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18. Juli 2008, 16:21 Uhr

Selbstjustiz mit Pfefferspray?

Wenn ein Artikel "Der Terror fährt Rad" heißt, kochen die Emotionen hoch. Engagiert diskutierten die User von stern.de das Thema und berichteten von diversen Straßenpflaster-Begegnungen und gebrochenen Gliedmaßen. Doch rechtfertigt das schon Selbstjustiz?

So schnell, wie die Rad Rowdys unterwegs sind, können Fußgänger manchmal nicht ausweichen© Getty Images

"Einseitigkeit" - das war noch der geringste Vorwurf, den sich der Autor des Artikel "Der Terror fährt Rad" an Kommentaren gefallen lassen musste. Im Prinzip stimmt das - jedoch wurde natürlich auch nur eine kleine, rücksichtslose Gruppe aufs Korn genommen. Im Fokus des Textes standen offensichtlich nicht gemütliche Radwanderer oder radelnde Schülerpulks.

Hauptkritikpunkt der Radfahrer ist die fehlende Infrastruktur, so mancher Drahtesel-Fan fühlt sich dadurch systematisch diskriminiert. Zugeparkte oder nicht vorhandene Radwege zwinge sie geradezu, sich regelwidrig zu verhalten. Bei der rechtlichen Eindordnung hingegen haperte es allerdings bei manchem: so gilt die Nutzungspflicht für den Radweg tatsächlich nur für auch befahrbare Radwege. Die Benutzung der Straße bei einem nicht zu passierenden Radweg ist sogar zwingend vorgeschrieben. Das Befahren des Fußgängerweges dagegen - außer für Kinder - strikt verboten.

Wer Öko ist, hat Recht? Ein erregter Nebenschauplatz ist die Öko-Bilanz des Verkehrsmittels. Weil das Rad das Klima schone, scheinen Radfahrer geneigt zu sein, einen besonderen Status für sich zu beanspruchen. Ein Art "Vorfahrt für die Korrekten". Von den Automobilisten wird das natürlich konsequent bestritten. Sie kontern mit dem Gegenvorwurf der "Trittbrettfahrerei", weil Radfahrer nicht durch besondere Steuern zum Wegebau beitragen würden.

Dennoch scheint der Ärger der Radfahrer zwar berechtigt zu sein, aber am Kern des Übels vorbeizugehen. Von anderen Usern wird jedenfalls "offiziell" nicht bemängelt, dass Radfahrer auf der Straße fahren. Das mag im Alltag für Ärger sorgen, in der Diskussion wird zu schwerem Geschütz gegriffen: Missachtung der Vorfahrt, Ignorieren roter Ampeln, Fahren bei Nacht ohne Beleuchtung. Hinzufügen ließe sich noch: das penetrante Missachten der Fußgängervorfahrt an Zebrastreifen ist bei Radfahrern noch ausgeprägter als bei Autofahrern.

Rad-Fußgänger-Konfrontation

Vielen Postings ist dann auch das Erschrecken über die Risikobereitschaft mancher Radler anzumerken. Etwa, wenn von einem Vater berichtet wird "der mit Kleinkind auf dem Träger bei Rot die 4spurige Leipziger Str. überquert." Tatsächlich haben auch einige Autofahrer offenbar Schwierigkeiten, für sie unangenehme Entwicklungen der Straßenverkehrsordnung zu akzeptieren. Als Stichworte seien Einbahnstrassen, "beidgleisige" Radwege und die kniffligen Regeln für Radfahrer an Fußgängerampeln genannt.

Am stärksten echauffieren sich dann aber nicht die "bösen" Autofahrer, sondern die Fußgänger. Kein Wunder: Im Falle eines Falles hätte bei einem Unfall mit einem Wagen der Radfahrer die Verletzungen zu tragen, der Kraftfahrer dagegen einen Blechschaden. Bei der Rad-Fußgänger-Konfrontation liegen die Verhältnisse anders. Wenn man nicht unterstellt, dass die geschilderten Erlebnisse frei erfunden sind, ist das tatsächlich starker Tobak.

