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Interview

"Die Höhle der Löwen": Investieren Sie auch in Alkohol und Pornos, Herr Maschmeyer?

Carsten Maschmeyer ist das neue Schwergewicht in der TV-Show "Die Höhle der Löwen". Dem stern erklärt der Milliardär, was man als Gründer tun muss, damit Investor Maschmeyer sein Portmonnaie aufmacht - und von welchen Geschäften er lieber die Finger lässt.

Carsten Maschmeyer

Genug Kleingeld zum Investieren: Mit Carsten Maschmeyer sitzt nun ein Milliardär in der Höhle der Löwen.

Mit Carsten Maschmeyer haben die Macher der Start-up-Show "Die Höhle der Löwen" ein prominentes Zugpferd für die neue Staffel gewonnen (ab 23. August, dienstags, 20:15 Uhr auf Vox). Denn Maschmeyer - verheiratet mit Schauspielerin Veronica Ferres, befreundet mit Schröders und Wulffs - verkehrt nicht nur gerne in der Welt der Mächtigen. Mit seinem geschätzten Milliardenvermögen ist er selber einer. Wenn auch ein Umstrittener - die Praktiken seines Finanzvertriebs AWD, den er 2007 verkaufte, haben ihm nicht nur Reichtum, sondern auch ein verheerendes Image eingebracht. Nun kehrt Maschmeyer in neuer Rolle in die Öffentlichkeit zurück.

Herr Maschmeyer, Sie haben mehr Geld, als Sie je ausgeben können und genug Projekte, um sich die Zeit zu vertreiben. Warum setzen Sie sich als Investor in "Die Höhle der Löwen"?

Ich habe das Format vorher schon sehr gerne gesehen. Viele reden in Deutschland darüber, dass man Gründer unterstützen müsste - ich will das tun. Ich investiere bereits seit einigen Jahren in tolle Ideen und mit dieser Sendung kann ich das Gründertum weiter fördern. Ich glaube, dass ich da als Mentor einiges bewirken kann.

Machen Sie das nicht auch, um sich selbst in ein gutes Licht zu rücken und das Publikum zu beeindrucken? Die Berichterstattung über Sie und Ihre Geschäfte war nicht immer positiv.

Um gut rüberzukommen reicht es nicht, einfach in der Sendung zu sitzen. Entscheidend ist, wie man auftritt, denn die Leute achten ja darauf: Welche Fragen stellt der Maschmeyer? Fällt er auf dumme Geschäftsideen rein? Sucht er die richtigen Ideen aus? Und das Wichtigste ist: Was sagen die Gründer in ein oder zwei Jahren? Hat der Maschmeyer gehalten, was er versprochen hat? Würde ich wieder mit ihm zusammenarbeiten? Ich werde alles dafür tun, dass die Gründer durch mich noch erfolgreicher werden.

Wie sehen Sie Ihre Rolle im Löwenrudel? Frank Thelen ist der Technikfan, Jochen Schweizer der Actionfreak - und Sie der reiche Spendieronkel?

Nein, ich habe nicht ein einziges Mal meine finanziellen Möglichkeiten ausgespielt und gesagt: "Ich biete einfach viel mehr Geld." Wenn ein Gründer mein Angebot ablehnt und sich lieber für einen anderen Löwen entscheidet, dann akzeptiere ich das. Dann bietet derjenige wahrscheinlich neben Geld einfach individuelle Unterstützung an, die in diesem Fall dem Geschäftsmodell mehr helfen.

Dritte Staffel auf Vox: Das sollten Sie über "Die Höhle der Löwen" wissen

Was muss man tun, um an Ihr Geld zu kommen? In welche Branchen investieren Sie?

Generell bin ich nicht auf eine Branche fixiert, sondern suche überzeugende Gründer. Gute Unternehmer haben Ideen, finden Lösungen, finden die richtigen Mitarbeiter, können gute Deals aushandeln. Es sollte sich aber nicht um ein Mini-Thema handeln, das man nicht internationalisieren kann. Und es sollte kein Produkt sein, das es so schon X-Mal gibt. Erster, schnellster, bekanntester, bester, günstigster - irgendeinen Superlativ muss es haben.

Würden Sie auch in Alkohol und Pornos investieren, wenn die Rendite stimmt?

Es gibt mehrere Branchen, die für mich tabu sind. Ich bin nicht nur Investor, sondern sehe das auch mit den Augen eines Vaters, eines Ehemannes. Sachen, die ich nicht selber essen, trinken, nutzen würde und von denen ich nicht möchte, dass meine Kinder und Familie das haben, mache ich nicht.

Profit ist also nicht alles? Sind Sie nun auf dem Weltverbesserer-Trip?

