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Milliarden-Investitionen: Durchbruch für Windparks im Meer

Die Pläne für den Bau riesiger Windparks in Nord- und Ostsee stehen vor dem Durchbruch. Mit Blackstone will sich erstmals ein Finanzinvestor mit mehr als eine Milliarde Euro an Offshore-Anlagen vor der deutschen Küste beteiligen.

Von Mark Krümpel, Timm Krägenow, Matthias Ruch, Angela Maier

"Der Schritt von Blackstone wird mit Sicherheit weitere Investitionen nach sich ziehen", sagte Ralf Bischof, Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie, der FTD. Der Vorstoß des milliardenschweren Private-Equity-Hauses signalisiert eine Trendwende. Zwar hat die Bundesregierung das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2030 Windräder mit 25.000 Megawatt in Nord- und Ostsee zu installieren. Sie könnten 15 Prozent des deutschen Strombedarfs decken - und den Ausstieg aus der Kernkraft beziehungsweise die Reduzierung von Kohlekraft erleichtern. Allerdings stockt der Ausbau der Windenergie auf hoher See. Bau und Betrieb der Anlagen ist deutlich teurer als an Land. Energiekonzerne und Investoren haben sich wegen der hohen Risiken bislang mit größeren Investitionen zurückgehalten.

Mit dem neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das der Bundestag im Juni verabschiedet hat, ist nach Einschätzungen von Branchenkennern nun aber eine wichtige Hürde beseitigt. So wurde die Einspeisevergütung für Windstrom von 9 auf 15 Cent je Kilowattstunde erhöht. Dadurch könnten Windräder auf hoher See Renditen von rund zehn Prozent erzielen. Am Wochenende hatte Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) einen neuen Raumordnungsplan vorgestellt, der die Bauplätze für Offshore-Windanlagen reserviert. In diesem Sommer soll der Aufbau eines Offshore-Testfelds vor Borkum beginnen; im kommenden Jahr könnten dann die ersten größeren kommerziellen Windparks den Betrieb aufnehmen.

"Es gibt eine wirklich starke Aufbruchsstimmung"

Blackstone will sich nach FTD-Informationen zunächst an dem Windpark "Meerwind" nordwestlich von Helgoland beteiligen. In der ersten Ausbaustufe sind dort 80 Windräder mit einer Leistung von bis zu 400 Megawatt geplant. Der Bau wird nach Branchenschätzungen um 1 Milliarde Euro kosten. Insgesamt will die Berliner Firma Windland Energieerzeugung dort 160 Windräder errichten. Die Beteiligung Blackstones ist das erste bedeutende Projekt des US-Finanzinvestors bei alternativen Energien in Europa. Beteiligungsgesellschaften haben wegen der Kreditkrise Probleme, Darlehen für ihre Großübernahmen einzuwerben, und suchen deshalb verstärkt neue Investitionsziele.

Der größte deutsche Energiekonzern Eon, der unter anderem an dem Pilotprojekt Alpha Ventus vor Borkum beteiligt ist, zeigte sich offen für neue Partnerschaften. "Wir können uns durchaus vorstellen, auch Finanzinvestoren an unseren Windparks zu beteiligen", sagte ein Sprecher.

Da es an Land kaum noch freie Flächen für Anlagen gibt, setzt die Branche große Hoffnungen in Offshore-Windräder. "Es gibt eine wirklich starke Aufbruchsstimmung", sagte der Geschäftsführer der Windenergie-Agentur Bremerhaven/Bremen, Jan Rispens, der 170 Unternehmen in der Region koordiniert. Die Politik habe ihre Hausaufgaben gemacht. Investments in deutsche Offshore-Parks seien jetzt ähnlich attraktiv wie in Großbritannien. Nach seinen Informationen sei eine Reihe großer Finanzinvestoren an Offshore-Projekten in Nord- und Ostsee interessiert. "In den nächsten 12 bis 24 Monaten werden wir eine Reihe von großen Investments sehen. Die Finanzbranche in London und den USA verfolgt sehr genau, was hier passiert."

Derzeit sind an einem Großteil der geplanten Windparks in den deutschen Meeren die Stromerzeuger Eon, Vattenfall und EnBW beteiligt. Vertreter der Windenergiebranche begrüßten, dass jetzt Geldgeber in die Offshore-Produktion einsteigen, die nicht die Interessen eigener Kraftwerke an Land zu verteidigen haben. Es sei wichtig, dass unabhängige Investoren den Investitionsstau auflösten, sagte der Geschäftsführer des Windenergieverbands, Bischof.

FTD