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TV-Kritik

"Die Höhle der Löwen": Kämpfende Löwen und reichlich Tränen: So lief die zweite DHDL-Sendung

Bei "Die Höhle der Löwen" kämpfen nicht nur Gründer um Geld. Auch die Jury buhlt um den Zuschlag der Start-ups. In der zweiten Sendung fließen Tränen – doch Jochen Schweizer sorgt für ein Happy End.

DHDL: Abfluss-Fee, Judith Williams, Frank Thelen bei Blufixx

Bei "Die Höhle der Löwen" kämpften nicht nur die Gründer - auch die Juroren lieferten sich einen Wettstreit. 

Ein Gründer hat eine gute Idee, geht zu "Die Höhle der Löwen", präsentiert seine Geschäftsidee und im besten Fall greift einer der Löwen, also Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Ralf Dümmel, Frank Thelen oder Jochen Schweizer zu. Doch in der zweiten Sendung der dritten DHDL-Staffel zeigt sich: Nicht nur die Gründer kämpfen - auch die Löwen stehen in einem harten Wettbewerb. Denn wenn die Geschäftsidee überzeugt, wollen alle Löwen den Deal machen.

1. Wenn Löwen kämpfen

4,1 Millionen Euro Umsatz in drei Jahren - davon können andere Gründer bei "Die Höhle der Löwen" nur träumen. Der Gründer Dinko Jurcevic hat einen Klebestift entwickelt, der erst unter LED-Licht aushärtet. "Hammer", urteilt Frank Thelen. Carsten Maschmeyer prescht vor und bietet dem Gründer genau das, was er haben will: 200.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile. Aber er hat die Rechnung ohne die anderen Löwen gemacht: Frank Thelen und Judith Williams sowie Ralf Dümmel und Jochen Schweizer stecken die Köpfe zusammen. Da wird geflüstert und beratschlagt. Und dann wird der Gründer umgarnt. "Du bist eine Perle", so Judith Williams. Wegen Menschen wie ihm gebe es überhaupt die Sendung, sagt Dümmel. Das gab es noch nie in der Show - alle fünf Löwen buhlen um den Gründer. Da legt Carsten Maschmeyer nach: Er erhöht sein Angebot um weitere 100.000 Euro bei weiterhin zehn Prozent. Der Gründer lässt sich locken - und schlägt ein.

2. Bei den Löwen geht's um die Wurst

Wurst vom Grill ist super - aber vor allem besteht sie aus Fett. Der Geschmacksträger ist billig - perfekt für die Industrie. Die Gründer Manuel Stöffler und Michael Ziegler haben mit Grillido eine fettarme Variante entwickelt. In ihren Würsten finden sich Tomaten, Spinat oder Parmesan - aber nur fünf Prozent Fett. Zum Vergleich: In einer normalen Bratwurst stecken rund 40 Prozent Fett.

Die Geschäftsidee klingt gut - doch noch können die Gründer nicht mit Verkaufszahlen glänzen. Ob sie die Wurst eher an Kantinen und Catering-Firmen oder direkt in den Einzelhandel bringen wollen, können sie noch nicht sagen. Und auch ihre Forderung hat es in sich: Für klägliche fünf Prozent fordern sie 100.000 Euro. der einzige Gründer, der ein Angebot macht ist Frank Thelen - allerdings will er 20 Prozent. Während die anderen Jury-Mitglieder aussteigen und keinen Deal anbieten, eiern die Gründer herum. Statt bei Thelen anzubeißen, wollen sie hören, was sonst noch geht. Das schmeckt Thelen nicht - er zieht das Angebot zurück. "Es passt einfach nicht", sagt er. Und die Gründer? Wollten den Deal eh nicht. Dann sind ja alle glücklich.

3. Wasser marsch in "Die Höhle der Löwen"

Jennifer Browarczyk hat eine Online-Plattform für Brautpaare entwickelt, über die sie stressfrei alles für den schönsten Tag im Leben organisieren können. Der Gang in die Höhle der Löwen scheint für die Gründerin ganz und gar nicht schön zu sein: Mit zittriger Stimme und sichtbar angespannt präsentiert sie ihr Unternehmen. Doch mit einem Fakt haut sie die Jury aus den Latschen: Ihr gehört das Unternehmen quasi kaum noch. Nur noch 27 Prozent hält sie selbst - den Rest hat sie bereits an acht Investoren vergeben. Keine einladende Perspektive für die Löwen.

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Dann passiert es: Jochen Schweizer stellt Fragen zum Umsatz, die Gründerin verhaspelt sich, kann mit den Begriffen Deckungsbeitrag und Co. (Basiswortschatz aller Gründer) gar nichts mehr anfangen. Die Nerven liegen blank: "Sorry, ich bin gerade raus", sagt sie. Und die Löwen steigen reihenweise aus. "Sie haben sich sehr gut geschlagen", setzt Judith Williams an. Klingt wie ein Rausschmeißer. Das ist zu viel für Jennifer Browarczyk: Ihr kullern Tränen über die Wangen. Das war's dann wohl - oder nicht?

Offenbar hat die Gründerin die richtige Einstellung, den Biss und die Power, die man braucht, um zumindest Jochen Schweizer zu erreichen. Denn dem ist die Einstellung von Unternehmern wichtig. Und er bietet ihr an, für 150.000 Euro zehn Prozent der Anteile haben zu wollen. Sie nimmt an - die Löwen klatschen. Selten war Business so gefühlvoll. 

