HOME

Machtkampf: Rangeleien im Airbus-Cockpit

Im deutsch-französischen Airbus-Cockpit wird derzeit heftig gerungen, der mächtige EADS-Chef Noël Forgeard steht offenbar kurz vor dem Rauswurf. Sogar Frankreichs Präsident Chirac stichelt gegen den Landsmann.

An der Spitze des deutsch-französischen Luft- und Raumfahrt-Konzerns EADS rumort es. DaimlerChrysler und Lagardère, die beiden EADS-Großaktionäre, wollen Co-Vorstandchef Noël Forgeard zum Rücktritt drängen, berichtet die "Financial Times Deutschland" in ihrer Dienstagsausgabe. Das gehe aus Vorschlägen der beiden Anteilseigner an die französische Regierung hervor, mit denen sie den deutsch-französischen Technologiekonzern, der seinen Sitz in den Niederlanden hat, aus der Krise führen wollten, heißt es in dem Blatt. Nach Informationen der "Financial Times" ist in allen Szenarien ein schneller Rücktritt Forgeards vorgesehen.

Chirac hinterfragt Forgeard

Auch der französische Präsident Jacques Chirac hat angesichts der Krise beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS die Managementstruktur des Konzerns in Frage gestellt. "Es gibt ein Problem, und zwar die Managementschwierigkeiten, die sich bei EADS mit je zwei Verwaltungsrats- und Vorstandschefs ergeben haben", sagte Chirac am Montagabend". Er wolle den Entscheidungen der EADS-Aktionäre nicht vorgreifen. Zugleich fügte der Präsident aber hinzu: "Wahrscheinlich werden wir etwas tun müssen, und es wird etwas getan." Auf die Frage ob der im Zuge der Krise unter Druck geratene EADS-Co-Chef Noel Forgeard seinen Hut nehmen solle, sagte Chirac, er wolle nichts im Voraus beurteilen.

Forgeard wegen Insidergeschäfte in Kritik

EADS war 2000 aus der deutschen Dasa, der spanischen Casa und der französischen Aerospatiale hervorgegangen. Um dem austarierten Machtgefüge zwischen Franzosen und Deutschen Rechnung zu tragen, wurden damals Doppelspitzen sowohl für den Vorstand als auch den Verwaltungsrat beschlossen.

Der Konzern war in die Krise gerutscht, nachdem die Tochter Airbus Mitte Juni angekündigt hatte, dass sich die Auslieferung des Airbus A380 - des Vorzeigeprojekts des Flugzeugbauers - wegen Problemen mit der Elektronik um bis zu sieben Monate verzögern werde. Die finanziellen Belastungen für den Mutterkonzern führten zu einem Kurssturz der Aktie. Forgeard ist wegen der Ausübung von Aktienoptionen wenige Monate vor der Bekanntgabe der Verzögerung im A380-Programm in die Kritik geraten. Sowohl die französische (AMF) als auch die deutsche Finanzaufsicht (BaFin) prüfen den Vorgang.

Abschaffung der Doppelspitze als Lösung?

Am Montag hatte Finanzminister Thierry Breton gesagt, der französische Staat wolle die Lösung der Krise bei EADS den beiden industriellen Anteilseignern Lagardere und DaimlerChrysler überlassen. Erst am Wochenende hatte Breton über einen Sprecher verlauten lassen, dass die EADS-Großaktionäre am Wochenende über einen Ausweg aus der Krise bei EADS beraten. Der französische Staat hält 15 Prozent an der EADS, die französische Mediengruppe Lagardere 7,5 Prozent. Als Gegengewicht ist der Stuttgarter Autokonzern DaimlerChrysler mit 22,5 Prozent beteiligt.

Als ein Szenario zur Lösung der Krise wird Kreisen zufolge die Abschaffung der EADS-Doppelspitze mit je einem französischen und einem deutschen Chef diskutiert. Eine mit der Situation vertraute Person sagte, dass der französische Chef des Verwaltungsrats, Arnaud Lagardere, gegen eine solche Lösung sei. Auch die Bundesregierung sieht keinen Grund, die partnerschaftliche Führung von Frankreich und Deutschland beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS zu ändern.

Für Airbus Großauftrag aus China

Der Flugzeugbauer Airbus hat einen Großauftrag von der chinesischen Fluggesellschaft China Eastern Airlines erhalten. Bei der EADS-Tochter seien 30 Maschinen vom Typ A320 bestellt worden, teilte China Eastern Airlines am Dienstag in Schanghai mit. Der Vertragswert betrage rund 13,9 Milliarden Yuan (rund 1,4 Milliarden Euro). Das chinesische Unternehmen erwartet, dass die Flugzeuge zwischen Mai 2008 und November 2010 geliefert werden. Erst vor knapp zwei Wochen hatte Air China 24 Airbus A320 bestellt.

Mit dem Auftrag reagiert die Gesellschaft auf die steigende Nachfrage für Flüge über Kurz- und Mittelstrecken. Die Wettbewerbsfähigkeit von China Eastern steige mit den neuen Flugzeugen, die im Zeitraum Mai 2008 und November 2010 ausgeliefert werden sollen. China ist der am schnellsten wachsende Absatzmarkt für die Konkurrenten Airbus und Boeing. Das europäische Gemeinschaftsunternehmen plant daher die Fertigung von Flugzeugen in dem asiatischen Land.

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters