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30. März 2010, 10:28 Uhr

Brise im Tank

Sie sind der Alptraum jedes Mineralölkonzerns: Selbstversorger, die mit Kleinwindanlagen Strom produzieren und Elektrofahrzeuge aufladen. Das Ende des Öls könnte in Nordfriesland beginnen. Und auch die ersten großen Windkraft-Tankstellen sind in Planung.

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Solche Mikrowindturbinen könnten den Verbrauch eines Durchschnittshaushalt in Deutschland decken© Press-inform

Wenn Marten Jensen in die Zukunft blickt, gerät der Friese ins Schwärmen. "Wir sind allround-unabhängig. Strom, Wärme, Mobilität - all das holt man sich aus dem eigenen Garten", so die Vision des Geschäftsführers der EasyWind GmbH. Denn in seiner Zukunft hat jeder ein eigenes Windrad auf dem Grundstück, kann den Energiekonzernen eine lange Nase drehen und mit seinem selbst aufgeladenen Elektroauto jede Tankstelle links liegen lassen. In Nordfriesland, wo in den 80er Jahren die ersten Windparks entstanden, soll diese Vision Realität werden.

Schon jetzt hat Jensen vier Kunden, die ihre Windräder mit einer Stromtankstelle aufgerüstet haben. Einer davon lädt sein Elektro-Dreirad Twike per Windenergie auf dem eigenen Grundstück auf. Die laut EasyWind weltweit einzige zertifizierte Kleinwindanlage für den Hausgebrauch kostet inklusive Fundament und Genehmigungsplanung 22.500 Euro ohne Mehrwertsteuer. Die Stromtankstelle gibt es für 290 Euro dazu. "An den Tankstellen verdienen wir nichts, aber es ist ein Argument, um die Menschen für unsere Kleinwindanlagen zu begeistern", sagt Marten Jensen.

Regenerative Energiequellen

Klein ist dabei relativ, denn die Anlagen ragen je nach Ausführung sieben, 13 oder gar 19 Meter über den Erdboden. Die Einsatzgebiete von kleinen Windrädern sind vielfältig - in der Landwirtschaft, als Stromgenerator für abgelegene Forschungsstationen oder auf Segelbooten. Und eben auch wie die EasyWind als eigenes kleines Kraftwerk für Selbstversorger.

Die Friesen sind dabei, sich in einer Genossenschaft zusammenzuschließen. Die "E4mobile eG" will Stromtankstellen einrichten, die mit Windkraft, Solarenergie und Biogasanlagen betrieben werden. Zunächst geht es dabei um kleinere Fahrzeuge, etwa Pedelecs (Elektro-Fahrräder) und Elektro-Roller. Mit der emissionsfreien Mobilität – also mit Elektrofahrzeugen, die nur mit "sauberem", aus regenerativen Energiequellen gewonnenem Strom geladen werden - wollen die Friesen auch im Tourismus die Werbetrommel rühren. "Jeder vierte EasyWind-Kunde will bereits die Stromtankstelle dazu haben. Interessant ist das auch für Besitzer von Ferienwohnungen, die ihren Besuchern dann gratis Pedelecs zur Verfügung stellen können", sagt Marten Jensen.

Energieertrag schwankt stark

Die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist für Besitzer von Kleinwindanlagen allerdings nicht gerade attraktiv: Neun Cent pro Kilowattstunde ist die magere Ausbeute, deutlich weniger als bei Solarenergie - die Einspeisevergütung für Fotovoltaik liegt zurzeit für kleinere Anlagen bei rund 39 Cent pro kWh und wäre auch nach der geplanten schrittweisen Reduzierung noch deutlich höher als bei der Windkraft. Die Genehmigungspraxis für Windräder ist zudem von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich, oft gelten die gleichen komplizierten baurechtlichen Voraussetzungen wie für große Windkraftanlagen. Im Gegensatz zu Solarzellen liefern die Windräder zwar auch nachts Strom, doch bei Windstille ist natürlich nichts zu machen. Der Energieertrag schwankt daher stark. In Nürnberg zum Beispiel liegt er laut Berechnungen von EasyWind bei weniger als 10.000 kWh pro Jahr, in Hamburg dafür bei knapp unter 15.000 kWh und in Husum bei rund 16.000 kWh. Mit dem schwankenden Energieertrag der Windkraft müssen auch die Stromnetze zurechtkommen.

