VW-Tarifrunde Opel dient als Warnung


Die dramatische Krise bei Opel wirft ihre Schatten auf die Tarifrunde bei Volkswagen. Die Lage beim Konkurrenten verschärft den Druck auf die ohnehin schon schwierigen VW-Verhandlungen.

Der Fall Opel mit drohenden Massenentlassungen, möglichen Werksschließungen und wilden Streiks ist für die Tarifparteien Warnung vor einem Scheitern - und Appell zur Einigung. Denn auch bei VW geht das Gespenst Arbeitsplatzabbau um, die Kosten sollen drastisch runter, es drohen Warnstreiks.

Das Kind liegt noch nicht im Brunnen

Beide Tarifparteien betonen zwar nach außen hin, bei VW sei das Kind im Gegensatz zu Opel noch nicht in den Brunnen gefallen. Die Lage bei Volkswagen sei "ernst", aber "meilenweit entfernt" von der Opel-Situation, sagt VW-Betriebsratschef Klaus Volkert. Zugleich aber schimpft er auf Managementfehler bei VW und kritisiert etwa die Luxuswagenstrategie, für die vor allem der schwach verkaufte Phaeton steht - die Beschäftigten seien nicht schuld daran, dass VW seine Ziele in diesem Jahr verfehle. Allerdings, betont IG Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine, schreibt Volkswagen anders als Opel noch Millionengewinne.

Von VW-Seite heißt es ebenfalls, die Situation bei Volkswagen sei nicht mit der bei Opel vergleichbar. Der laufenden Tarifrunde aber misst der Wolfsburger Autobauer eine entscheidende Bedeutung bei. "Wir wollen gerade das verhindern, was bei anderen Mitbewerbern passiert", sagt VW-Verhandlungsführer Josef-Fidelis Senn. Wie General Motors (GM) bei seiner Tochter Opel will auch das VW- Management die Kosten drastisch senken. Ziel: der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Bis 2011 sollen die Arbeitskosten um rund zwei Milliarden Euro oder 30 Prozent gekürzt werden. Zur Kostenentlastung will VW etwa auch den konzerninternen Konkurrenzkampf um neue Produkte zwischen den den einzelnen Standorten fördern.

Damoklesschwert Arbeitsplatz-Abbau

Wochen vor Beginn der Tarifrunde hatte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zudem damit gedroht, 30.000 Arbeitsplätze könnten auf dem Spiel stehen, sollte es keine Bewegung bei den Verhandlungen geben. Es sei unverantwortlich, mit der Angst der Menschen um ihre Jobs zu spielen, hatte daraufhin die IG Metall gewettert. Das Damoklesschwert eines Arbeitsplatz-Abbaus aber hat die Forderung der Gewerkschaft nach Lohnerhöhungen von vier Prozent in den Hintergrund treten lassen. "Jobs oder Mäuse": Mit dieser griffigen Formel brachte Betriebsratschef Volkert die Situation auf den Punkt - und machte klar, dass für ihn die Sicherheit der Arbeitsplätze oberste Priorität hat. Auch von Meine war zu hören: In der laufenden Tarifrunde "wachsen die Bäume nicht in den Himmel".

Kernforderung der IG Metall ist daher eine per Tarifvertrag geregelte Arbeitsplatzgarantie für die rund 103.000 Arbeitsplätze in den sechs westdeutschen VW-Werken. Dazu hat sich VW in der dritten Runde grundsätzlich bereit erklärt. Die Bedeutung der Job-Garantien für die Gewerkschaft sei auch als Reflex auf den geplanten massiven Arbeitsplatzabbau bei Opel zu sehen, heißt es bei der IG Metall. Der Preis, den VW im Gegenzug für die Garantien verlange, sei aber noch "viel zu hoch". VW hat in Sachsen weitere Werke, für die aber ein eigener Tarifvertrag gilt. Die IG Metall lässt bereits ihre Muskeln spielen. Bezirkschef Meine setzte VW am Donnerstag unter Druck: komme es bei der fünften Runde am 28. Oktober nicht zu einer Einigung, werde es Anfang November Warnstreiks geben.

Andreas Hoenig, dpa DPA

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