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KIRCH-INSOLVENZ: Wer bekommt ein Stück vom Kirch-Kuchen?

Ein angebliches Interesse des britischen PayTV-Senders BSkyB an Premiere verzögert anscheinend den Insolvenzantrag der Gesellschaft KirchPayTV.

Ein angebliches Interesse des britischen PayTV-Senders BSkyB an einer Übernahme des Kirch-Senders Premiere verzögert nach Angaben aus Kirch-Kreisen den Insolvenzantrag der Gesellschaft KirchPayTV.

Übernahme von KirchPayTV?

»Wir haben deutliche Anzeichen, dass BSkyB ein Interesse an einer Übernahme von KirchPayTV hat«, hieß es am Dienstag in Kreisen der Kirch-Gesellschaft. BSkyB dementierte allerdings ein Kaufinteresse, das auch in Bankenkreisen als unwahrscheinlich bezeichnet wurde. Ein Premiere-Sprecher bestätigte nur, es gebe Gespräche mit den Gesellschaftern über die Zukunft des Senders. Dennoch sei ein Insolvenzantrag der Premiere-Gesellschaft KirchPayTV in den nächsten Tagen wahrscheinlich, hieß es in Kirch-Kreisen. Unterdessen ist die Essener WAZ-Gruppe nach Angaben aus Finanzkreisen in Gesprächen über einen Einstieg bei der insolventen KirchMedia. Sprecher der Verlagsgruppe und von KirchMedia lehnten einen Kommentar ab.

Mit der am Montag erklärten Zahlungsunfähigkeit der Kirch-Kerngesellschaft KirchMedia hatte der Zerfall der Münchener Kirch-Gruppe begonnen, die Firmengründer Leo Kirch in den vergangenen fünf Jahrzehnten zu einem Medienimperium mit rund 10.000 Arbeitsplätzen ausgebaut hatte. Die Verantwortung trägt nun eine neue Geschäftsführung und der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffe.

Insolvenz oder nicht?

Ein Insolvenzantrag für KirchPayTV war eigentlich für Dienstag erwartet worden. Bis zum Dienstschluss war beim Amtsgericht aber kein solcher Antrag eingegangen, wie ein Sprecher des Gerichts bestätigte. Anstehenden Zahlungen könne KirchPayTV nicht nachkommen, wenn nicht in letzter Minute noch ein Geldgeber gefunden werde, hieß es in Unternehmenskreisen. BSkyB, der 22 Prozent an KirchPayTV hält und zum News Corp-Konzern von Rupert Murdoch gehört, hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, kein Geld mehr in Premiere stecken zu wollen. In Kreisen von KirchPayTV wurde aber spekuliert, dass eine Insolvenz die Situation verändern könnte. »Wir dementieren das«, sagte ein BSkyB-Sprecher als Reaktion auf die Spekulationen über ein angebliches Kaufinteresse.

Investoren aus der Medienbranche

In der KirchMedia sind die Filmproduktion, der Rechtehandel und die Mehrheit an der Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media AG gebündelt. Zusammen mit neuen Geschäftsführern suchen die Gläubigerbanken nun Investoren aus der Medienbranche, die die Geschäfte sachkundig fortführen. »Wir brauchen Menschen und Ressourcen, die von diesem hochanspruchsvollen Markt etwas verstehen«, sagte HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt am Rande eines Kongresses in München.

Springer-Verlag als Wunschpartner

Als Wunschpartner der Banken gilt der Hamburger Axel Springer Verlag, der nach Angaben aus Finanzkreisen in ersten Gesprächen Interesse signalisiert hatte. Für einen Einstieg bei KirchMedia wird Springer aber vielleicht Geld bezahlen müssen, denn eine Forderung von rund 770 Millionen Euro gegen KirchMedia ist nach der Insolvenz hinfällig geworden. Springer hatte im Januar eine Option zum Verkauf seines 11,5-prozentigen Anteils an ProSiebenSat.1 zum Festpreis von 767 Millionen Euro mit KirchMedia vereinbart. Da die Option nicht besichert sei, gehöre sie zur normalen Konkursmasse, hatte der neue KirchMedia-Geschäftsführer Wolfgang van Betteray am Montag betont. In Bankenkreisen hieß es, in Deutschland sei wohl nur die WAZ-Gruppe finanziell in der Lage, einen Einstieg von rund 25 Prozent in der neuen KirchMedia zu schultern.

Die Sache mit der »deutschen Lösung«

Gespräche mit internationalen Investoren schließen Gläubigerbanken dabei nicht aus. Nach dem langwierigen Verhandlungspoker über die Rettung von KirchMedia scheinen allerdings zumindest Murdoch und der Mediaset-Konzern des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi vorerst aus dem Rennen zu sein. Im Ergebnis werde es wohl eine gemischte Lösung geben, bei der neben deutschen Medienkonzernen auch internationale Investoren Know-How und Eigenkapital bereit stellen, hieß es in Finanzkreisen. HypoVereinsbank-Sprecher Albrecht Schmidt warnte am Dienstag davor, sich ausschließlich auf eine »deutsche Lösung« zu konzentrieren: »Es wäre töricht in einem globalen Markt, an den nationalen Grenzen Halt zu machen.«

Rechtliche Schritte?

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) kündigte an, einen etwaigen Einstieg Berlusconis bei KirchMedia notfalls mit juristischen Mitteln verhindern zu wollen. Berlusconi dürfe nicht Einfluss auf einen deutschen Medien-Konzern gewinnen. Es sei davon auszugehen, dass Berlusconi in Deutschland wie in Italien seine Medienmacht für seine politischen Ziele einsetzen würde. Dies sei mit dem deutschen Verfassungsverständnis unvereinbar.