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Wirtschaftskrise: Bürgern vergeht die Lust aufs Einkaufen

Bisher hatte der Einzelhandel dem Abwärtssog der Konjunkturkrise standgehalten. Doch jetzt scheint die miese Stimmung endgültig auch bei den Bürgern angekommen zu sein: Die Umsätze schwinden. Oder liegt es doch an der Abwrackprämie und dem Wetter?

Die Bundesbürger kaufen angesichts der Konjunkturkrise weniger ein. Im ersten Quartal dieses Jahres machte der deutsche Einzelhandel real 3,2 Prozent weniger Umsatz als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. "Die Rezession ist wohl endgültig im Einzelhandel angekommen", urteilten die Analysten von Dresdner Kleinwort und Commerzbank angesichts der Zahlen. Aufgrund steigender Arbeitslosigkeit seien in den kommenden Monaten weitere Rückgänge zu erwarten, prognostizierten sie.

Einzelhandelsverband gibt Abwrackprämie Schuld

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) wiegelte dagegen ab. HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr machte vor allem die Abwrackprämie für die schlechten Zahlen verantwortlich. Das Geld, das für neue Autos ausgegeben werde, fehle an anderer Stelle. Außerdem sei Deutschland im März noch im Griff des Winters gewesen. "Nicht nur Baumärkte und Gartencenter, auch der Bekleidungshandel hat den eisigen Wind zu spüren bekommen", meinte Pellengahr. Doch habe sich die Situation im April deutlich gebessert.

Die Kaufzurückhaltung trifft fast alle Branchen. Im eigentlich als vergleichsweise konjunkturresistent geltenden Lebensmittelhandel lagen die Umsätze im März real um 3 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats, bei Textilien sogar um 3,3 Prozent. Lediglich der Internet- und Versandhandel sowie der Einzelhandel mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten konnten gegen den Trend Umsatzzuwächse erzielen. Nicht enthalten in der Statistik sind Kraftfahrzeughändler, die derzeit von der Abwrackprämie profitieren.

AP / AP