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Protest der Burger-King-Mitarbeiter: Wütend, enttäuscht und im Stich gelassen

Die Mitarbeiter von Yi-Ko fühlen sich allein gelassen. Die Kommentare auf Facebook zeigen: Burger King, Yi-Ko und auch die Gewerkschaft stehen jetzt in der Verantwortung.

Von Katharina Grimm

Der Frust sitzt tief. "Weil fünf Filialen verkackt haben, heißt es nicht, dass es in den anderen 84 auch so war", schimpft eine Mitarbeiterin auf der Facebook-Seite "Fair bei Burger King". Dort diskutieren seit Tagen die Mitarbeiter der inzwischen 89 geschlossenen Filialen der Yi-Ko Holding, dem größten Franchisenehmer Burger Kings in Deutschland. "Die waren in Restaurants, in denen es schlecht läuft. Und was ist mit denen, wo es vorschriftsmäßig und gut läuft?", fragt eine andere Mitarbeiterin. Die Frage beantwortet eine andere Angestellte: Die Filialen, wo alles in Ordnung sei, würden deshalb nicht erwähnt, weil sich niemand darüber aufregen würde, "das interessiert ja nicht."

Seitdem das Team um Günter Wallraff in der vergangenen Woche den Deutschland-Chef von Burger King, Andreas Bork, mit den erneuten Rechercheergebnissen in Yi-Ko-Filialen konfrontiert hatte, durchleiden die Mitarbeiter die Hölle. Viele Informationen erhalten sie nur aus der Presse. Zunächst sollten sie weiterarbeiten, dann hieß es plötzlich doch, dass keine der 89 Filialen mehr öffnen dürfe. Nun, vier Wochen vor Weihnachten, blicken sie in eine ungewisse Zukunft.

Kritik an Yi-Ko, Wallraff und Burger King

Ihre Enttäuschung richtet sich gegen alle: Gegen den den ehemaligen Chef, Ergün Yildiz, der weiterhin die Geschicke von Yi-Ko gelenkt hatte - und bei dem Mitarbeiterausbeutung offensichtlich Teil der Geschäftskultur gewesen ist. Aber auch das Reporterteam wird angegriffen. "Die Wallraff-Story ist manipuliert. Tatsächlich war die Tante in mehreren Restaurants. Hatte sie nichts gefunden, ging es weiter zum nächten, bis sie die Bilder bekommen hat, die sie braucht", beschwert sich ein Mitarbeiter. Nicht in allen Filialen sei es so eklig zugegangen. Die Mitarbeiter fühlen sich an den Pranger gestellt für Zustände, die sie nicht verantworten wollen und können. "Es trifft nur die Mitarbeiter und nicht den Konzern", sagt ein User dazu.

Auch Burger King selbst steht bei den Mitarbeitern in der Kritik. "Bork und Co. wussten lange genug Bescheid, um diesen Schritt, den sie jetzt ach so spontan gegangen sind (Lizenzentzug), genauestens zu planen. Den Part "Mitarbeiter" hat man dabei nicht auf die Agenda geschrieben – das ist Kollateralschaden. Wird Bork jetzt nicht weiter entsprechend unter öffentlichen Druck gesetzt, werden ihn die Mitarbeiter weiterhin am Allerwertesten vorbeigehen", schreibt eine Kölner Mitarbeiterin. Auch andere Angestellte kritisieren die Rolle des Konzerns. Spätestens seit der ersten Enthüllung von Wallraff seien die Umstände in den Filialen klar - dennoch habe Burger King nicht reagiert.

Auch die Gewerkschaft wird angeprangert

Die Facebook-Seite wurde von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) im Mai 2013 gestartet. Damals hatte Burger King 91 Filialen an den Franchisenehmer Yi-Ko verkauft – die Gewerkschaft sah schon damals erste Tendenzen, dass der neue Eigner das Arbeitsrecht nicht so genau nehmen könnte. Nun zeigen die Recherchen von Wallraff: Die Befürchtungen sind eingetreten.

Nach der Schließung der Filialen sind die rund 3000 Mitarbeiter verunsichert, bangen um ihre Jobs. Die NGG gibt auf der Seite zwar Tipps, wie sich Angestellte nun richtig verhalten müssen - allerdings nur für Mitglieder. "Könnt ihr für die Nicht-NGG-Mitglieder auch einen Tipp auf eurer Seite anbieten? Ich bin Auszubildender und fühl mich so schon genug im Stich gelassen", schreibt Erik. Die NGG reagiert recht kaltschnäuzig: "Entschuldigung, aber als Gewerkschaft sind wir dafür da unsere Mitglieder zu unterstützen. Aber wer keinen Gewerkschaftsbeitrag zahlt, kann von uns auch keine Leistung verlangen."

Auch die anderen Statements der NGG zeigen, dass dieses Angebot nicht nur speziell für Mitglieder gedacht ist, sondern vor allem die Mitgliederzahlen wachsen lassen soll. In der aktuellen Notsituation eine zweifelhafte Geschäftspolitik. Auf den Hinweis der NGG, dass eine Mitlgiedschaft ja nur ein paar Euro im Monat kosten würde, antwortet der Auszubildende Erik: "Hab net mal fünf Euro zum Essen. Gehalt wird die Woche wohl auch net kommen."