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Flugzeugbau: Peinlicher Machtkampf bei EADS

Die EADS-Tochter Airbus präsentierte sich mit dem A380 als unangefochtener Star der Pariser Luftfahrtmesse. Doch auch das Prestigeobjekts konnte nicht über die Krise bei Europas größten Flugzeugbauer hinwegtäuschen.

"Peinlich, unnötig und schädlich" nennen Rüstungs- und Luftfahrtindustrielle mittlerweile den zähen deutsch-französischen Machtkampf bei EADS und der Konzerntochter Airbus. Selbst zum weltgrößten Branchentreffen in Paris-Le Bourget schaffte es der führende europäische Flugtechnikkonzern nicht, die seit Monaten andauernde Führungskrise beizulegen. Stattdessen flüchtet sich das Unternehmen in eine weitere Peinlichkeit: Zu Messebeginn am Montag sagte EADS seine für Dienstag geplante Pressekonferenz ersatzlos ab. "Es macht keinen Sinn, wenn wir nicht mit den CEO des Unternehmens auffahren können", sagte ein EADS-Sprecher am Montag zu Dow Jones Newswires. Eine Aussage, die als heikles Eingeständnis einer strategischen Blockade beim europäischen Vorzeigeunternehmen gilt.

So ist der abgesagte Termin das Ergebnis eines lange schwelenden Machtkampfs. Seit einem halben Jahr blockieren sich die EADS-Großaktionäre Daimler Chrysler und Sogeade (Lagardère und der französische Staat) im Streit um die Führungsstruktur bei EADS und Airbus. Angefangen hatte der Streit mit dem Versuch des Airbus-Chefs Noël Forgeard, die deutsch-französische EADS-Doppelspitze zu verdrängen. Er alleine wollte stattdessen die Konzernführung übernehmen. Mit dem französischen Präsident Jacques Chirac hatte Forgeard auch einen prominenten Unterstützer für seinen Vorstoß gefunden hatte.

Machtvakuum bei EADS

Einzig Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp zog Forgeards Machtanspruch deutliche Grenzen. "Schrempp hat sehr früh seine Position sehr klar gemacht und sich daran gehalten", so ein Top-Manager des führenden Rüstungselektronikers Thales über Schremp. Mittlerweile hagelte es aber auch von anderen Seiten Kritik an Forgeards Vorgehen. Selbst Chirac rückt angesichts der politischen Flurschäden von seinem früheren Berater ab. Das Ergebnis des hausgemachten Konflikts: ein Machvakuum in der EADS-Chefetage. Dabei steht neben Forgeard mit dem Deutschen Thomas Enders durchaus ein zweiter Anwärter für die Doppelspitze in den Startlöchern. Seit Wochen warten die beiden auf ihre Bestätigung als Co-Chefs - passiert ist bislang allerdings wenig. EADS wird derweil kommissarisch von den Chef-Aufsehern geführt.

Ähnliche Probleme bei dem größten Konkurrent, das amerikanische Unternehmen Boeing, kommen dem europäischen Konzern da wie gerufen. Denn der amerikanische Rivale kam ebenfalls ohne stabile Führung nach Le Bourget. Seit Anfang März sucht Boeing einen Nachfolger für Harry Stonecipher, der über eine "unmoralische Liebesaffäre" im Unternehmen gestürzt ist. Boeing kann sich genauso wie EADS interne Führungsquerelen zurzeit weniger leisten denn je. Beide stehen im Zentrum des vor der Welthandelsorganisation WTO ausgetragenen Konflikts um Subventionen. Beide kämpfen mit politischer Unterstützung und innovativen Produkten wie dem A380 und dem 787 Dreamliner erbittert um Kunden und Marktführung.

Gute Aussichten für Boeing

Doch ein Gewinner im Kampf um Kunden und Marktführung ist bereits absehbar. So scheinen für Boeing die Führungsprobleme nur von vorübergehender Natur zu sein. Der schnelle Abgang des als "Retter" geholten Stonecipher blockiert keine strategischen Entscheidungen. Alan Mulally läuft sich längst als Nachfolger warm. Er kennt die Rüstungssparte gut und hat als Chef der Verkehrsflugzeugsparte derzeit nur gute Nachrichten zu verkünden. "Die Aktionäre kennen meine Kompetenzen", sagte Mulally zu Messebeginn in Paris selbstbewusst. Doch die Entscheidung eile nicht.

Für EADS ist das Führungsproblem dagegen nur eines von vielen. Während Boeing mit Riesenaufträgen für den 787 Dreamliner und brummendem Rüstungsgeschäft wieder oben auf ist, hängen Airbus die Verzögerungen beim Prestigeobjekt A380 wie Blei an den Flügeln. Und auch der geplante Langstrecken-Jet A350 scheint gegenüber dem Boeing-Konkurrenzmodell 787 schon Jahre vor dem ersten Start deutlich ins Hintertreffen geraten zu sein.

AP/DPA / AP / DPA