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Luftverkehr: Aero Lloyd hofft auf Rettung

Die insolvente Ferienfluggesellschaft Aero Lloyd braucht zum Überleben einen Überbrückungskredit in Höhe von 23 Millionen Euro. Die Luftfahrtkonkurrenten rechnen indes mit ihrem Verschwinden vom Markt.

Die insolvente Ferienfluggesellschaft Aero Lloyd hält die Wiederaufnahme des Flugbetriebes schon binnen weniger Tage für möglich. Sie braucht zum Überleben nach eigenen Angaben allerdings kurzfristig 23 Millionen Euro. Vertreter der 1.400 Beschäftigten forderten die bayerische Staatsregierung am Wochenende auf, den Hauptgesellschafter BayernLB doch noch zur Bereitstellung der zur Sanierung dringend benötigten Kredite zu bewegen.

Hoffnung auf Wiederaufnahme des Betriebs

Der vorläufige Insolvenzverwalter Gerhard Walter sei zuversichtlich, dass eine Rettung möglich sei, sagte Aero-Lloyd-Sprecherin Dorothea Hohn am Sonntag. "Die Gespräche sind angelaufen. Es ist durchaus denkbar, dass schon in dieser Woche zumindest ein Teil des Flugbetriebes wieder starten kann", gab sie sich am Rande der Jahrestagung der deutschen Touristikbranche in Tunesien optimistisch. "Es geht darum, kurzfristig einen Überbrückungskredit in Höhe von 23 Millionen Euro zu bekommen." Der Insolvenzverwalter bemühe sich zudem um einen neuen Investor für die Airline. Für Montagmorgen ist ein erstes Gespräch mit der Bayerischen Landesbank (BayernLB) geplant. Der bisherige Hauptaktionär mit 66 Prozent hatte neue Finanzmittel und damit den Sanierungsplan für die verschuldete Fluggesellschaft abgelehnt. Daraufhin hatte die vor knapp 24 Jahren gegründete Aero Lloyd den Flugbetrieb am Donnerstag eingestellt.

Rückflüge für Einzel-Passagiere sichergestellt

Unterdessen hat Aero Lloyd nach eigenen Angaben die Rückflüge die Passagiere mit Einzelplatztickets bis zum 25. Oktober 2003 sichergestellt. Reisende, die nur die Flugreise bei dem in Oberursel ansässigen Unternehmen gebucht haben, könnten ohne Zuschlag auf folgende Gesellschaften umbuchen: Thomas Cook Airlines, Air Berlin, Hapag-Lloyd, LTU, Lufthansa, Austrian Airlines und Lauda Air. Wie Aero Lloyd am Sonntag mitteilte, sollten Passagiere sich an ihrem Urlaubsort am Flughafen mit den Gesellschaften in Verbindung setzen. Die Fluggesellschaft verhandle für alle Abflüge nach dem 25. Oktober noch mit Veranstaltern und Fluggesellschaften. Weitere Informationen gibt es unter der Service-Telefonnummer: 0511 - 5678000.

"Durchgriffshaftung" könnte für Bayern LB teuer werden

Nach Angaben aus Branchenkreisen muss die BayernLB im Falle einer Aero-Lloyd-Pleite möglicherweise mit höheren Belastungen rechnen als bisher gedacht. Die Bank hatte zwar erklärt, sie müsse "deutlich weniger" als die in Medienberichten genannte Summe von 250 Millionen Euro aufwenden. In Luftfahrtkreisen hieß es allerdings, der Gesamtschaden für Rücktransport der Urlauber durch Dritte, die Ansprüche von Flughäfen und Leasinggesellschaft könnte sich auf mehr als eine halbe Milliarde Euro summieren. Dann stelle sich für den Insolvenzverwalter die Frage, in welchem Umfang die BayernLB im Wege der "Durchgriffshaftung" hierfür noch aufkommen muss.

Betriebsgenehmigung nicht dauerhaft entzogen

Nach Angaben von Aero Lloyd hat das Luftfahrt-Bundesamt entgegen den Darstellungen des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes (DRV) die Betriebsgenehmigung nicht dauerhaft entzogen, sondern lediglich vorübergehend ausgesetzt. "Die Behörde hat uns mitgeteilt, dass sie auf einen Widerruf zunächst verzichtet und die Betriebsgenehmigung deshalb wieder einsetzen kann, wenn ein Sanierungsplan steht", sagte die Sprecherin.

Konkurrenten rechnen mit Verschwinden

Die großen Touristikkonzerne TUI und Thomas Cook kalkulieren damit, dass Aero Lloyd vom Markt verschwindet. Beide Konzerne, die selbst eigene große Ferienfluggesellschaften betreiben, sehen darin eine sinnvolle Marktbereinigung angesichts der Überkapazitäten in der deutschen Luftfahrt. Der Chef der Air Berlin, Joachim Hunold, sieht allerdings weiterhin einen hohen Wettbewerbsdruck auch ohne die 21 Aero-Lloyd-Maschinen am Himmel. Er sei skeptisch, ob sich die Lage entspanne, sagte er dazu.

Sanierungsplan: Schwarze Zahlen bis 2006

Aero Lloyd wies darauf hin, dass die Geschäftsleitung die Insolvenz nicht wegen akuter Zahlungsunfähigkeit, sondern wegen einer bilanziellen Überschuldung angemeldet habe. Nach Angaben aus Unternehmens- und Bankenkreisen sah der von der BayernLB abgelehnte Sanierungsplan neben dem Überbrückungskredit eine Kapitalerhöhung bei Aero Lloyd um 35 Millionen Euro vor. Die Airline ist diesen Angaben zufolge mit rund 100 Millionen Euro verschuldet. Der von der Unternehmensberatung Roland Berger im Auftrag der BayernLB erstellte Sanierungsplan habe binnen drei Jahren schwarze Zahlen für Aero Lloyd vorgesehen.

Möglichkeit für Weiterbetrieb geprüft

Die Sprecherin wollte diese Details nicht bestätigen. Aber das deutsche Insolvenzrecht biete gute Möglichkeiten für den Weiterbetrieb, wenn eine Entschuldung von Aero Lloyd gelänge. Die Airline verfüge über eine der jüngsten Flotten und fliege mit niedrigen Kosten wie die irische Billiglinie Ryanair.

Belegschaft forderte Bank zur Hilfe auf

Aero-Lloyd-Mitarbeiter forderten unterdessen in offenen Briefen die BayernLB und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber auf, die notwendigen Überbrückungskredite zu gewähren. Die Bank habe Mitte 1998 als Gegenleistung für Gehaltsverzicht eine Arbeitsplatzgarantie bei Aero Lloyd bis Ende 2004 gegeben, sagte eine Sprecherin des Kabinenpersonals.

DPA