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C02-Ausstoß von Dienstwagen: Die Luxuslimos der Manager

Wer hat den Schnellsten und Größten? Das scheint - noch - das Kriterium zu sein, wenn sich Manager Dienstwagen bestellen. Die Deutsche Umwelthilfe hat bei den Dax-Unternehmen nachgefragt.

Von Jennifer Lange

Rüdiger Grube, Chef der Deutschen Bahn, fährt einen Mercedes 400, S-Klasse, CO2-Ausstoß: 191 Gramm pro Kilometer. Rene Obermann, Boss der Telekom, sitzt in einem BMW 530d GT 3.0, CO2-Ausstoß: 173 Gramm pro Kilometer. Schon ein bisschen rußig wird's bei Thomas Bauer, CEO des Bauunternehmens Bauer AG. Er eilt mit einem Audi A8 4,3 quattro FSI von Termin zu Termin - CO2-Ausstoß: 288 Gramm pro Kilometer. Trotzdem bekommen diese Unternehmen von der Deutschen Umwelthilfe die "grüne Karte". Warum? Weil sie überhaupt Auskunft darüber gegeben haben, welchen Dienstwagen ihr oberster Chef fährt. 88 von 115 befragten Unternehmen machten überhaupt keine Angaben zu ihrer Firmenflotte, darunter BASF, BMW, Continental, Lufthansa und Linde.

"Die Liste der Klimaschutz-Ignoranten liest sich leider wie das Who-is-Who der deutschen Wirtschaft", sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe am Freitag in Berlin. Beim Thema Auto höre für viele Firmen Transparenz und betriebsinterner Klimaschutz auf. Resch fordert: "Topmanager müssen mit einem guten Beispiel vorangehen und ausnahmslos Fahrzeuge einsetzen, die den EU-Zielwert von 140 Gramm CO2 pro Kilometer unterschreiten."

200 Euro pro Tonne CO2

Ein CEO im Kleinwagen? "Natürlich kann ein Vorstandsvorsitzender nicht mit einem Polo durch die Gegend fahren. Aber es gibt deutsche und japanische Hersteller, die Limousinen mit dem geforderten Wert an CO2-Ausstoß produzieren", sagt Ulrike Fokken , Sprecherin der Deutschen Umwelthilfe, stern.de. Wer sich privat ein Auto kaufe, achte auf Spritverbrauch und Steuer. Wenn der Dienstwagen bestellt werde, könne das Auto jedoch nicht groß genug sein.

Die Deutsche Umwelthilfe fordert eine neue Firmenkultur - und präsentierte in Berlin auch gleich ein paar Unternehmen, die den richtigen Weg eingeschlagen haben. Bei der Deutschen Post bekommen Spitzenmanager, die sich für ein umweltfreundliches Auto entscheiden, Ausgleichszahlungen. Beim Düngemittelproduzenten K+S muss jeder Mitarbeiter 200 Euro pro überzähliger Tonne CO2 bezahlen, wenn sein Dienstwagen den Grenzwert überschreitet. Wer bei der Firma Praktiker auf einen Dienstwagen verzichtet und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigt, erhält eine Prämie.

Beim Dienstwagen des Chefs anfangen

Bei den Politikern habe die Veröffentlichung des Verbrauchs ihrer Dienstwagen schon einen gewissen Effekt gehabt, sagte Fokken stern.de. Wenn die deutschen Unternehmen in den nächsten Jahren auch verstärkt auf den CO2-Ausstoß ihrer Dienstwagen achten würden, wäre etwas für den Umweltschutz getan. Der Grund liegt auf der Hand: Rund 60 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge in Deutschland sind Dienstwagen.

Von Jennifer Lange