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US-Agrarwirtschaft: BSE-Kuh ist Hiobsbotschaft für US-Rindfleischindustrie

Der definitive Beweis über den ersten BSE-Fall war noch gar nicht erbracht, da trat die US-Rindfleischindustrie bereits zur "Operation Schadensbegrenzung" in Aktion.

Der definitive Beweis über den ersten BSE-Fall war noch gar nicht erbracht, da trat die US-Rindfleischindustrie bereits zur "Operation Schadensbegrenzung" in Aktion. Die Angst, dass die Rinderseuche nun auch den amerikanischen Markt befallen hat, könnte die mächtige Industrie in eine tiefe Krise stürzen. In manchen europäischen Ländern war der Rindfleischverbrauch nach der BSE-Panik in den 90er Jahren um ein Drittel eingebrochen. In Kanada versiegten Milliardeneinnahmen aus dem Rindfleischexport nach der Entdeckung des ersten BSE-Falls im Mai dieses Jahres.

90 Prozent der Absatzmärkte sind zu

Noch am Heiligabend aktivierte der US-Fleischexportverband seine 13 Büros in aller Welt. "Unsere Botschaft ist einfach: Die US-Rindfleischproduktion ist sicher, und die Entdeckung eines einzigen BSE-Falles ändert daran nichts", teilte der Verband mit. "Ein Fall von BSE bedeutet nicht, dass US-Fleisch heute weniger sicher ist als gestern", hielt die Lebensmittelbehörde FDA fest. Doch ohne Erfolg: Zahlreiche Länder machten ihre Grenzen umgehend zu. Damit sind Absatzmärkte, die mehr als 90 Prozent der 3,2 Milliarden Dollar US-Exportproduktion aufnehmen, erstmal zu, darunter die Hauptabnehmer Japan, Südkorea und Mexiko.

Handel für Rind-Termingeschäfte gestoppt

Der Handel für Rindfleisch-Termingeschäfte an der Warenbörse in Chicago wurde am Heiligabend vorzeitig gestoppt, nachdem der Preis bereits innerhalb weniger Stunden so stark gefallen war, wie es nach den Regeln der Börse innerhalb eines Tages höchsten erlaubt ist. Die Aktienkurse großer Fleischverarbeiter und von Restaurantketten wie McDonald's büßten an der New Yorker Börse bis zu sieben Prozent ein. "Der betroffene Fleischverarbeiter hat keinerlei Verbindung zur Lieferantenkette von McDonald's", teilte das Unternehmen sofort mit. Auch die Regierung ist besorgt. Landwirtschaftsministerin Ann Veneman beschwor Verbraucher, das Vertrauen in US-Beef nicht zu verlieren. Das Außenministerium wies Botschaften in aller Welt an, ihren Gastregierungen zu versichern, dass das Problem unter Kontrolle ist.

Kein Land produziert so viel Rindfleisch

In keinem Land der Welt wird so viel Rindfleisch produziert wie in den USA. 96,1 Millionen Rindviecher grasen auf den amerikanischen Weiden auf mehr als einer Million Höfen. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums 12,3 Milliarden Kilogramm Rindfleisch im Wert von 65 Milliarden Dollar produziert. Mit der Rinderseuchenpanik in Europa war die US-Rindfleischindustrie in den 90er Jahren ein Riesengeschäft geworden. Im Jahr 2000 erreichten die Exporte die Rekordmarke von 3,6 Milliarden Dollar.

USA hat bisher von BSE-Problemen anderer profitiert

Auch der erste Fall einer BSE-Kuh in Kanada hat den US-Rinderfarmern ein gutes Geschäft beschert: Um 17 Prozent seien die US-Exporte gestiegen, nachdem im Mai bei einer Kuh in der kanadischen Provinz Alberta BSE festgestellt worden war und zahlreiche Länder ihre Einfuhren aus Kanada stoppten, stellte das kanadische Statistikbüro fest. Kanada war bis Mai nach Australien und den USA der größte Rindfleischexporteur der Welt.

Europa könnte Vorfall zum Protektionismus nutzen

Selbst, wenn die BSE-Kuh in den USA wie die in Kanada ein isolierter Fall bleiben sollte, dürfte der Schaden nachhaltig bleiben. Die «Washington Post» unterstellt den Handelspartnern nicht nur uneigennützige Motive. "In Europa ist BSE als kaum verschleierte Ausrede für noch stärkere Schutzmaßnahmen für heimische Bauern benutzt worden. Es wäre kaum überraschend, wenn das Phänomen wieder auftauchen würde", schrieb die Zeitung in einem Leitartikel.

Christiane Oelrich / DPA