Personal Service Agenturen Viel Lärm um wenig


6500 Arbeitslose sind bisher bei den als Kernstück der Hartz-Reform gedachten Service-Agenturen untergekommen, ganze 117 wurden vermittelt. Dabei waren die Planer von 50.000 Beschäftigten bis Jahresende ausgegangen.

Kein begeisterndes Zwischenergebnis: Von den bislang 6500 bei Personal Service Agenturen (PSA) untergekommenen Arbeitslosen wurden erst 117 in Arbeit vermittelt. Das sagte der zuständige Referatsleiter der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Ulrich Gawellek, dem 'Tagesspiegel'. Nach den Plänen der Bundesanstalt für Arbeit (BA) sollen die Agenturen bis Ende 2003 mindestens 50.000 Arbeitslose aufnehmen, verleihen und möglichst schnell in dauerhafte Jobs vermitteln. Für die Betreuung der Arbeitslosen erhalten die PSA im Schnitt monatlich 1000 Euro pro Person. Gawellek wies den Vorwurf der Arbeitgeber und Zeitarbeitsfirmen zurück, "Preisdumping" zu betreiben. "Die PSA bieten nicht flächendeckend unter dem Marktpreis an." Bislang gebe es nur wenige Einzelfälle.

Die etablierten Zeitarbeitsunternehmen sehen das ganz anders. Der Geschäftsführer von Manpower Deutschland, Thomas Reitz, sagte dem Blatt: "Ich bin dafür, dass die PSA in ihrer jetzigen Form abgeschafft werden." Problematisch sei, dass die erfahrenen Zeitarbeitsunternehmen nur für einen Teil der PSA den Zuschlag von der BA bekommen hätten. Die meisten Unternehmen, die auf Grund ihres günstigen Angebots jetzt die PSA betrieben, seien unerfahren und nutzten die Subventionen von der BA, um den Preis zu drücken.

Clement: "Absolut unbefriedigendes Ergebnis"

Auch nach Meinung von Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) haben die als Kernstück der Hartz-Reform gedachten Personal Service Agenturen die Erwartungen enttäuscht. Dass bislang lediglich 6500 Arbeitslose bei den PSA untergekommen seien sei ein "absolut unbefriedigendes Ergebnis", sagte der Minister in Berlin. Clement wie auch der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Harald Schartau (SPD) verteidigten die PSA aber gegen Kritik von Arbeitgebern und Gewerkschaften.

Clement will überprüfen, ob die richtigen Unternehmen beauftragt worden seien. Er peile nach wie vor rund 50.000 Arbeitslose an, die als Leiharbeiter noch in diesem Jahr bei den PSA Beschäftigung finden sollen. Die bisherigen 6500 seien "viel zu wenig". Er sei zuversichtlich, dass das Konzept an Fahrt gewinne, wenn es konjunkturell weiter aufwärts gehe. Sollten Erfolge aber dauerhaft ausbleiben, müsse man darüber "nachdenken, ob das, was wir eingeleitet haben, richtig ist."

Zusammenarbeit zwischen PSA und Arbeitsämtern noch nicht ideal

Schartau nannte die Zusammenarbeit der PSA mit den Arbeitsämtern noch nicht optimal. Er wies mit Clement den Vorwurf zurück, die Agenturen betrieben "Preisdumping" mit Hilfe von Subventionen. Die Kritik der Arbeitgeber und Zeitarbeitsfirmen an den PSA sei nur deshalb so scharf, weil die Zeitarbeitsunternehmen wegen der konjunkturellen Flaute Probleme hätten, sagte Schartau im WDR. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) dringt auf eine zügige Abschaffung der PSA.

Verbände und Institute kritisieren Regierung

Die Reformvorhaben der Regierung zum Arbeitsmarkt gehen nach Ansicht des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Kern der Probleme vorbei. "Vieles ist nur Flickschusterei. Wenn die Vorschläge endlich auf dem Tisch liegen, wird sofort lauthals über die Reform zur Reform nachgedacht", sagte IWH-Arbeitsmarktexperte Herbert Buscher in einem dpa-Gespräch. Das Grundproblem sei, dass es in Deutschland ein unzureichendes Angebot an Arbeitsstellen gebe, die besetzt werden könnten.

Kritik an den Reformplänen für den Arbeitsmarkt äußerte auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer forderte die Regierung wie schon zuvor der DGB auf, die Umfinanzierung für die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe grundlegend zu überarbeiten. Er verlangte eine "ehrliche, transparente und entlastungswirksame Lösung", die kurzfristig die Senkung des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung von 6,5 auf 4,5 Prozent ermögliche und den Kommunen wieder Handlungsspielraum für Infrastruktur-Investitionen gebe. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft verlangte ebenfalls Korrekturen.


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