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Apple vs. Google Wer wird die digitale Welt beherrschen?


Im digitalen Raum tobt eine Schlacht: Apple gegen Google. Es geht um Marktanteile und die Frage: Soll der Nutzer zahlen oder muss alles gratis sein? Das iPad läutet die nächste Runde ein.
Von Felix Disselhoff

Was für ein fulminanter Start. 300.000 Mal hat Apple sein neues iPad allein am Osterwochenende verkauft. 300.000 Mal! Die Zahl bezeugt nicht nur die Neugier der Apple-Jünger auf das vermeintliche Wundergerät, illustriert nicht nur das Funktionieren des PR-Zaubers von Steve Jobs. Die Erfolgsmeldung eröffnet auch eine neue Runde im Duell der IT-Giganten Apple und Google: Zwei Geschäftsmodelle ringen um die Vorherrschaft im digitalen Geschäft, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Apple steht für eine Bezahl-, Google für eine Umsonstkultur. Wer wird künftig den Zugang zum Netz kontrollieren: Apple, mit seinen Geräten, seinen Iphones und Ipads und seinen digitalen Läden, von iTunes bis zu iBooks, oder Google mit seinem simplen Suchschlitz? Der Ausgang dieses Konflikts könnte auch das Verhalten der Nutzer im Netz entscheidend prägen.

Das iPad, das Wundertablett, ist dabei eine erhebliche Herausforderung für Google, eine Provokation. Denn das Gerät gilt für Analysten und Tech-Gurus in den USA schon jetzt als "Game Changer", als ein Internet-Werkzeug also, dass Märkte von Grund auf neu gestalten und neue Nutzerschichten an das mobile Internet heranführen könnte. Das Gerät ist kinderleicht zu bedienen, intuitiv, selbst von Oma und Opa. Der Erfolg des iPad ist aber noch aus einem anderen Grund wichtig. Wer die Kontrolle im Netz der Zukunft haben will, der muss den Zugang dazu kontrollieren. Für Nutzer weltweit ist Google bisher das Portal ins Web. In Zukunft könnte das Apple-Tablett diese Funktion übernehmen, denn im Zeitalter der mobilen Endgeräte, der Smartphones und der Tablets, gilt: Wer die Hardware kontrolliert, kontrolliert den Zugang zum Netz. Und Apple ist ganz vorne dran.

Umsonst-Web und digitale Grenzzäune

Bisher haben die zwei Player aus dem kalifornischen Silicon Valley mit sehr unterschiedlichen Strategien Erfolg gehabt. Apple schaffte geschlossene Systeme, wo es nur ging: Der iPod kann nur über iTunes befüllt werden, das iPhone lässt sich nur mit Programmen aus Apples App Store erweitern. Apple reglementiert genau, wer in diesem Laden seine Anwendung verkaufen darf, 30 Prozent des Umsatzes streicht der Konzern selbst ein. Die genaue Kontrolle klingt zunächst unwirtschaftlich, ist jedoch ein Kernelemt der hochprofitablen Firmenphilosophie Apples: Wie kein anderer Computerhersteller steht der Konzern mit Sitz im kalifornischen Cupertino dafür, dass alle seine Produkte "aus einer Hand kommen" ("from a single source). Was der Verbraucher kauft, ist durch und durch Apple.

Google hingegen lockt die User seit jeher mit kostenlosen Angeboten: Die Suche ist gratis, klar. Aber darüber hinaus gibt es schon lange Gratis-Mail, Gratis-Webspeicher, Gratis-Betriebssystem und zuletzt auch Gratis-Navigation. Zeitungen, Bücher, wissenschaftliche Artikel, Filmclips, das ganze Wissen der Welt will Google umsonst anbieten, als gigantische Datenbank, in der nur der Google-Suchschlitz Orientierung bietet. Geld verdient Google mit Werbeeinnahmen, die über AdWord und AdSense generiert werden. Unmengen an Geld. Soviel Geld, dass Google es sich längst leisten kann, mit aggressivem Auftreten, immenser Finanzkraft und großen personellen Ressourcen in bereits besetzte Märkte einzudringen. Alles, was nützt, wird gekauft, wie etwa YouTube. Alles, was im Weg ist, wird ebenfalls aufgekauft, wie etwa der große Online-Vermarkter DoubleClick. Lässt sich ein Konkurrent nicht aufkaufen, entwickelt der Konzern sein Produkt eben selbst und stellt es kostenlos zur Verfügung. Damit werden noch weitere Daten gesammelt, um noch effektiver Werbeeinnahmen zu generieren. Das Modell scheint zu funktionieren: Im Online-Werbemarkt ist Google die unangefochtene Nummer eins. Der Konzern macht 97 Prozent seines Umsatzes von 24 Milliarden Dollar mit Werbung.

Wem gehört das Web der Zukunft?

Direkt aufeinander treffen Apple und Google im Markt für das mobile Internet. Wie hart umkämpft der Zugang zum mobilen Netz für beide Unternehmen ist, zeigen aktuelle Zahlen. Noch im Mai 2009 entfielen 70 Prozent des mobilen Traffics in den USA auf Apples iPhone, nur rund zehn Prozent auf Googles Anti-i-Phone Android. Doch Google holt schnell auf. Während das iPhone Anteile verloren hat, konnte Android im Februar dieses Jahres seinen Anteil auf knapp 40 Prozent erhöhen. Wie wichtig es für IT-Firmen wie Apple und Goole ist, in diesem Markt eine wichtige Rolle zu spielen, zeigt der Anstieg in der Gesamtnutzung.

