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Airbus: A380 hebt weiter von Hamburg ab

Gute Nachrichten für den Airbus-Standort Hamburg: Einem Medienbericht zufolge bleibt die Produktion des Riesen-Fliegers A380 in der Hansestadt. Für ein anderes deutsches Werk sieht es hingegen weniger rosig aus. Die endgültige Entscheidung wurde aber überraschend vertagt.

Der anstehende Sanierungsplan "Power 8" beim Flugzeugbauer Airbus sieht offenbar keinen Kahlschlag für den Standort Hamburg vor. Die Airbus-Führungsspitze habe bei einer Sitzung am Sonntag entschieden, die Arbeitsteilung beim Großraumflugzeug A380 beizubehalten, wie "Die Welt" berichtet. Der Superjumbo wird demnach weiterhin in Toulouse und Hamburg montiert und ausgeliefert. Zwischenzeitlich war über einen Abzug der A380-Produktion aus Hamburg spekuliert worden. "Airbus würde mit einem solchen Schritt die ohnehin komplizierte Sanierung noch weiter erschweren", hieß es laut "Welt" aus Unternehmenskreisen. "Deshalb wird man es bei zwei Endmontagelinien belassen." Der Board of Directors hat der Zeitung zufolge weitere Entscheidungen im Rahmen von "Power 8" getroffen.

Am Dienstag wird Sanierungsplan bekannt gegeben

Für die Airbus-Werke in den niedersächsischen Orten Varel und Nordenham oder zumindest einen der beiden Standorte sollen demnach externe Partner gefunden werden. Der Standort Buxtehude stehe auf der Kippe. Eine Entscheidung über die Arbeitsteilung beim Bau des neuesten Airbus-Projekts, des Langstreckenjets A350, wurde demnach noch nicht getroffen.

Beratungen über Sanierungsprogramm verschoben

Am morgigen Dienstag wollte der Airbus-Vorstand den Sanierungsplan in Toulouse bekannt geben. Doch ein Streit der Airbus-Staaten über die Arbeitsaufteilung beim A350-Projekts verzögert die Entscheidung über das Sanierungsprogramm: Der Mutterkonzern EADS unterbrach völlig überraschend seine Beratungen und verschob die mit Spannung erwartete Bekanntgabe des Programms "Power 8" bis auf weiteres.

Airbus-Chef Louis Gallois rief dazu auf, "sehr schnell eine Lösung zu finden, die nationale Probleme überwindet". Das Unternehmen teilte mit, der EADS-Vorstand wolle in den nächsten Tagen seine am Sonntagabend unterbrochenen Beratungen darüber fortsetzen, wie die Staaten am Bau des Langstreckenflugzeugs A350 XWB beteiligt werden.

Airbus-Sprecherin Maggie Bergsma sagte der AP, es habe keine Lösung über die Arbeitsteilung zwischen den beteiligten Ländern gegeben. Gallois sagte, er habe Vorschläge gemacht, die industriell und technologisch ausgewogen seien und dem Ziel der Wettbewerbsfähigkeit von Airbus dienten. "Ich hoffe, dass sie zu einem Konsens führen, den wir dringend benötigen. Airbus kann die Umsetzung von Power 8 nicht weiter verzögern." Auch die Beschäftigten wollten über ihre Zukunft endlich Klarheit, mahnte Gallois. Von Seiten der Bundesregierung und des Bundeswirtschaftsministeriums gab es zunächst keinen Kommentar.

Medienberichten und Gewerkschaftsangaben zufolge sieht der Plan den Abbau von 10.000 der europaweit 52.000 Stellen bis 2010 vor. Allerdings solle dies ohne Entlassungen erreicht werden, insbesondere Zeitarbeiter könnten betroffen sein. In den vergangenen Wochen hatten sich deutsche Politiker vehement dafür eingesetzt, dass die Sparmaßnahmen nicht auf Kosten der deutschen Standorte gehen, sondern gleichmäßig auf die vier Airbus-Länder Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien verteilt werden.

Katar will bei EADS einsteigen

Der Golf-Staat Katar prüft einen Einstieg beim europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS. Die Investment-Behörde Katars führe bereits Gespräche mit der Airbus-Mutter EADS, sagte ein Mitarbeiter des Außenministeriums. Details wollte er nicht nennen.

An der Börse reagierten die Anleger positiv auf das mögliche finanzielle Engagement vom Persischen Golf. In Frankfurt stiegen EADS-Aktien um mehr als zwei Prozent auf 25,58 Euro. Händlern zufolge interessiert sich Katar für ein Paket von bis zu zehn Prozent. Der Außenminister des Golf-Staates ist zugleich Vorsitzender der Investment-Behörde, die Einlagen von rund 40 Milliarden Dollar verwaltet. Im November war bereits bekannt geworden, dass Finanzinvestoren aus Dubai und anderen arabischen Emiraten mit einem EADS-Einstieg liebäugeln.

Der europäische Konzern ist bereits Spielball mehrerer Staaten. Neben den beiden wichtigsten Ländern Deutschland und Frankreich ist unter anderem noch Spanien an EADS beteiligt und würde gerne mehr Mitspracherechte bekommen. Auch die staatliche russische Vneshtorgbank ist bei EADS engagiert.

EADS kämpft derzeit mit massiven Problemen bei Airbus, vor allem beim Prestigeobjekt A380. Schwierigkeiten beim Einbau der 500 Kilometer langen Verkabelung führten zu Lieferverzögerungen des Großraumflugzeugs von mittlerweile zwei Jahren. Airbus rutschte dadurch 2006 in die roten Zahlen und vermiest auch EADS die Bilanz für das vergangene Jahr.

AP / AP