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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Wenn Oma und Enkel gemeinsam das Glück an die Hand nehmen

75 Lebensjahre liegen zwischen der Schwiegermutter von Frank Behrendt und ihrer jüngsten Enkeltochter. Und doch passt zwischen die beiden kein Blatt Papier. Das größte Glück für beide ist es, Arm in Arm miteinander durch den Wald zu spazieren und sich dabei zu unterhalten.

Frank Behrendts Schwiegermutter und seine jüngste Tochter beim geliebten Spaziergang

Frank Behrendts Schwiegermutter und seine jüngste Tochter beim geliebten Spaziergang

Spaziergänge haben eine lange Tradition. Dereinst lustwandelten die feinen Aristokraten durch Barockparks, später entdeckten auch die Bürgerlichen die Freude daran und bevölkerten fortan Gärten, Parks und Promenaden. Auch in unserer Familie gibt es seit ich denken kann den traditionellen Sonntagsspaziergang. Natürlich haben wir vor allem als heranwachsende Pubertierende dagegen oft opponiert, genützt hat es uns nichts. "Raus an die frische Luft", lautete die alternativlose Devise unserer Eltern. Heute lachen wir darüber und geschadet haben uns die Rundgänge sicher nicht.

Wenn ich heute meine kleine Tochter Holly und ihre Oma eng nebeneinander durch den Forstbotanischen Garten im Kölner Süden gehen sehe, dann laufe ich immer besonders langsam hinterher, um das Bild intensiv auf mich wirken zu lassen. Zwei Menschen, geboren in Zeiten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, in eine Richtung laufend.

Wenn die Ältere der Jüngeren von ihrer Kindheit erzählt, dann erzählt sie von Oldenburg. Dorthin war sie im Krieg geflüchtet als in Köln die Bomben fielen. Eine Puppe hatte sie mitnehmen können, sonst nichts. Die Jüngere ist unbeschwert und geht nie nur mit einer Puppe aus dem Haus, "damit Oma auch eine hat."

Großeltern waren immer schon etwas Besonderes für ihre Enkel und es scheint so zu sein, dass sie künftig noch näher zusammenrücken. "Heute stehen sich die Generationen toleranter, liberaler und offener gegenüber. Sie teilen die gleichen Werte," las ich kürzlich im Apotheken-Magazin ein Zitat vom renommierten Familiensoziologen Professor Francois Höpflinger, der an der Universität Zürich lehrt.

Neben den Werten teilen sie inzwischen auch oft die Technik. Zentrales Element unserer Urlaube ist mittlerweile das tägliche Verschicken der schönsten Schnappschüsse an die Oma. Kamen Postkarten früher oft erst nach der eigenen Rückkehr in der Heimat an, nehmen die Großeltern heute nahezu in Real-Time über das Handy an den Aktivitäten ihrer Enkel in aller Welt teil.

Ich selbst lese aktuell wieder einmal ganz analog in dem Buch "Spaziergänge mit Großvater". Darin beschreibt Joseph Marshall, ein Sioux-Indianer vom Stamme der Lakota die Ausflüge mit seinem Opa. Auf den Exkursionen in die Natur machte der alte Mann den Jungen mit den jahrhundertealten Weisheiten der Indianer vertraut. Die sind auch heute immer noch inspirierend.

Wenn ich meine kleine Tochter frage, wieso sie so gerne mit der Oma spazieren geht, dann erklärt sie mir ausführlich, was die Oma alles auszeichnet. Zum Beispiel, dass die Großmutter immer so gut zuhört und für alle ihre kleinen Sorgen und Nöte stets ein offenes Ohr hat. Bei der Oma fällt die Antwort auf die gleiche Frage kürzer aus: "Die Kleine an meiner Seite macht mich einfach glücklich." 

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