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Finanzen, Krankenkasse, Plastikmüll Das ändert sich 2021 für Verbraucher

Trinkhalme
Trinkhalme aus Plastik sind ab kommendem Sommer verboten
© jon11 / Getty Images
Das Gesundheitssystem wird digitaler, bestimmte Plastikprodukte verboten und Online-Shopping mit der Kreditkarte geht nur noch mit 3D-Secure-Verfahren. Hier sind 15 Änderungen für Verbraucher, die nichts mit Corona zu tun haben.

Auch 2021 wird aufgrund der Corona-Pandemie ein besonderes Jahr werden. Abseits von Shutdowns, Kontakteinschränkungen und Massenimpfungen kommen aber auch zahlreiche Änderungen auf Verbraucher zu, die gar nichts mit dem Coronavirus zu tun haben. Sie betreffen die privaten Finanzen, Haushaltsgeräte oder die Krankenkasse. Hier sind 15 Änderungen fürs kommende Jahr, die auf Millionen Verbraucher zukommen.

1. Aus für Plastikgabeln und -trinkhalme

In der Corona-Pandemie ist der Verbrauch von Einwegplastik gestiegen. Doch zum 3. Juli 2021 wird der Verkauf von vielen Wegwerfplastikprodukten verboten. Unter das Verbot fallen Plastik-Besteck, -Teller und -Trinkhalme, außerdem Rühr- und Wattestäbchen sowie Essensbehältnisse und To-Go-Becher aus Styropor. Die "Verordnung zum Verbot von Einwegkunststoff-Produkten" wird EU-weit umgesetzt.

2. Krankenkassenwechsel wird leichter

Für gesetzlich Krankenversicherte wird es ab Januar einfacher, die Kasse zu wechseln. Statt nach 18 Monaten Mitgliedschaft kann man nun schon nach 12 Monaten wechseln. Eine Kündigung ist nicht mehr nötig, man muss lediglich bei seinem neuen Anbieter einen Antrag stellen, den Rest klären die Krankenkassen untereinander.

3. Digitale Krankenscheine, Patientenakten und Rezepte

Das Gesundheitssystem wird digitaler. Ab dem 1. Januar müssen Versicherte ihre Krankmeldung nicht mehr bei der Krankenkasse einreichen, weil die Ärzte diese direkt elektronisch übermitteln. Ab 2022 sollen dann auch die Arbeitgeber die Daten elektronisch abrufen können, sodass der gelbe Schein gänzlich überflüssig wird.

Außerdem wird 2021 die elektronische Patientenakte eingeführt, in der Versicherte freiwillig Befunde, Röntgenbilder, Impfausweis und weitere Dokumente speichern lassen können. Ebenfalls für 2021 angekündigt ist eine Smartphone-App, die es ermöglicht, Rezepte in der Apotheke elektronisch einzulösen. 

4. Hartz-IV-Sätze steigen

Die Regelsätze für Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II steigen leicht. Ein Alleinstehender erhält ab Januar 446 Euro statt bisher 432 Euro im Monat. Jugendliche erhalten sogar 45 Euro mehr (373 statt 328 Euro). Die übrigen Regelsätze für (Klein-)kinder, junge Erwachsene und Paare steigen um 1 bis 33 Euro.

5. Höhere Mindestlöhne

Der gesetzliche Mindestlohn steigt am 1. Januar von 9,35 Euro auf 9,50 Euro die Stunde und am 1. Juli weiter auf 9,60 Euro. Den gesetzlichen Mindestlohn erhalten auch Minijobber. Diese müssen daher aufpassen, warnt die Verbraucherzentrale: Wer jetzt schon 450 Euro verdient, muss seine Stundenzahl leicht reduzieren, um nicht bei gleichem Pensum über die Verdienstgrenze zu rutschen.

Einige über dem allgemeinen gesetzlichen Niveau liegende Branchen-Mindestlöhne steigen ebenfalls, zum Beispiel für Elektriker (auf 12,40 Euro ab 1. Januar) und Gebäudereiniger (11,11 Euro ab 1. Januar). Auch die Mindestvergütung für viele Auszubildende, die nicht unter den Mindestlohn fallen, steigt: Azubis, die eine nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung geregelte Ausbildung anfangen, erhalten ab 2021 im ersten Jahr mindestens 550 Euro (bisher 515 Euro).

6. Grundrente startet

Es war ein politischer Zankapfel, aber am 1. Januar startet die neue Grundrente. Bestimmte Personengruppen, die viele Jahre gearbeitet und wenig verdient haben, oder lange Kindererziehungs- und Pflegezeiten vorweisen können, erhalten dadurch mehr Rente. Die Deutsche Rentenversicherung prüft automatisch von sich aus, wer Anspruch hat. Das kann allerdings etwas dauern. Ab Mitte 2021 werden die erste Bescheide verschickt, die letzten bekommen wohl erst Ende 2022 Bescheid. Das Geld wird rückwirkend zum 1. Januar 2021 nachgezahlt.

