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L. Karasek: Tippt die noch ganz richtig?: "Hilfe, eine Rosine steckt in meiner Tastatur" – Ein Fall für die IT

Egal bei welchem Problemchen im Büro stern-Autorin Laura Karasek greift immer auf die Hilfe der IT zurück. Wie amüsant das sein kann, hat sie aufgeschrieben.

Von Laura Karasek

Bei jedem Problemchen im Büro ist die IT zur Stelle

Bei jedem Problemchen im Büro ist die IT zur Stelle

Meine Geheimnisse sind bei mir – und bei den fünfundzwanzig Mitarbeitern der IT – gut aufgehoben... Sie kennen das? Sie tragen einen privaten Termin bei OUTLOOK ein und alle Assistentinnen haben Zugriff auf Ihren Kalender und bekommen ein Update per E-Mail mit Ihrem Termin "Waxing" oder Sie kaufen Obst to go, in so einem verschließbaren Plastikbecher – dabei fühlen Sie sich sehr gesund und gut. Als Sie jedoch wenig später kurz vor Ihrem Meeting in die Handtasche greifen, um ein Stück Ananas zu essen, stellen Sie fest, dass das ganze Obst in der Handtasche herausgefallen und ja – dank der Melone und Ananas im eigenen Fruchtsaft – sogar ausgelaufen ist. Sie essen also genüsslich klebrige Stücke aus Ihrer Handtasche, als Ihre Kollegen vom Meeting vorbeikommen und sehen, wie Sie aus einer Handtasche eine Obstschale gebastelt haben. Mir ist auch schon mal ein Kakao in einer brandneuen Tasche ausgelaufen. Alle Lippenstifte! Das Puder! Das Portemonnaie! Das ! Pain au chocolat. Schmerz durch Schokolade... Außerdem hatte ich nach einer Grillparty mal eine Currywurst in der Handtasche, die ziemlich lange unbemerkt vor sich hingestunken hat (ich hatte diverse andere Menschen in meinem Umfeld verdächtigt, es mit der Körperhygiene nicht so ernst zu nehmen... bis ich feststellen musste, dass ich selbst das Fleischparfum war , l'eau de veau. Besser als ein Hackbällchen – das hatte meine Freundin mal in der Handtasche. A propos hacken - jedenfalls: die IT und ich, auch ein von Intimitäten und Nahrungsmitteln geprägtes Verhältnis

Ich habe vorgestern in einer Heißhungerattacke 200 Gramm Studentenfutter in mich hineingekrümelt, weil ich mir mittags noch gesagt hatte "Heute mal kein Mittagessen, Du hast doch gar nicht so großen Hunger..." Stolz über meine eigene Disziplin holte ich mir nur einen Milchcafe und genoss die Hungerlosigkeit. Um 15.47h rächte sich der Verzicht und zahlte es mir mit dem Gang zum Automaten im Erdgeschoss und der 200Gramm-Packung Studentenfutter heim. Da hätte ich mittags mal lieber die Karotten-Ingwer-Suppe gegessen... Ich glaube, selbst ein Schnitzel mit Bratkartoffeln hat weniger Kalorien als diese fiese angeblich gesunde Nuss- -schokolierte-Mandel-Mischung... Vor Hast und Hunger kullern einige Erdnüsse, Cashews und Rosinen über meinen Schreibtisch und eine landete mitten in meiner Tastatur. Rosine versenkt.

Ich schrieb also folgende Mail an unsere IT-Abteilung (ich glaube, mit denen hatte ich häufiger Kontakt als mit meinen Chefs): "Liebes IT Team, ich kann leider nicht arbeiten, weil eine Rosine in meiner Tastatur feststeckt. Ich weiß, dass ich gestern schon mal angerufen habe, weil ich nicht bemerkt habe, dass schlichtweg der Akku meines Rechners leer war. Heute ist aber der Akku voll – und die Tastatur leider auch. Bitte entfernen Sie die Rosine!"

