früher oft selbst erfundene Geschichten erzählt und irgendwann hat er sie aufgeschrieben. Ein Bundesminister als Märchenonkel – wenn es damals schon die Heute-Show gegeben hätte, wäre Oliver Welke und seiner Crew mit Sicherheit eine großartige Story zur allgemeinen Volksbelustigung eingefallen.

Wir verkauften viele Hörspiele vom vorlesenden Blüm und er erinnerte sich lächelnd an die amüsante damalige Produktion. Die CD habe ich immer noch, sie hört heute meine kleine Tochter Holly. Als ich ihm das erzähle, strahlten die Augen des inzwischen 81-jährigen Mannes mit der flotten Schiebermütze. "Grüßen Sie mir ihre Tochter, die Kleine hat jetzt schon einen sehr guten Geschmack für Humor", sagte er zum Abschied und ging fröhlich seiner Wege.

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