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"Die Höhle der Löwen"-Juror Ralf Dümmel bei DHDL: "Ich war früher ein Problemfall"

Ralf Dümmel, Höhle der Löwen
Ralf Dümmel ist neuer Juror bei "Die Höhle der Löwen".
© DS Produkte
Ralf Dümmel ist neuer Juror bei "Die Höhle der Löwen". Er regiert über ein Firmenimperium, in fast jedem Haushalt in Deutschland finden sich seine Produkte. Doch wer ist der Mann? Der stern hat den Unternehmer besucht.

Hier draußen soll ein König wohnen. Zwischen Feldern und Hühnern, Kühen auf der Weide und ländlichem Idyll. Kurz vor dem Ortseingang von Stapelfeld, einem Dorf, das gerade noch per Bus an das Verkehrsnetz von Hamburg angeschlossen ist, liegt ein kleines Gewerbegebiet. Eine Industriereinigungsfirma, ein Autoschrauber - und das Königreich von Ralf Dümmel. Am nordwestlichen Rand der Hansestadt regiert er über ein Handelsimperium, das man so kaum vermutet. Hinter seinem Unternehmen DS Produkte verbergen sich rund 4000 Artikel, die vielen Deutschen ein Begriff sind: Easymaxx oder Gourmetmaxx - von Staubsaugern über Schnellkochtöpfe bis zum Fitnessgerät. Daher wird der 49-Jährige in Handelskreisen auch König der Produkte genannt. Er mag diesen Titel nicht.

Der Unbekannte in der Löwen-Jury

Ralf Dümmel führte bislang ein Unternehmerleben abseits der Öffentlichkeit. Das ändert sich gerade. Denn er ist Jury-Mitglied in der Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen". Seit Staffelstart feiert Vox von Sendung zu Sendung neue Quotenrekorde. Zuletzt sahen 2,8 Millionen Menschen die Start-up-Show.

"Ich bin der Unbekannteste von allen dort", sagt Dümmel dem stern. Doch diese Rolle gefällt ihm ganz gut: erfolgreich im Verborgenen - so funktioniert auch sein Firmenimperium. Die DS-Gruppe erzielte 2015 einen Umsatz von rund 250 Millionen Euro, er ist exzellent in Handelskreisen vernetzt und hat das Prinzip "Günstig in Asien produzieren, günstig in Deutschland verkaufen" perfektioniert. 25 Leute arbeiten für ihn in Fernost, prüfen Ware, finden Fabriken. Dümmel produziert No-Name-Produkte, wo sich die breite Masse das Originalprodukt nicht leisten kann. Zum Beispiel den Thermomix. Für rund 1200 Euro wird die Haushaltsmaschine von Vorwerk verkauft. DS Produkte bot ein ähnliches Gerät für 199 Euro an und verkaufte davon mehrere Hunderttausend. Sind das nur billige China-Kopien? Sicherlich nicht, denn "unsere Kunden erwarten von uns, dass wir Produkte, die en vogue sind, ähnlich in guter Qualität, aber preisaggressiv liefern", sagte Dümmel dem "Handelsblatt".

Damit trifft er einen Nerv: günstig, aber gut - auf diese Strategie setzen auch andere Händler. Drogerien bringen eigene Hausmarken auf den Markt, deutlich billiger als die Markenprodukte, aber mit überzeugender Qualität. Sogar Amazon setzt mit Amazon Basics auf diese Taktik.  

Dass Ralf Dümmel sich neben Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Frank Thelen und Jochen Schweizer auf den Löwen-Thron gesetzt hat, ist daher wenig überraschend. "Jemand, der sich mit Produkten auskennt, hat gefehlt", sagt Dümmel über die Sendung. Das bestätigen auch seine Löwen-Kollegen. So sagt Jochen Schweizer, dass "Ralf die beste Ausgangssituation in der Jury" habe. Laut Frank Thelen sind die Löwen durch Ralf Dümmel stärker geworden. 

