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Airbus A380: Die Angst nach der Bruchlandung

Gedrückte Stimmung in Hamburg: Die Airbus-Mitarbeiter fürchten wegen der Lieferverzögerungen beim Superflieger A380 um ihre Jobs. Die Politik will sich zwar für den Standort einsetzen, doch einige Fluglinien denken schon über Abbestellungen nach.

In die Gesichter vieler Airbus-Mitarbeiter im Werk der Hansestadt steht Sorge geschrieben. Die Unsicherheit über den in die Krise geratenen Flugzeugbauer ist groß. "Wir wissen nicht so ganz genau, was künftig passieren wird", sagt ein Mitarbeiter des Werks im Hamburger Stadtteil Finkenwerder, wo sich die gigantischen Hallen für den Superjumbo A380 in den Himmel strecken. Rund 40.000 Arbeitsplätze hängen in Deutschland nach Industrieschätzungen von dem neuen Airbus ab, allein in Hamburg 2500 Jobs.

Einigen Arbeitern in blauen Hosen ist die Verunsicherung deutlich anzumerken. Mit tiefen Sorgenfalten auf der Stirn kommen sie zur Schicht und hoffen auf mehr Informationen über die Situation beim Flugzeugbauer. Das Hamburger Regenwetter passt zur Stimmung am Werkstor. Der Blick Richtung Horizont ist von dunklen Wolken getrübt - ähnlich wie die Aussichten für das Airbus Vorzeige-Projekt A380.

Glos trifft Airbus-Chef zu Krisentreffen

Der Airbus-Mutterkonzern EADS hatte am Dienstag mitgeteilt, dass sich die A380-Auslieferung um ein weiteres Jahr verzögert. Die Bundesregierung und auch die Regierungen von Hamburg und Niedersachsen setzten sich nun für den Erhalt der Jobs in Deutschland ein.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos will mit Airbus-Chef Christian Streiff am Donnerstag zu einem Krisentreffen in Berlin zusammenkommen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) forderte den EADS-Mutterkonzern auf, bei dem anstehenden Sparkurs sicherzustellen, dass dieser nicht auf Kosten der Arbeitsplätze in der Bundesrepublik geht. Die Gewerkschaft IG Metall Küste und die Betriebsräte forderten die Offenlegung aller Planungen.

Französische Zeitungen hatten von einem drastischen Umstrukturierungsprogramm berichtet. Demzufolge könnte das Hamburger Werk große Teile der A380-Fertigung zu verlieren. Im Gegenzug werde aber die Fertigung der kleineren A320 zu großen Teilen in die Hansestadt verlagert.

Die Reaktionen der A380-Kunden auf die Probleme bei Airbus sind unterschiedlich: Die Fluglinie Emirates sieht in den weiteren Verzögerungen "eine sehr ernste Angelegenheit". Die australische Qantas äußerte sich enttäuscht und erklärte, man werde den Kapazitätsbedarf nun neu bewerten. A380-Erstkunde Singapore Airlines erklärte, man wolle zunächst die Auswirkungen der neuen Verzögerung prüfen, dem A380 aber treu bleiben. Die Lufthansa zeigte sich weiter überzeugt, dass die A380 ein Erfolg sein werde. Sie hält an ihrer Bestellung von 15 Maschinen fest und bekommt den ersten A380 nun erst im Sommer 2009.

Boeing könnte profitieren

Der Rückschlag könnte aber dem amerikanischen Erzrivalen Boeing Auftrieb verschaffen, der dem A380 sein neues Langstreckenflugzeug Dreamliner und eine vergrößerte Version der bewährten 747 entgegenstellt. Singapore Airlines will seine geplante Kapazitätserweiterung zunächst mit 19 neuen Maschinen des Typs Boeing 777-300 umsetzen, wie das Unternehmen mitteilte. Airbus werde eine Entschädigung für die Verzögerung zahlen, hieß es. Die erste Maschine soll im Oktober 2007 übergeben werden.

Der EADS-Konzern will nun mit dem Programm "Power 8" ab 2010 mindestens zwei Milliarden Euro jährlich einsparen. Glos verlangte eine faire Lastenverteilung zwischen den einzelnen europäischen Standorten. Dies sei ihm in Gesprächen mit der Spitze von EADS ausdrücklich bestätigt worden, sagte er.

Frankreich unterstützt Sanierungsplan

Die französische Regierung stellte sich unterdessen klar hinter den Sanierungsplan von Airbus und sprach der Unternehmensführung ihr Vertrauen ausgesprochen. Er vertraue darauf, dass der Flugzeugbauer die weiteren Lieferverzögerungen "zügig" bewältigen werde, sagte Premierminister Dominique de Villepin.

Der französische Staat hält mit der Lagardère-Gruppe 22,5 Prozent des EADS-Kapitals. Größter deutscher Aktionär ist der DaimlerChrysler-Konzern, der formal noch 33 Prozent der EADS-Anteile hält, seinen Anteil bis zum Frühjahr aber auf 22,5 Prozent senken will. Der Konzern will nun prüfen, inwieweit die Turbulenzen bei Airbus den Konzerngewinn im laufenden Jahr beeinträchtigen.

DPA/AP / AP / DPA