Während ich also auf die IT warte, damit die Rosine fachgerecht aus der operiert wird (ohne dass ich Tasten herausbreche), werde ich etwas hektisch, weil ich noch die ganzen Nagellackfläschchen, -entferner und die Tuch-Gesichtsmaske, die ich heute Mittag hinter verschlossener Bürotür trug, verstecken muss, bevor der IT-Mann reinkommt und mein Büro für einen Beauty Salon hält. Den Nagellackgeruch bekomme ich wohl leider nicht mehr rechtzeitig weg. Man kann meine Faulenzerei förmlich riechen. Na ja, immerhin sind die Fingernägel präsentierbar, die Präsentation ist es nicht. Und ich treffe noch nicht mal den Nagel auf den Kopf – denn übergemalt habe ich noch dazu. Als ich also mein Maniküre-Set und meine restlichen Pflegeprodukte vom Schreibtisch räumen will, kippe ich eine große Tasse Tee über mein Handy.

Wieso bin ich so? Hätte ich einfach mal mit der Rosine gelebt- wir hätten uns sicher gut verstanden... es gibt genug Worte ohne d,s, und x!

Ach, die IT hat schon so einige Momentchen mit mir erlebt! Wie neulich, als ich in einer großen Telefonkonferenz ein Dokument öffnen sollte. Die Konferenz mit sechzehn Teilnehmern hatte schon ewig gedauert und ich war währenddessen auf BILD online gegangen, als der Rechner einfror. Nichts ging mehr. Plötzlich bat mich einer der Chefs um eine Angabe aus einem Dokument, also rief ich hektisch mit dem Handy bei der IT an und bat um Hilfe. Die Konferenz hatte ich – hoffentlich – auf stumm geschaltet. "Just one moment" bat ich vorher noch alle Teilnehmer.

"Ich komme mal mit auf den Rechner" sagt die IT in solchen Situationen immer und meist ist irgendein doofes Fenster offen. In diesem Fall war es BILD mit der Headline "Sextalk auf der Nacktinsel". Das sah doch mal definitiv nach harter Arbeit aus!

"Wir müssen den Computer neu starten." Keine Angabe, kein Dokument, kein Triumph. "I will get back to you later." sagte ich so tapfer ich konnte zu den sechzehn wartenden Kollegen und Kunden. Das war mein glorreicher einziger Beitrag in insgesamt zwei Stunden Telefonkonferenz.

Manchmal waren auch dutzende Fenster geöffnet, wenn die IT gerade mal wieder "mit auf den Rechner" kam: online shopping für Unterwäsche, die Website eines Arztes (gern eines Proktologen oder so) oder google mit der Suchanfrage "Ausschlag Haut Oberschenkel juckt" oder "wie werde ich schneller braun? Oder "wie lange ist THC im Urin nachweisbar?" oder "Wann ist der Eisprung?" oder "Wie bekomme ich einen flachen Bauch, ohne zu trainieren?" Seriöses Zeug halt.

Schön ist auch, wenn das Bürohandy abstürzt und man es bei der IT abgeben muss.

Alle Chats und privaten Termine, alle Fotos und aufgerufenen Seiten – das Handy ist ja heute intimer als jedes Tagebuch. Letztens schickte mir der IT-Mann (einer meiner Lieblings-IT-Männer, Herr Fuchs) nach dem Reset und Austausch meines Handys ein paar Fotos per Mail. Es handelte sich um laszive Selfies (ja, hauptsächlich von MIR), die ich anscheinend auf dem Handy gespeichert und MIT dem Handy versendet (oder empfangen) hatte. "Vielleicht brauchen Sie die noch", schrieb er – im Anhang tauchten alle Bilder als Sofortvorschau auf, wie Puzzleteile des Psychogramms eines Psychopathen. Was ich brauche, ist Selbstkontrolle! Und Nahrung, die weder in passt noch in Tastaturen.