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Mit teuren Folgen: Uni-Abschluss und tschüss! Diesen Bundesländern laufen die Absolventen weg

Teurer Brain Drain: Eine Studie zeigt, dass die Ost-Bundesländer viele der selbst ausgebildeten Akademiker zum Jobstart an andere Bundesländer verlieren. Vor allem Hamburg profitiert in Milliardenhöhe.

Einige Bundesländer bilden deutlich mehr Akademiker aus als dann dort arbeiten

Einige Bundesländer bilden deutlich mehr Akademiker aus als dann dort arbeiten

Getty Images

Den Uni-Abschluss frisch in der Tasche stellt sich für Absolventen die Frage: Wo will ich jetzt in den Job starten? Wer bereits während des Studiums Kontakte vor Ort geknüpft hat, wird vielleicht bleiben wollen. Andere ziehen die berufliche Herausforderung oder persönliche Gründe in eine andere Stadt. Für die Bundesländer als Wirtschaftsstandort ist es jedenfalls gut, wenn sie möglichst viele der selbst ausgebildeten Hochqualifizierten in der Region halten können.

Dabei sind die Bundesländer einer neuen Studie zufolge sehr unterschiedlich erfolgreich. Der Personalvermittler Studitemps hat 18.700 Studierende und Absolventen gefragt, wo sie nach dem Studium gerne arbeiten würden. Das Ergebnis ist deutlich: Während den ostdeutschen Bundesländern ein massenhafter Exodus droht, können sich Süddeutschland sowie die Stadtstaaten Hamburg und Berlin über den Zuzug kluger Köpfe freuen.

Der Osten verliert besonders viele kluge Köpfe

Aus den Antworten der Akademiker hat Studitemps die fiktiven Wanderungssalden für jedes Bundesland errechnet. Fiktiv deshalb, weil nicht tatsächliche Umzüge erfasst, sondern nur Abwanderungswünsche abgefragt wurden. Doch selbst, wenn nicht jeder seinen Worten auch Taten folgen lässt, so ergibt sich doch ein eindeutiges Bild: Die ostdeutschen Bundesländer Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen liegen in der Gunst der Studierenden auf den letzten drei Plätzen. 

Sachsen-Anhalt verliert demnach von 100 Absolventen einer Hochschule 64 an andere Bundesländer, wobei eventuelle Zuzügler aus anderen Bundesländern schon miteingerechnet sind. Brandenburg verliert 57 von 100 und Thüringen etwa jeden zweiten (49 Prozent). Das schwächste westdeutsche Bundesland ist Rheinland-Pfalz mit einem Minus von 40 Prozent. 

Wanderungssalden errechnet auf Basis der Fragen "In welchem Bundesland waren Sie im zurückliegenden Sommer-/Wintersemester XY eingeschrieben?" sowie "In welchem Bundesland und in welcher Stadt bzw. welchem Bezirk würden Sie nach dem Studium gerne arbeiten?"

Wanderungssalden errechnet auf Basis der Fragen "In welchem Bundesland waren Sie im zurückliegenden Sommer-/Wintersemester XY eingeschrieben?" sowie "In welchem Bundesland und in welcher Stadt bzw. welchem Bezirk würden Sie nach dem Studium gerne arbeiten?"

Ein positives Wanderungssaldo weisen überhaupt nur vier Bundesländer auf: die prosperierenden süddeutschen Bundesländer Bayern (plus 10 Prozent) und Baden-Württemberg (plus 7 Prozent) sowie die Stadtstaaten Hamburg (plus 160 Prozent) und Berlin (plus 78 Prozent). 

Hamburg profitiert in Milliardenhöhe

Vor allem Hamburg beweist im Vergleich eine enorme Anziehungskraft für Akademiker. Je 100 selbst ausgebildete Akademiker kommen – nach Abzug der Abgänge – nochmal 160 aus anderen Bundesländern hinzu. Dies hat enorme finanzielle Auswirkungen: Da die Ausbildung der Studenten Geld kostet, finanzieren viele Bundesländer die Fachkräfte anderer Bundesländer mit. "Die Wanderungsbewegungen ziehen einen indirekten Länderfinanzausgleich mit sich", sagt Studitemps-Chef Eckhard Köhn. Nur, dass der zugunsten der ohnehin prosperierenden Regionen ausfällt.

Verrechnet man die Ausgaben jedes Bundeslandes für seine Studierenden mit den Wanderungssalden profitiert Hamburg laut Studitemps jährlich mit 1,1 Milliarden Euro. Sachsen-Anhalt dagegen investiere jedes Jahr 305 Millionen Euro, die anderen Bundesländern zu Gute kämen. Noch schlechter sieht die Rechnung für Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen aus, während Berlin, Bayern und Baden-Württemberg in dreistelliger Millionenhöhe profitieren.

Wer profitiert, wer zahlt drauf? Die Rechnung lautet: Ausgaben des Bundeslandes pro Studierendem x Anzahl der Studierenden x Wanderungssaldo

Wer profitiert, wer zahlt drauf? Die Rechnung lautet: Ausgaben des Bundeslandes pro Studierendem x Anzahl der Studierenden x Wanderungssaldo

 

Die Studitemps-Umfrage erfasst nicht nur die Wanderungswünsche der Absolventen beim Eintritt ins Erwerbsleben, sondern auch, ob die Befragten schon beim Übergang zwischen Schule und Uni das Bundesland gewechselt haben. Hier ergibt sich für die ostdeutschen Bundesländer ein uneinheitliches Bild. In Sachsen und Sachsen-Anhalt gewinnen die Hochschulen zunächst einmal viele Schulabgänger aus anderen Bundesländern hinzu, die sie später wieder (mehr als) verlieren, während Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern an beiden Zeitpunkten Köpfe verlieren. Betrachtet man die Bevölkerungsverluste über beide Schwellen kumuliert, so ist Brandenburg der größte Verlierer. 

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