Das Schönste wäre, wenn die Produkte die Welt ein Stück besser machen und wirtschaftlich erfolgreich sind. Wenn ich wählen muss, nehme ich lieber das, was eine echte Innovation ist, auch wenn ich das Geld vielleicht nicht immer wiedersehe.

Sie sind mit Finanzprodukten reich geworden. Haben Sie davon genug verkauft in Ihrem Leben oder interessiert Sie die Branche auch als Investor?

Nach dem Verkauf meines Finanzdienstleistungsunternehmens (jetzt Swiss Life Select) habe ich viele Jahre in diesen Bereich nicht investiert. Aber Insurtechs und Fintechs interessieren mich heute sehr. Da werden ganz moderne Finanzdienstleistungsservices über Apps angeboten, viel günstiger und viel schneller als früher. Ich bin bereits an Barzahlen.de und dem iPad-Kassensystem Orderbird beteiligt. Und in der Höhle der Löwen wird man in dieser Staffel auch etwas aus dem Bereich zu sehen bekommen.

Wieviel Geld haben Sie insgesamt investiert in der Höhle der Löwen?

Das darf ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, sonst verstoße ich gegen die Löwen-Hausordnung. Aber ich habe mehrere Commitments gegeben und mit den meisten waren wir auch schon beim Notar und das Geld ist geflossen.

Worauf achten Sie, wenn ein Gründer vor Ihnen steht. Suchen Sie einen jungen Carsten Maschmeyer oder sollte der Kandidat lieber ganz anders sein als Sie?

Ich möchte eigentlich nicht die One Person Show, sondern möglichst zwei, besser drei oder vier Gründer. Denn kaum einer verkörpert alle Eigenschaften, die man braucht. Der eine ist mehr planerisch unterwegs, der andere kreativ und kommunikativ. Ich bin aber in der Sendung nicht zu einer Situation gekommen, in der ich gesagt habe: "Sie kriegen das Geld, aber nur wenn Sie noch eine Person mit reinnehmen, die genau diese Fähigkeiten zusätzlich einbringt."

"Die Höhle der Löwen"-Gründer bekommen Handynummer

Wie eng ist der persönliche Kontakt zu den Gründern, bei denen Sie einsteigen? Delegieren Sie da viel an ihre Leute oder machen Sie das meiste selbst?

Wenn es in der Sendung zum Deal gekommen ist, treffe ich mich noch am gleichen Abend mit den Gründern zum Abendessen. Ich stelle weitere Fragen, die mir im Nachgang gekommen sind. Innerhalb einer Woche bin ich meist selbst vor Ort und verschaffe mir einen Eindruck von dem Unternehmen. Die Gründer haben vom ersten Tag an meine persönliche Handynummer und ich habe mit jedem regelmäßig auf irgendeine Weise Kontakt.

Und das ist Ihnen nicht zu viel Telefonterror?

Nein, nicht jedes Unternehmen braucht ständig die gleiche Aufmerksamkeit. Das ist wie bei kleinen Kindern. Die einen sind schon größer und selbständiger - und um die Babys muss man sich halt noch etwas mehr kümmern. Wir haben uns, was die Menge der Firmen und die Betreuungsintensität angeht, da nicht übernommen.

Was hat Sie in der Höhle der Löwen am meisten überrascht?

Die Gründer waren meistens gut vorbereitet und haben ihre Ideen kreativ vorgetragen. Das hat mir gut gefallen. Und: Ein ungeschriebenes Gesetz in der Start-up-Welt ist eigentlich: Du musst unter 30 sein. In der Sendung habe ich aber auch ältere Gründer erlebt. Da kommen auch 50-Jährige und 60-Jährige auf tolle Ideen. Ich habe gelernt, erfolgreiches Gründen hat mit dem Alter nichts zu tun. 

Wollen Sie auch in der nächsten Staffel den Löwen spielen?

Für mich war die Staffel ein bisschen Zukunftskunde. Ich habe jetzt von Dingen Kenntnisse, von denen ich vorher noch nie etwas gehört habe. Wir haben ungefähr 80 Pitches gesehen, davon waren ungefähr die Hälfte echte Erfindungen und da habe ich viel gelernt. Ob ich weiter dabei bleibe, werde ich mit meiner Familie und meinem Team im Laufe der Ausstrahlung der Staffel entscheiden.

Wie gucken Sie sich die Ausstrahlung der Sendung an?

Für den Termin der ersten Sendung habe ich sogar eine anderweitige Einladung abgesagt, weil ich das gerne "live" mit der Familie sehen möchte.

"Die Höhle der Löwen" läuft ab 23. August immer dienstags, 20:15 Uhr, auf Vox


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