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Skandal um Yi-Ko-Filialen: Warum Burger King eine Mitschuld trägt

Der aktuelle Skandal bei Burger King zeigt die Schattenseite des Franchisesystems: Zwar muss der Konzern kaum unternehmerisches Risiko tragen. Doch die Missstände bei Yi-Ko ruinieren das Image.

Von Katharina Grimm

In der Theorie klingt Franchising spitze: Das Unternehmen auf der Geberseite kann bequem expandieren ohne selbst Geld in die Hand nehmen zu müssen. Auch das unternehmerische Risiko lastet auf den Schultern des Franchisenehmers. Der wiederum profitiert von einer etablierten Marke und einem Franchiseverbund im Hintergrund - und ist dennoch selbstständig und keinem Chef unterworfen. Eigentlich super. Eigentlich.

Denn Franchise braucht den guten Ruf. Die Marke agiert häufig über Länder- und Kontinentgrenzen hinweg, ein globales Geschäft. Ein Skandal schädigt das Image. Und das weit über den einzelnen Franchisenehmer hinaus.

Finanzinvestor baut um

Diese Lektion muss gerade auch der US-Konzern Burger King lernen. Bis 2010 war die Fast-Food-Kette anders organisiert: Einige Filialen gehörten damals noch zum hauseigenen Imperium. So weit, so finanziell nicht lukrativ genug. Zumindest für den Finanzinvestor 3G Capital, der den angeschlagenen Burger-Brater für vier Milliarden Dollar inklusive Schulden übernahm und erstmal von der Börse nahm. Umbauen, entschlacken und wieder an die Börse bringen. Oder wie ein Anwalt, der die Branche kennt, dem Wirtschaftsmagazin "Capital" sagte: "Die Braut soll aufgehübscht werden."

Großer Umbauposten: Die eigenen Restaurants loswerden. 3G plante ein Franchiseimperium, mit Milliardeneinnahmen und kaum unternehmerischem Risiko. Die verbleibenden 91 Filialen gingen an Yi-Ko, übrigens mit der Verpflichtung stark zu expandieren und weitere Niederlassungen zu öffnen. Der Mutterkonzern wird sich aktuell freuen, dass es nicht noch mehr Yi-Ko-Filialen gibt - der Skandal ist mehr als ausreichend.

Ist der Ruf erst ruiniert...

Jetzt erlebt Burger King innerhalb eines Jahres den zweiten Skandal. Schon im Frühjahr hatte Günter Wallraff und sein Team undercover bei Burger King recherchiert. Nun lief am Montag die Fortsetzung. Sicherlich, Burger King selbst hat die Missstände in den Filialen nicht verbrochen. Und offiziell trägt das Unternehmen auch keine Verantwortung für den Umgang mit Mitarbeitern oder die Hygienemängel.

Dennoch: Das Fiasko mit dem Franchisenehmer Yi-Ko könnte sich zu einer handfesten Krise für den Burger-Brater auswachsen. "Burger King ist einer Hoffnung erlegen, dass ein selbstständiger Unternehmer 90 Filialen besser führen kann als ein Konzern. Und hat sich darin geirrt", sagt Felix Peckert, ein Franchise-Experte, den "Tagesthemen". Nun stehen Ekel-Essen und der Name Burger King im Zusammenhang, eine Katastrophe für das Image. "Der Batzen, den es zu übernehmen galt, war zu groß", so Peckert weiter. Hätte der Konzern die damals 91 Filialen auf mehrere Franchisenehmer verteilt, wäre dies erfolgreich gewesen, sagt der Experte.

Umsatzeinbußen zu erwarten

Nach den Enthüllungen im Frühjahr gab es bereits einen Umsatzeinbruch. Damals hatte der Deutschlandchef von Burger King, Andreas Bork, einen Vier-Punkte-Plan aufgestellt, um wieder Kunden in die Restaurants zu locken. "In vielen deutschen Filialen verzeichnen wir Umsatzeinbußen. Das ist umso bedauerlicher, als die meisten unserer Filialen in einem Top-Zustand sind und jetzt unverdienterweise in Misskredit geraten sind", sagte Bork damals der "Bild-Zeitung". Ähnliches könnte der Fast-Food-Kette auch jetzt passieren. Sicher ist: Durch die derzeit 89 geschlossenen Filialen verliert Burger King an Umsatz. Wie stark der Imageschaden das Geschäft noch weiter schmälert, bleibt abzuwarten.