7. Kreditkartenzahlung online nur noch mit 3D Secure

Zum Jahreswechsel wird das 3D-Secure-Verfahren für Onlinezahlungen mit Kreditkarte Pflicht. Das bedeutet, dass es nicht mehr reicht, die vierstellige Prüfziffer für Visa, Mastercard und Co. einzugeben, sondern dass man die Zahlung mit einem zusätzlichen Sicherheitscheck bestätigen muss – etwa via Push-Nachricht auf dem Smartphone. Viele Händler verlangen 3D Secure schon jetzt, ab 1. Januar geht es nicht mehr ohne. Um das Verfahren nutzen zu können, muss man es vorab bei seiner Bank freischalten.

8. Online-Glücksspiel wird legal

Das Glücksspiel in Online-Casinos wird aus seiner rechtlichen Grauzone geholt und legalisiert. Zugleich soll die Werbung für Online-Casinos eingeschränkt werden. Ausländische Anbieter, die keine deutsche Lizenz erwerben, sollen rechtlich verfolgt werden, wenn sie sich dennoch an hiesige Spieler richten. Spieler dürfen künftig nur noch maximal 1000 Euro im Monat auf ihr Spielerkonto einzahlen. 

9. Upskirting und Gafferfotos werden strafbar

Das heimliche Fotografieren unter den Rock, das sogenannte Upskirting, wird zum Straftatbestand, ebenso wie Fotos ins Dekolleté. Damit folgt der Gesetzgeber einer Petition, die dies gefordert hatte.

Ebenfalls strafbar werden Gafferfotos von Unfallopfern, die verstorbene Menschen "in grob anstößiger Weise zur Schau" stellen. Wer solche Fotos macht (etwa um sie in sozialen Netzwerken zu verbreiten), muss mit einer Geldstrafe oder bis zu zwei Jahren Haft rechnen.

10. Baukindergeld und Wohnungsbauprämie

Das Baukindergeld sollte eigentlich zum Jahresende auslaufen, wird wegen der Corona-Pandemie aber um drei Monate verlängert. Bis Ende März 2021 können Immobilienkäufer sich den Zuschuss von 12.000 Euro pro Kind, gestreckt über zehn Jahre, noch sichern. Für Kaufverträge und Baugenehmigungen ab April gibt es das Geld nicht mehr.

Eine andere Subvention wird dagegen verbessert: Ab Anfang 2021 gibt es für Bausparer mehr Wohnungsbauprämie. Bausparverträge, die für Bau, Kauf oder Sanierung einer Immobilie eingesetzt werden, erhalten künftig höhere Prämien, zugleich sinkt die Einkommensgrenze ab der man diese beantragen kann.

11. Kindergeld und Kinderzuschlag

Ab Januar 2021 bekommen Eltern 15 Euro mehr Kindergeld je Kind. Für das erste und zweite Kind gibt es dann 219 Euro, für das dritte 225 und ab dem vierten Kind 250 Euro. Die alternativ gewährten Kinderfreibeträge werden ebenfalls erhöht. Zudem steigt auch der Kinderzuschlag für Familien mit wenig Einkommen von 185 Euro auf 205 Euro. 

12. Masernimpfpflicht für Kinder

Bereits seit dem 1. März 2020 müssen Kinder, die neu in eine Kita oder Schule kommen, eine Masernimpfung vorweisen. Für Kinder, die vorher aufgenommen wurden und noch nicht gegen Masern geimpft sind, wird es nun höchste Zeit. Denn die Übergangsfrist endet: Bis zum 31. Juli 2021 muss dies nachgeholt werden, auch das Personal muss spätestens bis dahin eine Impfung nachweisen.

13. 3D-Babyfernsehen wird eingeschränkt

3D- und 4D-Ultraschalluntersuchungen von Schwangeren dürfen ab Januar nur noch gemacht, werden, wenn diese medizinisch notwendig sind - und nicht einfach, weil man gerne ein paar besondere Fotos hätte. Das regelt die Strahlenschutzverordnung. Für die drei Basis-Ultraschalluntersuchungen in der 10., 20. und 30. Schwangerschaftswoche muss in der Regel 2D reichen.

14. Briefmarken mit Tracking-Code

Die Post führt – voraussichtlich im Frühjahr 2021 – Briefmarken mit QR-Code für eine kostenlose Sendungsverfolgung ein. So kann bei Briefen besser nachvollzogen werden, wo sie sich befinden, und die Post kann verschollene Poststücke leichter finden. Geplant ist zudem, dass sich  der Absender per Push-Nachricht über die erfolgreiche Zustellung informieren lassen kann.

15. Keine A+++ Kühlschränke mehr

Bei Haushaltsgeräten steigen die Anforderungen an die Energieeffizienz stetig, was zu einem Durcheinander bei den Energielabeln führt. So sind viele Geräte mittlerweile mit A+, A++ oder A+++ ausgezeichnet, was den Eindruck erweckt, sie wären alle irgendwie energiesparsam. Für Kühlschränke, Geschirrspüler, Waschmaschinen, Waschtrockner, Kühl- und Gefriergeräte sowie Fernseher und Monitore wird die Skala daher angepasst: Sie werden künftig mit A bis G ausgezeichnet, sodass "A" auch wieder eine wirklich gute Klasse ist.


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