Das größte Wachstum verzeichnen allerdings Geräte, die den Nutzern den Zugang zum Netz ermöglichen wie beispielsweise eReader und tragbare Spielekonsolen mit Internetanschluss. Hier lässt sich messen, mit welchen Geräten wie viele Daten aus dem Netz heruntergeladen werden. Das Datenvolumen dieser Geräte stieg zwischen Mai 2009 und Februar 2010 um 403 Prozent und macht mittlerweile 17 Prozent des Gesamttraffics im mobilen Markt aus. Genau in dieser lukrativen Sparte ist Apple mit seinem iPad nun im Vorteil.

Dabei war es ursprünglich nicht das iPad, das für schlechte Stimmung zwischen den beiden Konkurrenten sorgte. Das Google-Smartphone-Betriebssystem Android war der Stein des Anstoßes für eine Schlammschlacht zwischen den beiden IT-Giganten. Bei einem Treffen mit Google habe Apple-Chef Steve Jobs verärgert erklärt, dass Apple klagen werde, wenn Google ein Smartphone mit der vom iPhone bekannten Multitouch-Funktion auf den Markt bringe. Seitdem Google mit dem Nexus One sein hauseigenes Multitouch-Handy vertreibt, gibt sich Jobs vergrätzt und treibt seine Mitarbeiter zum Kampf gegen den neu ausgemachten Feind: "Lasst euch nicht täuschen: Google will das iPhone killen. Das werden wir nicht zulassen." Auch wenn das Google-Handy bisher kein Erfolg war, ist das Betriebssystem Android dank des vor allem in den USA erfolgreichen Motorola Droid eine feste Größe im Markt. Der Clou des Droid: eine Navigationssoftware von Google. Der IT-Riese hatte kurzerhand die milliardenschweren Verträge mit sämtlichen Karteninhabern gekappt und mit seinen Street-View-Autos die USA selbst kartografiert. Die Kunden dürfen sich seitdem über eine komplett kostenlose Navi-Software freuen. Inzwischen hat Apple Patentklage gegen den Android-Smartphone-Hersteller HTC eingereicht, Google hat dem Hersteller seine Unterstützung zugesichert.

Ende der Zwangsehe in Sicht

Da Google in immer mehr Bereichen immer tiefer in Apples Terrain vordringt, wollte der Konzern aus Cupertino im Herbst 2009 mit dem Versuch zurückschlagen, den Spezialisten für mobile Werbung Admob für 600 Millionen US-Dollar zu übernehmen. Google bot 25 Prozent mehr plus Aktienoptionen für die Admob-Beschäftigten und kaufte den größten Vermarkter für mobile Werbung schließlich im November 2009 für den überhöhten Preis von 750 Millionen US-Dollar. Angesichts dieser erbitterten Konkurrenz erscheint es merkwürdig, dass Apple und Google weiterhin Geschäftspartner sind. Google zahlt Apple jährlich Millionen dafür, dass seine Suchmaschine in Apples Browser, auf dem iPhone und dem iPad als Standardsuche voreingestellt ist. Insidern zufolge prüft Jobs jedoch Wege, die Zwangsehe durch einen Wechsel zu Microsofts Suchmaschine Bing zu beenden.

Der Krieg wird ins Wohnzimmer verlagert

Auch auf der persönlichen Ebene scheinen die Fronten zwischen den beiden Konzernen verhärtet. Früher, vor rund einem Jahrzehnt, waren die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page noch gern gesehene Gäste in der Apple-Zentrale, Jobs für die beiden Valley-Neulinge eine Art Mentor. Kaum eine Entscheidung wurde ohne den Ratschlag des alten Business-Hasen getroffen. 2006 bekam Google-Vorstand Eric Schmidt sogar einen Platz im Apple-Aufsichtsrat. Der gemeinsame Gegner hieß lange Microsoft. Dessen Vormachtstellung wollte man gemeinsam brechen.

2010 sieht alles anders aus. Für Aufsehen sorgte Jobs Auftritt nach der Apple-Keynote im Januar, auf der er das iPad vorstellte. "Googles Mantra 'Don't be evil' (engl.: Tue nichts Böses) ist ein Haufen Sch...", soll Jobs seinen Mitarbeitern bei einem Jahrestreffen eingetrichtert haben.

Und das nächste Schlachtfeld scheint schon ausgemacht: die Wohnzimmer der User. Google arbeitet offensichtlich intensiv daran, die eigene Technik mit dem klassischen Fernsehen zu verbinden. Laut der New York Times entwickelt der Internet-Konzern zusammen mit Sony und Intel eine TV-Plattform, die klassisches Fernsehen mit Internet-Anwendungen und Social Networks wie Twitter und Facebook auf dem Fernsehgerät zusammenbringen soll. Wie die US-Zeitung aus informierten Kreisen erfahren haben will, soll eine Settop-Box für diese TV-Plattform (die unter der Bezeichnung Google TV läuft) auf Googles Smartphone-System Android und dem Webbrowser Chrome basieren. Wird das Google-Fernsehen ein Erfolg, kann Jobs mit seinem Apple-TV, auf dem nur über iTunes eingekaufte Inhalte laufen, nur in die Röhre schauen. Ob die User die Zukunft des Web dem geliebten IT-Diktator mit seinen Bezahlschranken oder dem Web-Riesen mit seiner Datensammelwut überlassen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.


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