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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Warum im Büro arbeiten, wenn man es auch in der Sporthalle tun kann?

Früher fand die Arbeit im Büro statt und die Freizeit woanders. Mit Hilfe digitaler Devices kann heute viel dezentraler gearbeitet werden. Frank Behrendt nutzt das gerne aus und erlebt seine Kinder so auch bei ihren Sportaktivitäten.

Basketballhalle statt Büro: Von seinem mobilen Arbeitsplatz hat Frank Behrendt sowohl Sohn als auch Arbeit im Blick.

Basketballhalle statt Büro: Von seinem mobilen Arbeitsplatz hat Frank Behrendt sowohl Sohn als auch Arbeit im Blick.

Als ich kürzlich beim Essen mit einem Geschäftspartner saß, erzählte er mir, dass nun auch sein jüngster Sohn ausgezogen sei. Kindheit und Jugend wären wie im Flug vergangen. Ich nickte, ich habe schließlich auch drei Kinder. Nicht nur die Tatsache, andauernd größere Klamotten für den Nachwuchs kaufen zu müssen, dokumentiert die rasante Entwicklung. "Eigentlich habe ich vom Alltag meiner Kinder kaum etwas mitbekommen," erzählte mir mein Lunch-Partner, während wir den vorbeifahrenden Schiffen auf dem Rhein hinterherblickten. Er traurig, ich bedauernd.

Mir geht es zum Glück anders. Ich bekomme den Alltag meiner Kinder sehr intensiv mit und die technischen Möglichkeiten helfen mir dabei massiv. Natürlich weiß auch ich, dass nicht jede berufliche Tätigkeit dezentral erledigt werden kann, aber viele Dinge sind am Notebook auch außerhalb eines klassischen Büros möglich - gerade in der Kreativ-Branche. Während meine Tochter in der Ballettstunde unermüdlich "Demi-Pliés" übt oder mein Junior es seinen NBA-Helden nachtut und emsig Dunkings am Basketballkorb umsetzt, sitze ich entspannt in ihrer Nähe vorm Notebook und schreibe. Konzepte, Storylines oder auch eine stern-Stimme.

Das Quietschen der Turnschuhe auf dem Hallenboden und das Lachen der Kinder beim Training sind für mich keine Störgeräusche - im Gegenteil. Die lockere, fröhliche Atmosphäre außerhalb des Büro-Standards inspiriert mich. Effizienter bin ich anderorts oft auch. Etwa 20 Minuten braucht es nach verschiedenen Studien, wenn man wieder voll konzentriert zurück in seine Aufgabe, in die man vor einer Unterbrechung vertieft war, eintauchen möchte. Das "Störe ich?" eines Arbeitskollegen, der seinen Kopf vermeintlich unschuldig durch die Tür steckt, kennt jeder. Zack, wieder 20 Minuten verloren. Das passiert mir in der Basketballhalle ganz oben alleine auf der Tribüne auf jeden Fall nicht.

Meine Kinder wurden allerdings schon ein paar Mal angesprochen, ob ihr Vater keine richtige Arbeit hätte, weil er so präsent während ihrer Freizeitaktivitäten ist. Meine jüngste Tochter Holly, bekanntlich nicht auf den Mund gefallen, beantwortete die Frage auf ihre ganz eigene Weise: "Mein Papa hat ganz viel Arbeit, aber er redet schnell und tippt auch so am Computer. Deshalb ist er immer ganz früh fertig." Wisst ihr Bescheid...

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