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L. Karasek: Tippt die noch ganz richtig?: Sie wurden gecockblockt? Das können Sie dagegen tun

Unter cockblocker versteht man eine Art Bumsbremse, einen Spielverderber. Was sie dagegen tun können? Das weiß stern-Autorin Laura Karasek.

Wurde Ihnen schon mal so richtig die Tour vermasselt? Im englischen gibt es das Wort "cockblocker" – nein, das ist kein Blockbuster und auch kein Anti-Virus-Programm für den Computer... Es bedeutet, dass jemand sich einer Ihnen als quasi sicher und auch durchaus vielversprechenden Aussicht auf Sex erfolgreich in den Weg stellt. Eine Art Bumsbremse, ein Spielverderber.

Sie sitzen ganz selig angeschwipst mit Ihrem Date an der Bar, als sich plötzlich eine Freundin dazu gesellt, die einfach nicht kapiert, dass Sie lieber mit Jens allein sein wollen. Die Freundin erzählt von ihrer Mexiko-Reise und wie sie sich dabei den Magen verdorben hat. "Es kam alles oben und unten gleichzeitig raus..." Das eben noch so sexy anmutende Gespräch nimmt eine schrecklich unerotische Dynamik an. Sie werden nicht mehr zum Zug kommen, fürchten Sie. Vielleicht verschwindet die Freundin ja irgendwann mal aufs Klo. Aber sie scheint mit einer starke Blase gesegnet zu sein oder zu viel Granufink, Cranberries und Kürbiskerne konsumiert zu haben – es zeichnet sich keinerlei Bedürfnis ab, die Keramik-Abteilung zu besuchen. Sie schenken sich nach. Sie schenken ihr nach. Trink, Mädchen, trink (und geh doch IRGENDWANN mal Pipi machen). Bald ist Ihre Freundin so betrunken, dass sie mit offenem Mund an Jens' Schulter einschläft. Sie müssen die Freundin wecken, sie ins Taxi schleifen, zerren oder schleppen und eigentlich auch mitfahren (sonst wirken Sie ja auch vor Jens wie ein egoistisches Biest "ach, die schafft das schon allein," winken Sie noch ab, aber da fällt die Freundin auch schon hin. Jens, der Verständnisvolle – kotz – merkt sogar noch an, dass sie "ruhig fahren können". Was sollen Sie da noch erwidern? "Nein, danke. Ich will lieber mit Dir vögeln, Jens. Aber ich bin eigentlich echt total die liebevolle, fürsorgliche Freundin und ein guter Mensch?"

Sie wurden gecockblockt

Sie könnten natürlich auch der Freundin einfach 20 Euro in die Hand drücken und sie ihrem Schicksal überlassen. Worüber Sie kurz nachdenken. Bis Ihre Freundin sich versehentlich beim Taxifahrer auf den Schoß setzt. Es hilft nix- Sie müssen mit!). Jens bleibt jenslich unberührt. Und Sie? Was sollen Sie der Freundin vorwerfen? Immerhin gibt es keine festen Regeln, was das "in-ein-Gespräch-hineinplatzen" betrifft. Außerdem: vielleicht wäre Jens ja ein ganz miserabler Liebhaber gewesen oder hätte Sie nach dem Sex nie wieder angerufen? Und dann sollten Sie Ihrer Freundin eigentlich dankbar sein, dass sie Sie vor diesem Unheil bewahrt hat. Vielleicht hätte Jens auch eine ganz hässliche Wohnung gehabt mit einem Wasserbett und Frottee-Bettwäsche... Es ist, wie ist es: Sie wurden gecockblockt.

Eigentlich trotzdem schon wieder sexistisch, dass der Begriff "cockblocking" heißt – das Wort also zunächst antizipiert, dass der Mann davon betroffen ist. Sein Ding, sein Cock, sein Geschlechtsteil kommt nicht zum Zuge, ist geblockt. "Schwanzsperre" wäre das dann auf Deutsch? Aber es gibt auch durchaus Frauen unter den Opfern. Aber das kann sich die Sprache vielleicht wieder nicht vorstellen. Und außerdem gibt es ja so wenig brauchbare Begriffe für das weibliche Geschlechtsteil... Viele davon werden gern als Schimpfwort (F...) benutzt. Andere (Vulva, Vagina) schlicht falsch. "Muschimauer" wäre dann auch irgendwie seltsam...

Und warum hat die englische Sprache für alles rund um Dates, Liebe, Flirts und Spielereien einfach die viel prägnanteren, bildlicheren Begriffe als das ach so poetisch Deutsche? "ghosting, sexting, stalking, submarining" usw.

Legen Sie los!

Was also tun, wenn die Sozialkompetenz im Freundeskreis nicht ausreicht? Wenn Bekannte nicht merken, dass sie stören? Dürfen Sie etwas sagen oder müssen Sie stillschweigend hinnehmen, dass der Traum vom Nacktsein ("Danke, Merkel") geplatzt ist?

Wahrheit, so wissen wir, hat einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Also sagen Sie Ihrer Freundin ruhig, dass sie stört. Nur wie, wenn der Angebetete direkt daneben sitzt? Vielleicht schicken Sie einfach eine Whatsapp "bitte hau ab, ich mach grad den Typen klar" an Ihre Freundin. Blöd ist nur, wenn Jens sich dann im weiteren Verlauf des Abends so viel Vodkashots reinknallt, dass Sie ihn zum Taxi tragen müssen. Dann hat er sich selbst ge-cockblocked. Es ist nicht so leicht, den richtigen Augenblick zu erwischen... Also legen Sie los!


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