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20. Mai 2008, 11:52 Uhr

Endlich wieder Super

Ausgedieselt

Der Trend zum Selbstzünder ist gebrochen. Auf TDI folgt TSI, sagt das Center Automotive Research (CAR). stern.de nennt die sieben Gründe, warum der Diesel langsam, aber sicher zurückfällt. Und warum der Benziner auf der Überholspur ist. Von Christoph M. Schwarzer

Der Audi 100 Avant hatte als Erster das neue Kürzel auf der Heckklappe: TDI© Hersteller

Als 1989 ein hellblauer Audi 100 Avant den Messestand der Ingolstädter auf der IAA zierte, haben nur wenige geahnt, wie wichtig das neue Kürzel auf seiner Heckklappe werden würde: TDI stand da. Zum ersten Mal. Der Rest ist Geschichte. Durch den niedrigeren Energiesteuersatz, ehemals Mineralölsteuer genannt, und den ebenso niedrigen Verbrauch wurde der Diesel für viele ein Muss.

Rückgang der Verkaufsanteile Zwischen 1995 und 2005 verdreifachte sich der Marktanteil der Autos mit Heizölverträglichkeit von 14,6 auf 42,7 Prozent. Jetzt ist Schluss. Das Center Automotive Research (CAR) der FH Gelsenkirchen misst nach dem Zenith von 47,7 Prozent im letzten Jahr erstmals einen Rückgang der Dieselverkaufsanteile. Im 1. Quartal dieses Jahres waren es noch 45,9 Prozent. Prognose: Der Otto gewinnt Stück für Stück. Und das, obwohl mehr als die Hälfte aller Westeuropäer am liebsten auf und mit dem Diesel abfährt. stern.de nennt die sieben wichtigsten Gründe für den beginnenden Abstieg des Selbstzünders.

Benziner mit mehr Potenzial

Im Vergleich zum Diesel waren die Benziner bisher Simpeltechnik. Aber jetzt wird das ungenutzte Sparpotential des Ottomotors mit den gleichen Mitteln erschlossen wie einst beim Diesel: Direkteinspritzung der zweiten Generation, Turbo- oder sogar Doppelaufladung und das so genannte Downsizing der Motoren heben die Effizienz schrittweise an. CAR schätzt die mögliche Verbrauchssenkung auf bis zu 30 Prozent. Wie ernst es Massenhersteller wie Volkswagen damit meinen, zeigt die Einführung dieser Technologien auf breiter Front ("TSI").

Sinkender Spritpreisabstand

Dieselfahrer trauten ihren Augen nicht, als sie im Dezember Zapfsäulen entdeckten, an denen sie mehr zahlen mussten als die Benzinbrüder. Inzwischen sind die Zustände chaotisch: An einem Tag ist Diesel acht Cent billiger, am nächsten Tag zwei Cent teurer als Super. Angeblich liegt das an der weltweit gestiegenen Nachfrage, zum Beispiel aus den USA. Für Fahrer von Klein- und Kompaktwagen wird sich der Diesel darum kaum noch rechnen; nur Vielfahrer in großen Autos haben weiter ihren Vorteil.

Steigender Wertverlust

Nach der Prognose von CAR wird der Gebrauchtwagenmarkt durcheinander geraten. Der Grund: Firmen setzen wegen der hohen Fahrleistungen auf den Diesel. Für Privatfahrer rechnet der sich aber immer weniger, was auf die Restwerte drückt. In der Folge verliert der Diesel auch für die mit spitzem Bleistift rechnenden Firmen an Anziehungskraft. Der Griff zum Benziner wird wieder leichter.

Schwierige Abgasreinigung

Die Zeiten der schwarzen Wolke aus dem Dieselauspuff sind fast vorbei. Dem Partikelfilter sei Dank. Neues Ungemach droht allerdings in Form der Stickoxide, die in vielen Staaten der USA heute schon aufwändig aus dem Abgas geholt werden müssen. Harnstoffeinspritzung, im Schönsprech "AdBlue" genannt, plus Zusatzfilter machen den Diesel noch teurer. Ein Trend, der bald in der EU ankommen wird. Beim Benziner ist die Abgasreinigung unkomplizierter.

Hohe Wartungsintensität

Die neuen Abgasreinigungstechniken erhöhen die Wartungsintensität und damit die Kosten. Von den Preisen eines Zahnriemenwechsels bei einem Passat V6 TDI ganz zu schweigen. Zusätzlich müssen die aktuellen Partikelfilter noch beweisen, dass sie für 200.000 Kilometer gut sind.

Hybrid stärkt Benziner

Die extrem teure Hybridtechnik wird auch aus Kostengründen bisher vor allem mit dem Benziner kombiniert. Alle Hersteller werden die "Efficient Dynamics"-Technologien von BMW nachahmen und damit den Verbrauch senken. Noch 2008 werden die ersten deutschen Mildhybride den Durst der Benziner weiter deutlich senken. Ab 2010 kommen die Plug-Ins, die ihren Batterien an der Steckdose aufladen können. Nur auf der Autobahn wird der Diesel unschlagbar bleiben.

