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100 Jahre Osram: Von der Glühlampe zur Lichttechnik

Die klassische Glühbirne steuert bei Osram in Zeiten moderner Technologien nur noch drei Prozent des Umsatzes von zuletzt 4,3 Milliarden Euro bei. Zum hundertjährigen Jubiläum erinnert der Konzern aber gerne an die Anfänge.

Als Glühlampen-Hersteller lässt sich die Siemens-Tochter Osram nur noch ungern bezeichnen. "Wir sind zu einem High-Tech-Unternehmen der Lichtbranche geworden", sagt Vorstandschef Martin Goetzeler. In diesen Tagen aber erinnert der Lichtkonzern gerne an die Anfänge mit der Glühlampe - Osram wird nämlich 100 Jahre alt.

Am 17. April 1906 wurde die Glühbirnen-Marke beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin eingetragen, heute gilt sie als eines der bekanntesten Warenzeichen weltweit. Neben Glühlampen in allen Variationen produziert Osram, eine Tochter von Deutschlands größtem Elektronikkonzern Siemens, auch Beleuchtung für Bildschirme, Bürogeräte, chirurgische Instrumente, für Discos, Autos oder Landebahnen. Das Unternehmen mit Sitz in München ist einer der führenden Lichthersteller der Welt.

Der helle Kopf hinter Osram hieß Carl Auer von Welsbach, ein österreichischer Chemiker und Unternehmer. Nachdem Thomas Edison der Glühbirne 1879 zum Durchbruch verholfen hatte, entwickelte der Wiener die Erfindung weiter und ersetzte den zerbrechlichen Kohlefaden im Innern durch einen wesentlich stabileren Metallglühdraht. Weil dieser zunächst aus Osmium bestand, nannte Auer sein Produkt "Os-Lampe". Ein paar Jahre später kam das Metall Wolfram zum Einsatz, das die höchste Schmelztemperatur aller Metalle aufweist und Lichtausbeute und Lebensdauer der Lampen erhöhte. Nach den Materialien für den Glühwendel wählte der Tüftler den Produktnamen: "Os" für Osmium und "ram" für Wolfram.

Der Weg zum Massenprodukt

1906 meldete Auers in Berlin gegründete Deutsche Gasglühlicht-Anstalt die Marke Osram an, die als WZ 86.924 in die Patentbücher eingetragen wurde. Material für die Glühfäden war anfangs schwierig zu bekommen, außerdem waren die Lampen mit einem Preis von fünf Reichsmark pro Stück recht teuer. Doch im Zuge der Elektrifizierung setzte sich das erste mit Strom betriebene Massenprodukt durch.

Als Auers Unternehmen, AEG und Siemens & Halske schließlich ihre Glühlampenproduktion zusammenlegten, entstand am 1. Juli 1919 die Osram Werke GmbH Kommanditgesellschaft. Während der Weltwirtschaftskrise 1929 trat die amerikanische International General Electric als Gesellschafter bei Osram ein. Seit 1978 ist Osram eine 100-Prozent-Tochter des Siemens-Konzerns.

Zwei Oskars für Osram-Lampen

Mit der Unternehmensgründung führte Osram auch sein noch heute verwendetes Logo ein: eine strahlende Glühlampe - als Symbol für Licht und gute Ideen, wie Geschäftsführer Martin Goetzeler erläutert. "Hell wie der lichte Tag", lautete der Werbespruch, mit dem Osram seit den 50er Jahren seine Bekanntheit steigerte. Das Logo steht nach Goetzelers Angaben außerdem für so genannte intelligente Leuchtmittel, die Osram schon seit jeher entwickelt.

1925 kam eine innovative Autoscheinwerferlampe auf den Markt, bei der Fern- und Abblendlicht aus einer einzigen Lichtquelle stammten. Heute gehört die Lampe namens Bilux zu den erfolgreichsten Produkten des Unternehmens, und Osram ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Autolampen und LED-Anzeigen für Fahrzeuge. 1954 entwickelten Osram-Forscher eine Kinolampe für Effektbeleuchtung, für die sie 1983 einen Oscar bekamen. Vier Jahre später wurde außerdem eine Studiolampe mit der begehrten Auszeichnung prämiert. 1985 positionierte sich Osram zudem als Pionier für Energiesparlampen im Privathaushalt.

Internationales High-Tech-Unternehmen

Mehr als 38.000 Beschäftigte arbeiten heute in 19 Ländern für Osram. Schon in den 20er Jahren baute das Unternehmen seine Position weltweit aus und gründete Niederlassungen in Zürich, Wien, Oslo, Rio de Janeiro oder Schanghai. Der Firmensitz, der nach dem Zweiten Weltkrieg von Ost- nach Westdeutschland verlegt wurde, ist heute in München. In Deutschland beschäftigt Osram rund 8.700 Mitarbeiter, die entweder in Forschung und Entwicklung oder in der Produktion von High-Tech-Lampen für Autos oder Schaufenster arbeiten.

"Wer hätte das gedacht?"

Das Jubiläum der traditionsreichen Marke wird an den neun deutschen Standorten besonders gefeiert. "Wer hätte das vor 100 Jahren gedacht?", lautet das Motto. Carl Auer von Welsbach hätte sich damals wohl auch nicht träumen lassen, dass Osram heute mit einem Jahresumsatz von 4,3 Milliarden Euro und einem Ergebnis von 465 Millionen Euro einer der weltweit führenden Lichthersteller ist. Seine Entwicklung, die klassische Glühbirne, sorgt nur noch für rund 3 Prozent des Umsatzes. Trotz langlebiger und energiesparender Produkte ist Auers Produkt aber aus dem Alltag der Menschen so schnell nicht wegzudenken: Weltweit werden jedes Jahr schätzungsweise rund 15 Milliarden Glühbirnen benötigt.

AP/DPA / AP / DPA