Ralf Dümmel bei "Die Höhle der Löwen"

Dass Produkte genau die Welt von Ralf Dümmel sind, zeigt er gerne in seinem neuen Showroom. Wer den besuchen will, muss ins Nebengebäude der Firma, einer Art Lagerhalle, in der Autos parken. Von dort startet ein moosbewachsener Aufzug in den ersten Stock. Dort sieht es aus wie in einem Kaufhaus: In Regalen werden Bügeleisen, Fritteusen oder Salatschüsseln präsentiert, auf runden Ausstellungsflächen stapeln sich Pfannen und Töpfe. "Die Sendung ist für DS Produkte wie gemacht", sagt Dümmel. Denn in Produkte investieren, das ist das tägliche Brot von Ralf Dümmel. "Ich habe bestimmt schon locker eine Million Pitches in meinem Leben mitgemacht. So einer wie ich hat bisher gefehlt." Dümmel gibt sich nicht nur selbstbewusst - er ist es. Sein quietsche-buntes Einstecktuch passt immer zu seinen Socken, die Haare sind gegelt - und der Nadelstreifenanzug sitzt. Dazu kommt sein spitzes Norddeutsch: Dümmel fällt unter den Juroren auf. 

Den Gründern, die Dümmel als Investor gewinnen können, winkt das "Rundum-Sorglos-Paket", wie er selbst sagt. Marketingprofis, Patentanwälte, Vertriebler und Partner in Asien greifen den Jung-Unternehmern unter die Arme. Ein Limit, in wie viele Produkte er investiert, habe er sich nicht gesetzt. Wenn die Deals gut sind, sei er finanzstark genug. 

Wie Ralf Dümmel vom Hauptschüler zum Löwen wurde

Dass Dümmel einmal in dieser komfortablen Position sein würde, war nicht absehbar. Ralf Dümmel war kein fleißiger Schüler, spielte lieber Fußball - obwohl seine Noten zunächst gar nicht so übel waren. Doch für ihn war der Weg fast vorgezeichnet: Sein Vater arbeitete in Bad Segeberg bei dem Einrichtungshaus Möbelkraft. Dort würde er später auch anfangen, da war er sich sicher. Der große, unternehmerische Ehrgeiz? "Ich war lange ein Problemfall", sagt Dümmel. Dass Möbelkraft ihn mit seinem Hauptschulabschluss gar nicht nehmen würde, war ihm nicht klar. Doch er schlägt dem Personalverantwortlichen einen Deal vor: Er holt den Realschulabschluss nach und dafür stellt das Unternehmen ihn ein. 

Der Durchbruch für Dümmel kam aber nicht durch Möbelkraft, sondern durch eine Freundin - und einen Zufall. Denn das Mädchen verdiente sich mit Babysitten ihr Geld, und das im Hause von Dieter Schwarz. Der Unternehmer und Gründer von DS Produkte kam mit Ralf Dümmel ins Gespräch, zeigte sich interessiert, stellte Fragen. "Was willst du mal später machen?", wollte er von Dümmel wissen. Der Beginn einer besonderen Freundschaft. Gemeinsam machten sie DS Produkte groß.

 Marktmacht in "Die Höhle der Löwen"

Welche Marktmacht Ralf Dümmel innehat, zeigte sich schon nach der ersten Sendung. Mussten Fans der Show in den Staffeln zuvor oft wochenlang warten, bis sich die Produkte mal in den Handel verirrten, macht Dümmel keine halben Sachen. Er investierte in der ersten Sendung in den Bügel-Clou und sorgte dafür, dass die Schaufenster von Karstadt, der Online-Shop von Otto und unzählige Einzelhandelsketten das Produkt nach der Ausstrahlung präsentierten. Angucken, einkaufen - so will Dümmel von dem Hype für seine Löwendeals profitieren. Sein Versprechen: "Wenn Sie die Produkte aus der Show nicht sehen wollen, dann müssen Sie mittwochs künftig im Bett bleiben." Netto, Karstadt, Otto, Rewe, Edeka, aber auch Metro und Rossmann hat Dümmel an Bord. "Wir werden Deutschland zupflastern", sagt Dümmel. Ob Versprechen oder Drohung wird die dritte Staffel zeigen.


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