Diesel mit CO2-Nachteil

Pro verbranntem Liter Sprit wird beim Diesel (2650 Gramm) mehr Kohlendioxid frei als beim Benziner (2370 Gramm). Bei der kommenden, CO2-basierten Kfz-Steuer steht der Diesel also tendenziell schlechter da. Und die Überlegungen, mit Einführung der CO2-Steuer den Steuervorteil bei der Energiesteuer aufzuweichen, sind nicht vom Tisch.

KOMMENTARE (10 von 15)
 
Rainhelt (22.05.2008, 08:57 Uhr)
@dborrmann
Atkinson-Zyklus... Das steht nicht wirklich im Gegnsatz zum Ottoprozess. Die beeinflussung der Ventilsteuerzeiten gibts ja schon länger (Atkinson=später,Miller=früher) In Fahrzeugen mit (bisher Otto) variabelen Ventiltrieb ist das verwirklicht... Für Diesel laufen die ersten Versuchsreihen. Das der "Gewinn" so hoch ist, liegt an der E-Maschine, die die Nachteile (niedrig startende Drehmomentkurve,...). Ansonsten kauft man die Vorteile mit grossem Hubraum und relativ hoher Drehzahl.
Übrigens ein Tip: Wenn sie in den vergangen 6 Monaten nicht beim Service ware. Bringen sie mal eine versteckte Marke an ihrem Batteriesystem an und kontrollieren sie diese MArke nach dem kommenden Service...
Gruß
Rainhelt
dborrmann (22.05.2008, 08:13 Uhr)
@rennfrikadelle
Stimmt so auch wieder nicht. Ich fahre einen Benziner (Hybrid, Motor läuft nicht im Otto- sondern im Atkinson-Zyklus, -Prius II-). Da liegt der Gesamtgewinn (Vortrieb, Drehmoment etc.) pro eingestzter Kalorie deutlich höher als beim TDI oder anderen Dieselkonzepten. Das spürt man, im Gegensatz zu vielen Äußerungen, auch auf der Autobahn. 4,5 L/100 Km sind realistisch im 1/3-Mix.
Berndchen (22.05.2008, 08:11 Uhr)
Aber Leute ...
... was regt Ihr Euch auf. Gönnt doch einem Redakteur mal ein bißchen Verdienst, geht doch am Besten wenn ein Aktikel Meinung "gegen den Strich" veröffenrlicht wird. Liest doch sonst keiner. Macht ja nichts wenn es dann eigentlich im Hinblick auf die technischen und chemisch-physikalischen Realitäten Unsinn ist ... Merkt ja vielleicht keiner ... :o)
Rainhelt (21.05.2008, 14:03 Uhr)
@Eisenbär!
Der Artikel steht unter der Überschrift:
"stern.de nennt die sieben Gründe, warum der Diesel langsam, aber sicher zurückfällt. Und warum der Benziner auf der Überholspur ist."
Und dann wird mit CO2-Steuer argumetiert. Diese Argumentaion ist falsch!!! Da kann man lesen soviel man will, wenn der Inhalt schlicht falsch ist!!!
Zitat:"Bei der kommenden, CO2-basierten Kfz-Steuer steht der Diesel also tendenziell schlechter da." Alles klar?
rennfrikadelle (21.05.2008, 12:39 Uhr)
Fakten
Fakt ist, das ein Dieselmotor mit einem Verbrauch von 6 l/100 km soviel CO2 ausstößt wie ein Ottomtotor mit einem Verbrauch von 7l/100 km.
Fakt ist, das ein Dieselmotor bei einem Verbrauch von 6 l/100km eine Leistung aufweißt, die bei einem leistungsgleichen Ottomotor zu einem Verbrauch von 8-9 l/100 km führen.
Auch wenn der CO2 Ausstoß pro Liter Diesel höher ist, so ist der Ausstoß in der Summe pro km beim Ottomotor dennoch höher. Der Diesel kann seinen erhöhten relativen Ausstoß durch seinen deutlich geringeren Verbrauch mehr als Wettmachen.
Ich denke, es fällt sehr vielen Automobilisten schwer die althergebrachte Meinung vom "Stinkerdiesel" in Zeiten von Oxykat und Dieselpartikelfilter abzulegen. Diese Diskussion ob Diesel oder nicht wird auch heute noch zu sehr auf der Basis von Vorurteilen anstatt von klaren Argumenten geführt.
Beim Ottomotor hat sich extrem viel getan, doch auch mit den derzeitigen Ansätzen kann physikalisch bedingt der Wirkungsgrad eines Diesel nicht erreicht werden - vor allem im Teillastbereich nicht.
Im Stadtverkehr liegt der Verbrauch meines nicht leistungsschwachen Diesel PKW's rund 4,5 Liter unterhalb des meines Bruders - gleiches Modell, ähnliches Leistung, anderer Motor.
Solange heutige PKW's mit Ottomotor im reinen Stadtverkehr und bei einer Leistung von mehr als 100PS noch immer an der 10 Liter Grenze schrammen, kommt für micht ein Ottomotor nicht in Frage. Eine Umrüstung auf Gas beim Ottomotor senkt zwar die Kosten, nicht den CO2 Ausstoß.
McGhosty (21.05.2008, 11:28 Uhr)
relativ tatsächerlicher CO2 Ausstoß
@Eisenbär: Der relative Wert verfälscht aber die Aussage wenn es im Artikel von Herrn Schwarzer um Verbrauch beim Autofahren und damit verbundenen Abgasemissionen geht. Was will man mit einem relativen Wert, der in der Hinsicht gar nicht relevant ist? Relevant ist, was hinten beim Auto raus kommt - und die Werte sind eben andere. Auf die muß man eine Studie/Untersuchung und auch Berichterstattung beziehen. Was nützt mir wenn ich relativ 2650 Gramm pro Liter, also bei 6l/100km sage und schreibe relative 15.900 g CO2 verursache, tatsächlich aber "nur" 170 g/km? Nur weil bei dem relativen Wert andere Faktoren vergessen werden, kann man den nicht medienwirksam einsetzen. Es geht um Fakten. Und Fakt ist, daß ein Auto eben auf 100 km x g je km verursacht. Und nicht irgend ein relativen Wert.
Wenn der Autor von Autos schreibt, muß er auch die Fakten schreiben, und nicht relative Werte, die bei ganz anderen Methoden zustande kommen.
Herr Schwarzer erweckt damit nämlich den Eindruck, daß ein Diesel mehr CO2 verursacht als ein Benziner. Seine Worte. Stimmt aber gar nicht, wie belegt werden kann. Relativ vielleicht, tatsächlich leider falsch, weil der Diesel weniger CO2 verursacht.
Und damit ist die Argumentation von Herrn Schwarzer einfach falsch.
Eisenbaer (21.05.2008, 11:18 Uhr)
Es war ja nur eine Frage der Zeit...
...wann der Dieselkraftstoff teurer werden würde. Der Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, so muss ich das Angebot über den Preis stabilisieren, wenn ich die Menge des Angebots nicht erhöhen kann. Das ist im Grunde genommen Marktwirtschaft für Anfänger...
Malt (21.05.2008, 10:43 Uhr)
Man könnte es auch schlicht und einfach...
...damit sagen: Das, was die Mehrheit fährt, wird immer teurer, weil man so schlicht und ergreifend das Meiste abzocken kann!
.
Keine Preisabsprachen bei den Tankstellen? Dass ich nciht lache! Bundeskartellamt? Die, die die Tür für die Ölkonzerne mit einer tiefen Verbeugung offenhalten. Unsere Politiker? Zu gut bezahlte Marionetten die nach der Pfeife der automobilkonzerne und Ölgesellschaften tanzen!
Eisenbaer (21.05.2008, 10:32 Uhr)
@McGhosty
Erst lesen, dann posten und meckern.
Denn im Artikel steht geschrieben:

