Hypo Real Estate Bund bietet 290 Millionen Euro


Der Poker um die Verstaatlichung der Hypo Real Estate geht in die entscheidende Runde: Der Bund bietet den Aktionären der maroden Immobilienbank freiwillig 1,39 Euro je Anteil an. Damit würde der Staat die Bank für 290 Millionen Euro übernehmen. Lehnen die Aktionäre ab, droht ihnen die Enteignung.

Der Bund hat den nächsten Schritt zur Verstaatlichung des strauchelnden Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate eingeleitet. Je HRE-Aktie werde die Bundesrepublik Deutschland 1,39 Euro bieten, teilte der Finanzmarktstabilisierungsfonds SoFFin am Donnerstag mit. "Das Angebot ist die Gelegenheit für die HRE-Aktionäre, zu einem attraktiven Preis aus ihrem Investment auszusteigen", heißt es in der Mitteilung. Der gebotene Preis liege zehn Prozent über dem gesetzlichen Mindestpreis von 1,26 Euro.

Der SoFFin strebt eine Komplettübernahme der HRE an. Es gibt den Angaben zufolge aber keine Mindestannahmeschwelle. Für alle Aktien, die sich noch nicht im Eigentum des SoFFin befinden, würden den Angaben zufolge 290 Millionen Euro fällig.

Auf der Grundlage des von Bundespräsident Horst Köhler am Dienstag unterschriebenen Rettungsübernahmegesetzes kann der Bund die Aktionäre auch enteignen, wenn die Verhandlungen über einen freiwilligen Verkauf scheitern sollten. Der US-Großaktionär Christopher Flowers, der 24 Prozent der HRE-Anteile hält, hat seine Zustimmung zur Verstaatlichung der Bank bislang strikt verweigert und bereits mit rechtlichen Schritten gegen eine Enteignung gedroht. Die Bundesregierung hofft trotzdem noch auf ein Einlenken. Allerdings betonte ein Sprecher Flowers' am Donnerstag, es gebe "weiter die Präferenz, im Unternehmen zu bleiben." Der Großaktionär habe das Angebot der SoFFin aber noch nicht gelesen.

Für eine Mehrheit an der Bank braucht der Bund 41,3 Prozent der Aktien. Er strebt die Mehrheit an dem börsennotierten Konzern an, um dessen Pleite und weitere Turbulenzen am Finanzmarkt abzuwenden. Darüber hinaus will der SoFFin die schon gewährten staatlichen und privaten Hilfen von 102 Milliarden Euro sicherstellen. Ohne diese Garantien wäre die HRE längst bankrott.

"Eine Insolvenz der HRE hätte substanzielle, kaum abschätzbare Auswirkungen auf die nationalen und internationalen Finanzmärkte", heißt es in der Mitteilung weiter. Dies hätte "erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft". Daher will der SoFFin die Bank durch Rekapitalisierung und die Gewährung von Garantien stabilisieren. Einen Zeitplan für die Übernahme nannte der SoFFin nicht. Allerdings solle das Angebot "sehr zügig" durchgeführt werden.

AP/DPA AP DPA

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