4. Wenn Gründer nicht überzeugen

Die 28-jährigen Zwillinge Denis und Mathieu Kanzler kommen nur mit einer Idee, noch nicht mit einem marktreifen Produkt in die Sendung. Sie wollen unkaputtbare Glasflaschen vertreiben. Durch Twin Bottle sollen Sportler aber auch Kinder von den fiesen Plastikflaschen wegkommen. 620.000 Euro wollen die Gründer haben und würden sich dafür von der Hälfte der Anteile trennen. Doch so richtig anbeißen wollen die Löwen nicht, denn bislang kalkulieren die Zwillinge mit einem Verkaufspreis der Flasche von rund 35 Euro. Viel zu teuer, urteilt die Jury. "Ich glaube, dass Sie mit Ihrer Bewertung überheblich sind", sagt Carsten Maschmeyer. "Kommen Sie mal ein bisschen runter." Und auch Frank Thelen zeigt sich nicht begeistert von den Gründern: "Wir werden nicht zusammenarbeiten können. Das habe daran ich gemerkt, wie ihr auf meine Fragen hier reagiert." Auch wenn Jochen Schweizer am Ende noch versöhnliche Worte finden: Kein Deal für Twin Bottle. 

5. Ein "Saftladen" in der Höhle der Löwen

Jetzt wird's saftig: Annemarie Heyl und Konstantin Timm haben sich beim Studium in Kapstadt kennengelernt - und dort kalt gepresste Säfte entdeckt. Die brachten sie mit nach Deutschland. In der Lüneburger Heide quetschen sie aus Avocados, Möhren oder auch Rote Beete Säfte. Gesund, vitaminreich, lecker. Für acht Prozent an ihrer Firma Kale & Me wollen sie 200.000 Euro haben. "Das schmeckt wahnsinnig lecker", urteilt Judith Williams beim Verkosten. Die Säfte können als Erfrischungsgetränk, aber auch als Saftkur (man verzichtet dann auf feste Nahrung) getrunken werden. Das Problem: Ein Fläschchen kostet stolze 4,50 Euro. Kaufen das Kunden? Carsten Maschmeyer würde es tun, als Kunde haben die Gründer ihn überzeugt - als Investor leider nicht. Judith Williams, eigentlich genau die richtige Investorin für den "Saftladen" (so die Gründerin über ihr Geschäft), ist der Pitch zu statisch, sie hätte sich mehr Feuer gewünscht. Am Ende geht Kale & Me ohne Löwen-Investment nach Hause.

6. Wenn der Gründer sagt: Der Löwe ist raus

Kommen wir zum Thema Verstopfung, denn hier kennt sich Karl-Heinz Bilz bestens aus. Seit 40 Jahren ist der Handwerksmeister im Sanitärbereich tätig. Sein liebstes Hobby: Dinge erfinden. Und so brachte ihn der verstopfte Abfluss im Bad auf eine Idee. Wie wäre ein Einsatz im Waschbecken, der das Verkleben von Haaren, Fett, Rasierschaum und Co. verhindert und das Rohr nicht mehr dicht macht? Er entwickelte die Abfluss-Fee, die genau das kann. Bei "Die Höhle der Löwen" präsentiert er auch gleich den Nachfüllpack für seine Abfluss-Fee. Da lässt sich Ralf Dümmel nicht lange bitten: Er kommt nach vorn und begutachtet die Erfindung. Ein Haushaltsprodukt, das würde bestens in sein Portfolio passen. Besonders gut gefällt ihm die Marge, denn die Abfluss-Fee wird aktuell für 14,95 Euro verkauft - bei nicht einmal drei Euro Herstellungskosten. Dazu hält der Gründer die Patentrechte für ganz Europa. 

Die Höhle der Löwen: Die Abflussfee: Ein Duftstein gegen Haare und Schimmel im Waschbecken
Abfluss-Fee

Die Abfluss-Fee: Mit dem neuartigen Abfluss-Stopfen mischt Sanitär-Installateur und Erfinder Karl-Heinz Bilz die Höhle der Löwen auf.

Doch dann beginnt die Bilz-Show. Wenn er denn schon mal in der Höhle der Löwen ist, denkt er wohl, kann er ja auch seine anderen Erfindungen aufzählen. Und davon hat der Gründer einige. Das schmeckt Frank Thelen nicht, er will einen fokussierten Gründer. "Ich werde produzieren und verkaufen - mit Ihnen oder ohne", schnauzt der Gründer zurück. "Da sind sie an den falschen gekommen bei mir." Carsten Maschmeyer, Judith Williams und Frank Thelen kriegen sich vor Lachen kaum ein. Aber auch sie wird es noch treffen, denn Herr Bilz feuert um sich. "Das Produkt kommt auf den Markt, ob Sie wollen oder nicht", scheint sein Lieblingsspruch zu sein. "Herr Bilz, Sie sind eine Wucht", fasst Judith Williams zusammen.

Dann kommt Dümmel. Ihm hat das Produkt - natürlich - gefallen. "Ich glaube man hat Spaß mit Ihnen. Es wird nicht immer leicht, aber man hat Spaß", so Dümmel. Er bietet für 35 Prozent Firmenanteil 250.000 Euro. "Gut, damit bin ich einverstanden", sagt Bilz. Da hat Dümmel aber Glück gehabt.