"Pro verbranntem Liter Sprit wird beim Diesel (2650 Gramm) mehr Kohlendioxid frei als beim Benziner (2370 Gramm)."

Damit sind die relativen Werte gemeint, ihre Postings beziehen sich aber auf die absoluten Werte. Diese wurde im Artikel auch nie in Frage gestellt. Die Tendenz zeigt aber auf, dass die absoluten Zahlen beim Benziner stärker rückläufig sind, als bei den Dieseln. Und auch, dass zukünftige, weitere Abgasreinigung beim Diesel um einiges teurer werden wird, als bei dem Benziner...
McGhosty (21.05.2008, 10:20 Uhr)
Noch ein Beispiel
Mercedes C 220 CDI, 170 PS: 160 g/km
Mercedes C 200 Kompressor, 184 PS: 187 g/km
Verbräuche:
A4 Avant mit 2,0 TDI: 5,4l/100 km
A4 Avant mit 1,8 TFSI: 7,2l/100 km
VW Passat mit TSI: 7,8l/100 km
VW Passat mit TDI: 6,4l/100 km
Mercedes 220 CDI: 6,1l/100 km
Mercedes 200 Kompressor: 7,8l/100 km
Herr Schwarzer: Wo kommen Ihre Angaben her? Auf jeden Fall nicht von den Hersteller-Seiten.
Diese Art von Recherche (irgend eine Gramm-Angabe ohne Angabe bei welcher Leistung) ist etwas schwach und nicht aussagekräftig.
 
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