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Studie: Reallöhne sinken seit acht Jahren

Die Reallöhne in Deutschland sind von 2000 bis 2008 gesunken - selbst im Aufschwungjahr 2007. Deutschland ist das einzige Land in der EU, das einen solchen Trend zu verzeichnen hat. Andere westliche EU-Länder dagegen können mit Zuwächsen von bis zu 40 Prozent glänzen.

Anders als in allen anderen EU-Staaten sind die Reallöhne in Deutschland einer Studie zufolge seit der Jahrtausendwende rückläufig. Die Reallöhne hierzulande gingen zwischen 2000 und 2008 um 0,8 Prozent zurück, während sie in den übrigen Mitgliedstaaten zulegten, wie das Forschungsinstitut WSI der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung mitteilte.

In mehreren mittel- und osteuropäischen EU-Ländern stiegen die realen Bruttolöhne in dieser Zeit demnach sogar um mehr als hundert Prozent an. Bei den alten EU-Ländern wiesen die Niederlande, Schweden, Finnland, Dänemark, Großbritannien, Irland und Griechenland mit Werten zwischen 12,4 und 39,6 Prozent die höchsten Reallohnsteigerungen auf.

"Deutschland hat eine hochproblematische lohnpolitische Sonderstellung, die sich zunehmend zugespitzt zeigt", erklärte WSI-Forscher Thorsten Schulten, der die Reallohnentwicklung auf Basis von Daten der EU-Kommission analysierte. Obwohl die Inflationsraten hierzulande im EU-Vergleich niedrig seien, liege die Bundesrepublik bei den Reallöhnen konstant hinten - in der längerfristigen Betrachtung ebenso wie im Aufschwungjahr 2007 und auch in der Prognose für dieses Jahr: Während die Europäische Kommission in ihrer Frühjahrsprognose im EU-Durchschnitt für das laufende Jahr ein leichtes Reallohnwachstum veranschlage, rechneten die Brüsseler Experten für Deutschland wieder mit einem Rückgang.

Als Grund für die Sonderrolle der Bundesrepublik nannte Schulten die sogenannte negative Lohndrift, die er als deutsche Eigenheit bezeichnete. Während in anderen Ländern die Effektivlöhne häufig deutlich stärker stiegen als die Tariflöhne, sei es in der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren meist umgekehrt gewesen: Hier hätten die Beschäftigten im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt niedrigere Lohnerhöhungen bekommen, als in den Tarifverträgen vereinbart worden sei. Wesentliche Ursachen seien die rückläufige Tarifbindung und Möglichkeiten, in Betrieben von tarifvertraglichen Standards nach unten abzuweichen, erläuterte Schulten.

AFP/AFP

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