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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Wenn ein Sportcamp ein Gewinn fürs Leben ist

Um die langen Sommerferienwochen sinnvoll zu füllen, entschieden sich Frank Behrendt und seine Frau, ihren Sohn ein Basketball-Camp besuchen zu lassen. Bei der "Siegerehrung" wurden dort neben sportlichen Topleistungen auch ganz andere Werte vermittelt und bewertet.

Im Sommerferien-Basketballcamp ging es nicht allein ums Können am Ball

Im Sommerferien-Basketballcamp ging es nicht allein ums Können am Ball

High Noon in einer Sporthalle in Bad Honnef. Zum Finale des Basketball-Sommercamps am Schloss Hagerhof waren die Familien der jungen Sportlerinnen und Sportler geladen, um an der Abschlussveranstaltung teilzunehmen. Väter, Mütter, Großeltern, Geschwister strömten herbei und nahmen auf den Holzbänken Platz.

Sie erlebten ein wunderbares Bild: Rund 100 Mädchen und Jungen saßen im Sportdress auf dem Hallenboden, vor ihnen standen ihre Coaches, mit denen sie zuvor jeden Tag drei intensive Trainingseinheiten absolviert hatten. Der Schweiß floss dabei in Strömen, Muskelkater war im Preis enthalten. Aber die Kids hatten auch jede Menge Spaß.

Im Vorfeld waren die Eltern von der Campleitung schriftlich informiert worden, dass sie sich nicht wundern sollten, wenn sich ihre Sprösslinge während der Zeit im Camp selten oder gar nicht melden würden. Zum einen wäre das Netz dort schlecht, zum anderen hätten die Kinder an den vollgepackten Tagen schlichtweg kaum Zeit, um sich mit ihren Mobiltelefonen zu beschäftigen. Damit alle besorgten Papas und Mamas dennoch verfolgen konnten, wie es ihren Kindern erging, gab es jeden Abend elektronische Post in Form einer umfangreichen Bildergalerie. Wenn man die Tochter oder den Sohn verschwitzt aber glücklich in der Mitte vieler strahlender Kinder sah, schliefen auch die allergrößten Helikopter unter den Eltern beruhigt ein.

Ich erinnerte mich, wie ich als Jugendlicher von meinen Eltern in ein Camp nach England geschickt wurde. Handys gab es damals keine, wir schickten Postkarten nach Hause, die allerdings meist erst nach unserer wohlbehaltenen Rückkehr ankamen. Ich entsinne mich auch, dass ich es damals regelrecht genossen habe, dem typischen täglichen Erziehungsalltag zu entkommen. Auch wenn in allen Camps klare Regeln gelten, fällt es erstaunlicherweise den meisten Teilnehmern im Camp leichter diese zu befolgen, als zu Hause im familiären Kosmos. "Bei uns bilden Sport und Gemeinschaft eine Symbiose, Regeln sind die Basis für Spiel und Spaß, die stellt auch abseits des Feldes niemand in Frage", erklärte mir einer der netten Betreuer beim gemeinsamen Mittagessen und ergänzte: "Wir als Coaches sind einerseits Respektspersonen aber auch irgendwie Kumpel, daher haben wir es oft leichter als die Eltern." Ich antwortete, dass ich künftig versuchen würde, noch mehr Coach als Vater zu sein, mein Gesprächspartner grinste und schlug mir aufmunternd auf die Schulter.

Die Basketballcamps am Schloss Hagerhof blicken auf eine lange Geschichte zurück. Seit 1995 kommen jährlich über 1000 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren in den Oster-, Sommer- oder Herbstferien nach Bad Honnef um gemeinsam mit Trainern aus aller Welt zu arbeiten und Spaß an der sportlichen Gemeinschaft zu haben. Regelmäßig schauen zudem NBA-Stars und Top-Spieler aus der Basketball-Bundesliga vorbei, im letzten Jahr war der von den Kids verehrte NBA-Star Dennis Schröder vor Ort, in diesem Jahr gab sich Maxi Kleber die Ehre, bevor er zur Vorbereitung auf die Basketball-WM zur deutschen Nationalmannschaft weiterreiste.

Egal ob sich die Träume vom Profi-Basketball bei den ambitionierten Nachwuchs-Spielern erfüllen oder nicht, die Einheiten mit den im wahrsten Sinne des Wortes ganz Großen ihres Lieblingssports werden sie garantiert nie vergessen. Auch mein Junior schwärmte nach einer Einheit mit zwei Top-Spielern der Telekom-Baskets: "Papa, die können Sachen, der absolute Wahnsinn."

Aber als es zur Siegerehrung kam, betonten die Coaches, worum es ihnen neben der Vermittlung von technischen Fähigkeiten unterm Korb auch ankam. So wurden auch Camp-Teilnehmer besonders belobigt, die dafür sorgten, dass andere sich verbesserten sowie auf und neben dem Spielfeld Engagement und Herz für ihre Mitspieler/innen zeigten. Natürlich bekamen auch die besten Korbzauberer ihre verdienten Trophäen, aber auch diejenigen, die während der Zeit im Camp die größte individuelle Entwicklung erzielt haben. Ein Junge wurde frenetisch von der Gruppe für seinen Award gefeiert - er spielte bislang noch nicht einmal im Verein, war aber wissbegierig und lernte schnell. Vielleicht sehen wir ihn doch noch irgendwann im Nationaldress unter dem Korb.

Am meisten Spaß hatte meine Frau am letzten verliehenen Preis: Den gab es für das ordentlichste Zimmer. Jeden Morgen gab es dazu einen Stubendurchgang der Coaches in dem malerischen Burg-Gebäude. Für gute Lüftung und einen strukturierten Gesamteindruck in den 2er und 4er Zimmern wurden Sternchen verteilt. Mein Sohn hat seiner Mutter versprochen, bei der nächsten Campteilnahme alles dafür zu geben, um gemeinsam mit seinem Zimmergenossen David diesen ganz besonderen Preis zu erringen. "Der Mama bedeutet Ordnung eben mehr als ein cooler Dunking", flüsterte er mir grinsend zu und wir gaben uns "High Five".

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