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Opel: Fiat-Offerte spaltet Betriebsrat

Die Suche nach einem Investor für den kriselnden Opel-Konzern geht in die heiße Phase: Bereits am Dienstag will Fiat eine Absichtserklärung für einen Einstieg bei der GM-Tochter unterschreiben. Der Opel-Betriebsrat ist noch uneinig über den möglichen Partner. Für Auto-Experte Ferdinand Dudenhöfer ist das Ganze nur ein Ablenkungsmanöver.

Die Übernahme des europäischen Geschäfts von General Motors durch Fiat steht offenbar kurz bevor. Wie der "Spiegel" mit Berufung auf Verhandlungskreise am Donnerstag berichtete, soll Fiat schon am kommenden Dienstag eine Absichtserklärung unterzeichnen. Danach wolle der italienische Autobauer die Mehrheit an Opel übernehmen.

Eine Bestätigung durch die Unternehmen gibt es noch nicht, aber Arbeitnehmervertreter von Opel kündigten bereits Widerstand an.

Die europäische Tochter von General Motors befindet sich derzeit zwar noch in aussichtsreichen Verhandlungen mit dem Autozulieferer Magna. Offenbar ist das Management von General Motors in Detroit und das Bundeswirtschaftsministerium aber an einer schnelleren Lösung mit Fiat interessiert. Im Opel-Management und bei den Arbeitnehmervertretern wird dagegen eher ein Einstieg von Magna befürwortet.

Ein Opel-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Dafür Betriebsratschef Klaus Franz: Er kündigte scharfen Widerstand gegen die Übernahme durch Fiat an und fürchtet einen "dramatischen Abbau von Arbeitsplätzen bei Opel und Werksschließungen in Deutschland". Die Produktpalette von Fiat und Opel würden sich komplett überschneiden. Zudem sei Fiat hoch verschuldet. Fiat strebe keine strategische Partnerschaft an, kritisierte Franz. Das Unternehmen wolle lediglich kurzfristig an Bürgschaften kommen. "Fiat hat 14,2 Milliarden Euro Schulden und richtig dicke Liquiditätsprobleme. Die kommen derzeit nicht an Geld", sagte Franz.

Er verwies auch auf schlechte Erfahrungen mit Fiat: "Wir kennen die Braut." Im Februar 2005 hatten die Italiener ihre breit angelegte Partnerschaft mit General Motors beendet. Der US-Konzern zahlte damals 1,55 Milliarden Euro, um nicht das Automobilgeschäft von Fiat übernehmen zu müssen. GM und Fiat hatten im Jahr 2000 die gemeinsame Entwicklung von Motoren und Getrieben in Europa beschlossen. Zugleich hatte der US-Konzern zehn Prozent der Anteile von Fiat übernommen. Auch dieses Geschäft wurde Anfang 2005 wieder rückgängig gemacht.

Auch die Gewerkschaft IG Metall sprach sich gegen einen Verkauf des Rüsselsheimer Autobauers an die Italiener aus. "Die IG Metall befürchtet Arbeitsplatzabbau und Werkschließung bei einem möglichen Einstieg des Fiat-Konzerns bei Opel", hieß es in einer Mitteilung. Es sei mit Protesten der Belegschaften zu rechnen: "Einen Investor, der nicht auf Zukunft, sondern Kahlschlag bei Opel baut, würden die Opel-Beschäftigten nicht akzeptieren."

Rainer Einenkel, Chef des Bochumer Opel-Betriebsrats, zeigte sich dagegen vorsichtig optimistisch. "Es gibt keinen Grund, Fiat als Investor abzulehnen, solange man das industrielle Konzept dieses möglichen Partners nicht kennt", sagte Einenkel der "Rheinischen Post".

Fiat mit 410 Millionen Euro Verlust im ersten Quartal

Die Geschäftszahlen, die Fiat am Donnerstag präsentierte, spielen eher den Skeptikern in die Karten. Demnach hat die Wirtschaftskrise dem italienischen Autobauer im ersten Quartal 410 Millionen Euro Verlust eingebracht. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 405 Millionen Euro Nettogewinn gewesen. Der Umsatz der Fiat-Gruppe sank den Angaben zufolge um ein Viertel von 15,1 auf 11,3 Milliarden Euro.

Freundlicher könnte ein Konsortium aus dem Autozulieferer Magna und dem russischen Hersteller Gaz aufgenommen werden, das Medienberichten zufolge ebenfalls an Opel interessiert ist. Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf solle deswegen bereits beim GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster vorgesprochen haben, berichtet die "Rheinische Post" unter Berufung auf Regierungskreise. Magna wollte sich dazu nicht äußern.

Außerdem will sich der "Rheinischen Post" zufolge die größte Bank Russlands, die Sberbank, an dem möglicherweise neuen Opel-Konzern beteiligen, sollten Magna und Gaz den Zuschlag bekommen. Die Russen hätten bereits Kontakt zum Umfeld des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier aufgenommen.

Koch: "Noch keine Vorentscheidung gefallen"

Nach Angaben des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) ist derzeit noch keine Vorentscheidung im Rennen um Opel gefallen gefallen. "Magna und Fiat reihen sich ein in die Reihe möglicher Partner", sagte Koch. Er sei aber froh über das Interesse der Investoren an dem angeschlagenen Autobauer. "Es zeigt sich mit Blick auf die Adam Opel GmbH jeden Tag stärker, dass es entgegen früheren Behauptungen interessante private Investoren gibt."

Fiat befindet sich ebenfalls in Verhandlungen mit dem vor der Pleite stehenden US-Autobauer Chrysler. Der Ausgang der Verhandlungen ist weiter ungewiss. Die Gespräche seien "völlig offen", erklärte Fiat und wies damit Berichte über eine unmittelbar bevorstehende Einigung zurück. Die größte US-Autogewerkschaft UAW teilte mit, es gebe noch keine Vereinbarung. Ein Vertreter der italienischen Gewerkschaft Fim-Cisl warnte, die Gespräche könnten auch noch scheitern. Allerdings seien die US-Gewerkschafter sehr an einer Einigung interessiert, sagte Bruno Vitali, der in Detroit mit der UAW verhandelt.

Experte: "Kein echtes Interesse"

Automobil-Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht in der Fiat-Offerte kein echtes Interesse, sondern eine taktische Maßnahme, um die Verhandlungen mit Chrysler zu beeinflussen. Gegenüber stern.de sagte Dudenhöffer: "Fiat ist in Verhandlungen mit Chrysler engagiert und will in den USA bessere Bedingungen erreichen. Chrysler hat kaum eine andere Wahl und so erhöht Fiat den Druck auf die Gewerkschaften. Man verweist auf Opel und zeigt damit: Es gibt auch noch andere Bräute."

Eine Allianz hätte nach Ansicht des Branchenexperten wenig Sinn. Beide Firmen hätten den Schwerpunkt in Europa und gleichzeitig erhebliche Überkapazitäten in ähnlichen Segmenten. "Opel und Fiat passen zusammen wie Feuer und Wasser."

DPA/AP/Reuters/kra / AP / DPA / Reuters