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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Wenn kleine Forscher für große Begeisterung sorgen

1965 erklärte stern-Vater Henri Nannen in einem Gründungsaufruf seine persönliche Motivation für die Unterstützung der Initiative "Jugend forscht". Frank Behrendt begegnete jetzt am Flughafen München Teilnehmern bei einer Vorausscheidung des diesjährigen Wettbewerbs.

"Solawi" heißt die Idee der Nachwuchsforscher, die Wind und Solarenergie gleichzeitig produzieren soll

"Solawi" heißt die Idee der Nachwuchsforscher, die Wind und Solarenergie gleichzeitig produzieren soll

Ich gehöre zu der Spezies, die alles dafür tut, um bei vereinbarten Terminen pünktlich zu sein. Das bedeutet dann auch, stets eine Maschine früher zu nehmen, um im Falle einer Verspätung immer noch genügend zeitlichen Puffer zu haben. So war es auch letzte Woche auf dem Weg nach München.

Die Lufthansa war just in time, ich hatte also Zeit und sah mich um. Ich stieß auf ein Hinweisschild, das den Weg zum Regionalwettbewerb von "Jugend forscht" wies. Schon von oben war der Blick in die Halle beeindruckend: Lauter kleine Info-Stände hatten die Schülerinnen und Schüler aufgebaut. Auf Tischen standen selbstgebaute Exponate, dahinter aufwendig produzierte Infotafeln.

Die Lehrerinnen und Lehrer checkten mit den kleinen Forschern, ob die Antworten auf alle möglichen Fragen saßen, die später beim Jury-Rundgang gestellt werden könnten. Ich begegnete Kilian und Max, beide 11 Jahre jung. Sie präsentierten mir stolz "Solawi" - eine smarte Anlage, die gleichzeitig Wind- und Sonnenenergie produziert.

Woher die Idee stammte, wollte ich wissen. Max erklärte mir, dass er mit seiner Mutter öfter an einem Windpark vorbeigefahren ist und sich stets fragte, wieso man auf dem großen Rotor nicht parallel auch die Sonnenenergie nutzen könnte. "Das spart Platz und macht doch viel mehr Sinn", sagte er voller Überzeugung. Gemeinsam mit seinem Kumpel und mit Hilfe ihres Lehrers Christoph Bürgis vom Gymnasium Gröbenzell haben sie dann ihren Solawi entwickelt. Solche Typen bauen später garantiert mal Kraftwerke auf dem Mars.

Ein paar Tische weiter standen zwei Mädchen, Caja und Lina. Sie finden es nicht gut, dass Schutzhüllen für Smartphones meist aus Plastik hergestellt werden. Kurzerhand haben sie eine Handyhülle aus Kork entwickelt. "KoCeCa" haben sie die genannt. Ich fragte nach. "Ist doch logisch", sagt Lina und erklärt es mir: "Ko(rk) Ce(llphone) Ca(se)". So schlau, so selbstbewusst diese 12-Jährige. Weil Caja und sie keinen Chemiekleber zum Verbinden der einzelnen Korkteile nehmen wollten, haben sie sich einen natürlichen Klebstoff zusammengemixt: Aus Maisstärke und Gustin von Dr. Oetker. "Der hält Mega", beteuern sie. Clever!

Beide fanden es gut, was die derzeit bekannteste junge Klimaaktivistin Greta Thunberg gemacht hat. "Es geht doch so nicht weiter mit der Umweltverschmutzung, wir haben doch nur eine Welt", erklärt Caja ernst und ich bin sicher, auch Henri Nannen hätte seine helle Freude an der forschenden Jugend von heute gehabt.