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Fußballfirma: Diskreter Nebenjob

"Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort kontrolliert jetzt die Millionengeschäfte von Bayern München. Der Journalist und Aufsichtsrat sagt: "Es gibt keine Interessenkollision".

Die Herrenrunde, die sich am 20. Februar im Raum "Atlanta" des Münchner Arabella Sheraton Grand Hotels traf, hätte jeden Fußballfan in Verzückung versetzt. Doch Publikum war unerwünscht: Hinter geschlossenen Türen trafen sich Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß mit Notar, Anwalt und weiteren Funktionären zur Hauptversammlung der FC Bayern München AG. Die Topleute der Fußballfirma regelten zunächst das Finanzielle: Der Gewinn 2001/2002 von 9,85 Millionen Euro fließt in "Gewinnrücklagen", wie es im Protokoll der Sitzung heißt.

Dann stand

eine Satzungsänderung auf dem Programm der nur 30 Minuten dauernden Versammlung: Die Aktionäre - der Verein und mit zehn Prozent Adidas - beschlossen, den Aufsichtsrat von drei auf neun Mitglieder zu erweitern. Als Aufseher wählten sie "einstimmig": Audi-Chef Martin Winterkorn, Ex-McKinsey-Chef Herbert Henzler, den Adidas-Vorstandsvorsitzenden Herbert Hainer, Telekom-Vorstand Josef Brauner und Geschäftsmann Robert Louis-Dreyfus. Dreyfus, Miteigentümer der TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga, nahm die Wahl nach Bayern-Angaben nicht an. Die Veränderungen wurden nicht öffentlich gemacht, auch auf der Homepage fehlte bis Montag jeder Hinweis. Auf Anfrage erklärte Bayern-Vorstand Karl Hopfner: "Die Veröffentlichung auf der Homepage erfolgt demnächst." Ebenfalls "demnächst" sei die konstituierende Sitzung des Aufsichtsrats.

Daran kann

auch ein weiterer Neuzugang unter den Aufsehern teilnehmen. Der zuletzt wegen seiner Geschäftspraktiken in die Kritik geratene Fußballclub hat still und leise einen prominenten Unterstützer aus dem Journalismus an sich gebunden: Auch "Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort wurde einstimmig zum Aufsichtsrat der Bayern AG gewählt. Der Journalist kontrolliert damit die Geschicke eines Unternehmens mit 176 Millionen Euro Umsatz. Bisher gehörte er lediglich dem Beirat des Vereins an, einer Art Kaffeekränzchen für Promis von Boris Becker bis Edmund Stoiber, der nicht in Geschäftsgeheimnisse eingeweiht wird. Bei Aufsichtsräten ist das anders.

Markworts Wahl fiel in unruhige Zeiten: Am Tag zuvor war der Vertrag mit Ex-TV-Mogul Leo Kirch bekannt geworden, der den Bayern 97 Millionen Euro bescheren sollte als Gegenleistung für Lobbyarbeit zugunsten Kirchs. Auch "Focus" berichtete am 24. Februar unter der Überschrift "So läuft's Business" über den Geheimvertrag. Das Blatt machte aus dem Deal eine "angebliche Geheimbündelei" und verharmloste: Es handle sich um einen "Mosaikstein im Ränkespiel der Medienkonzerne, das einst unter dem Kürzel "Bertelsmann contra Kirch" firmierte". Fast schon Mitleid regte sich für Bayern-Vorstand Hoeneß: Der müsse "kämpfen, um einen Schwarzen Peter loszuwerden", den ihm andere "aufdrücken" wollten. Beckenbauer durfte im Interview seine Sicht darstellen: "Es war keine Geldgier." Alles Zufall? "Es gibt keine Interessenkollisionen", teilt Markwort dem stern mit. Über die Berichterstattung entschieden "Fakten", "nicht mein Fußballhobby". Er habe zu dem Bericht "keine Weisungen" erteilt.

Der Nebenjob

bei Bayern lohnt sich. Die Hauptversammlung beschloss, Aufsichtsräten eine "jährliche Vergütung" zu zahlen: 20.000 Euro. Markwort will davon "noch nicht das Geringste gehört" haben. Er habe immer alles selbst gezahlt, sogar die Eintrittskarten. Sobald er über den Betrag mehr wisse, werde er entscheiden, wen er zuerst informiert: Steuerberater, gemeinnützige Organisation, "Focus"-Leser oder den stern.

Frank Thomsen / print