Mit Pfefferspray gegen Rad-Rowdys

"JohnSteed" schreibt, ihm sei von einem Radfahrer entgegnet worden: "Ich fahre dort, wo es mir passt und wenn ich durch eine Fußgängerzone schneller in die Firma komme, nehme ich die; und wenn die Leute mir nicht aus dem Weg gehen, fahre ich sie halt platt, dann müssen sie eben springen, wenn ich klingele." Oder "mariong" berichtet aus Köln: "So schnell kann man als Fußgänger gar nicht bei Seite springen und muss sich dann auch noch anpöbeln lassen. Meine 75 Jahre alte Mutter wurde auf dem Bürgersteig von einer Radfahrerin umgefahren, angeschrien: "pass doch auf, du blöde Alte" und mit gebrochenem Arm liegengelassen."

Dass in diesen Fällen krasses Fehlverhalten vorliegt, kann kaum abgestritten werden. Dass zudem bei Unfallflucht wegen des fehlenden Radkennzeichens keinerlei rechtliche Möglichkeiten bestehen, scheint die Wut der Fußgänger maßgeblich anzuheizen. Mancher Spaziergänger entpuppt sich dann als Rambo, etwa wenn "robuste Spazierstöcke oder Pfefferspray" als Mittel gegen Rad-Rowdys empfohlen werden.

kra/be

 
 
KOMMENTARE (10 von 60)
 
Fahrrad (23.07.2008, 12:58 Uhr)
@h-p-t
Tür zu Tür Reisezeit im Stadtverkehr: http://www2.tu-berlin.de/umweltbildung/stefan/phase3.html
Clemens1964 (23.07.2008, 11:48 Uhr)
wenn mir jemand
pfefferspray ins gesicht sprüht, werde ich ihm den ganzen rest der dose direkt ins gesicht verabreichen. nur das es da keine unklarheiten gibt.
h-p-t (22.07.2008, 21:05 Uhr)
@fahrrad
"Übrigens die Durschnittsgeschwindigeit von Fahrrad und Auto liegt bis 10km etwa gleich hoch"
LOL
2nd_astronaut (22.07.2008, 19:30 Uhr)
Mein Verstoßkonto
Ich fahre Rad und Auto (zu Fuß gehe ich auch manchmal). Mit dem Rad versuche ich soviele rote Ampeln wie möglich zu überfahren. Und zwar deshalb, weil es so ein komisches Gefühl ist, wenn ich nicht laufend gefährliche STVO-Verstöße begehe, wie ich es als Autofahrer tue: permanent zu schnell (Hauptunfallursache), stets "dunkelgrün" an Kreuzungen nutzen (ohne auf Querverkehr zu achten, wie ich es als Radler mache), auf ABs immer zu wenig Abstand zum Vordermann, bei Dunkelheit nie auf Sicht fahren,...
Seitdem die Einbahnstraßen freigegeben sind, sind die Ampeln meine einzige Chance, dieses eklige Gefühl der Gesetzestreue loszuwerden. Ach ja, anwesende Vollgäsler: Radwege ignorieren hilft mir nicht, das ist i.A. erlaubt.
Fahrrad (22.07.2008, 15:34 Uhr)
@gaga007
Gewalt als Lösung. Der Stern und gaga waren dabei. Der Einsatz von Tierabwehrspray gegen Menschen ist zulässig, wenn ein Rechtfertigungsgrund wie Notwehr oder Nothilfe vorliegt. Fehlt ein solcher Rechtfertigungsgrund, kann die Anwendung bestraft werden (Gefährliche Körperverletzung).
Um einen Waffenausgleich herzustellen empfehle ich den Einsatz von Bügelschlössern, Kettenschlössern gegen Seitenspiegel und Seitenscheiben. Bewährt hat sich auch der Einsatz von Schlüsseln gegen Lack und Verkleidungselemente. Spuken ist dagegen von der Geste her ganz nett, in der Wirkung aber nicht nachhaltig! Bei Fußgängern bremse ich für meinen Teil immer sehr gerne, der Schwächere hat Vorfahrt.
Fahrrad (22.07.2008, 14:52 Uhr)
@wwwilly
Noch ein ganz schlauer Vollgasprolli guckst du hier:
Ausnahmen von der Benutzungspflicht
Grundsätzlich kann eine Benutzungspflicht nur bestehen, wenn der Radweg eine erkennbare Alternative zur Fahrbahn darstellt, also neben ihr in der gleichen Straße verläuft (fahrbahnbegleitend). Bei abseits von Fahrbahnen geführten (eigenständigen) Radwegen stellt die Beschilderung mit Zeichen 237, 240 oder 241 einen Hinweis auf die Benutzungserlaubnis mit Fahrrädern und ein Benutzungsverbot mit anderen Verkehrsarten dar.
Wenn ein als benutzungspflichtig gekennzeichneter Radweg praktisch nicht benutzbar oder unzumutbar ist, z. B. durch parkende Kraftfahrzeuge oder andere Hindernisse, Baustellen oder fehlende Schneeräumung, entfällt die Benutzungspflicht (vgl. LG Oldenburg, 29. Juli 1952, VkBl. 53, 190). Auf den Gehweg darf nicht ausgewichen werden, da dieser nur den Fußgängern vorbehalten ist. Ein Celler OLG-Urteil sagt aus, dass auch eine Verletzung des „Luftraums“ des Gehweges nur mit dem reinragenden Lenker schon unzulässig sei.
Der Radweg muss auch nicht benutzt werden, wenn nicht absehbar ist, wohin er führt, oder keine Auf- bzw. Abfahrmöglichkeit besteht. Zum Abbiegen dürfen Radwege rechtzeitig vor der Kreuzung verlassen werden, um sich dort einzuordnen.
Wenn du jemals schon auf deutschen Radwegen Fahrradgefahren bist würdest du nicht so dumm rumreden. Übrigens die Durschnittsgeschwindigeit von Fahrrad und Auto liegt bis 10km etwa gleich hoch. Was nur daran liegt das die Lungenkapazität des Fahrradfahrers durch Feinstaub bereits verengt ist, der Radfahrer nicht in den Genuss von grünen Wellen kommt sondern er sich im Gegensatz dazu den Weg an den Ampeln "freidrücken2 muss, er Slalom um aufgehende Autotüren und von rechtsranpreschenden Autos ausweichen muss... etc. etc.
wwwilly (22.07.2008, 14:34 Uhr)
Fast jeden Tag...
...schleichen diese Fahrradspackos als Verkehrsbremse mitten auf der Straße rum obwohl direkt daneben ein ausgewiesener Radweg ist. Als ob sie es absichtlich machen würden um die Autofahrer aufzuregen. Radfahrer haben imho nix auf der Straße verloren!
Fahrrad (22.07.2008, 14:20 Uhr)
@faustjucken_de
Fahr mal mit dem Fahrrad das gibt Sauerstoff ins Hirn. Zeig mir mal ein Land in der dritten Welt wo mit dem Fahrrad gefahren wird? Wenn überhaupt dann mit Mopeds etc. Ich kann dir im Gegenzug einige Länder nennen, mit dem weltweit höchsten Bildungsneveau (höher als Deutschland), in denen drei bis fünffach mehr Fahrrad gefahren wird als in Deutschland. Lass Argumente sprechen nicht Emotionen!
Bollaug (22.07.2008, 13:58 Uhr)
Merkwürdig es sind immer die Anderen
In den Kommentaren ist durchweg festzustellen, daß die Bösen immer die Anderen sind. Jeder macht selbst Fehler und nicht wenige. Meint dabei, weil es jedesmal ausnahmen sind zu den Guten zu gehören. Ärgert euch nicht über alles sonst ist der Tag sowieso gelaufen.Denkt bei jedem Fehler eines anderen sofort an den eigenen großen Patzer. Es wirkt - Ihr bleibt gelassen.
rosinchen (22.07.2008, 11:11 Uhr)
guten tag
ich fahre auto, moped, fahrrad, bahn und bin auch gelegentlich fußgänger in berlin. daher bilde ich mir ein, alle seiten beurteilen zu können. mit meinem fahrrad fahre ich NICHT bei rot, niemals. ich bin ja nicht bescheuert. trotzdem sieht man immer wieder radler, die rot missachten. keine ahnung, weshalb. ich denke mir immer, so eilig kann man es doch gar nicht haben, dass man dafür sein leben riskiert.
vielleicht ist das das geheimnis: man sollte seine wege entschleunigen. nicht rasen, sondern schlicht fahren.
das größte ärgernis für mich ist allerdings, wenn radfahrer mit ihrem fahrrad in eine volle straßenbahn einsteigen müssen. warum haben sie ihr fahrrad dabei?
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