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Mit den sogenannten Pedelecs (Elektro-Fahrräder) wollen die Friesen den Tourismus ankurbeln© Press-inform

Die RWE-Tochtergesellschaft RWE Innogy ist durch eine Minderheitsbeteiligung am britischen Unternehmen Quiet Revolution ebenfalls ins Kleinwind-Geschäft eingestiegen. Eine Pilotanlage mit zwei Mikrowindturbinen steht auf dem Gebäude des Essener Technologie- und Entwicklungs-Centrums (ETEC). Je nach Windverhältnissen liege die von den "Quiet Revolutions" erzeugte jährliche Strommenge derzeit zwischen 3.000 und 8.000 kWh, heißt es bei RWE. Das wäre genug für einen Durchschnittshaushalt in Deutschland - der verbraucht im Jahr etwa 3.500 kWh Strom.

Windtechnolgie auch für Privatleute

RWE Innogy-Sprecher Konrad Böcker bremst allerdings die Erwartungen an eine schnelle Verbreitung der Kleinwindenergie: "Die Ausweitung dieser Art der Windtechnologie und ihre kommerzielle Nutzung in Deutschland wie auch in anderen europäischen Staaten hängt maßgeblich von einem einheitlichen Genehmigungs- und Zertifizierungsrahmen ab, wie auch von geeigneten Fördermechanismen oder Marktanreizprogrammen", so Böcker. Eine Turbine wie die 40.000 Euro teure "Quiet Revolution" sei zum jetzigen Zeitpunkt eher für Unternehmen oder Kommunen geeignet. "Mit der technischen Weiterentwicklung und dem Beginn einer Massenproduktion sollen die Kosten in den kommenden Jahren sukzessive gesenkt werden, so dass dieses Produkt dann auch für Privatleute interessant sein dürfte", ergänzt Böcker.

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Die "E4mobile eG" will Stromtankstellen einrichten, die mit Windkraft, Solarenergie und Biogasanlagen betrieben werden© Press-inform

Von Marten Jensen und seinen Mitstreitern werden die großen Energieversorgungsunternehmen eher misstrauisch beäugt. "Die haben an Kleinwindanlagen kein wirkliches Interesse, selbst wenn sie sich in der Elektromobilität engagieren - sie verfolgen eher die Ideen zentraler Tankstellen, damit der Kunde abhängig bleibt", glaubt Jensen.

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KOMMENTARE (5 von 5)
 
tvc64 (30.03.2010, 19:45 Uhr)
Beispiel
Nehmen wir einen durchschnittlichen Familienverbrauch (Strom) von 3.500 kwh/Jahr zum Preis von mind. 800 .-, Tendenz steigend.
Rechnen wir die Lebensdauer einer privaten Windkraftanlage von mageren 20 Jahren, bei einem Anschaffungspreis von ca. 15.000.- alles inklusive.
Sehen wir von Einspeisevergütung ab. Dann ergibt die Rechnung:

Strom von den Stadtwerken: 20 x 800 = 16.000.-, tendenziell eher mehr

Strom aus der eigenen Anlage für 20 Jahre: 15.000.- + evtl. Wartungskosten

Ich kann jetzt nicht erkennen, was an der privaten Anlage so unwirtschaftlich sein soll ?!
Tyndal (30.03.2010, 15:13 Uhr)
Umweltschutz = teures Hobby
Steigende Strom- und Ölkosten sind gerngenommene Argumente für den Verkauf einer Photovoltaik-Anlage, einer Solarthermie, Erdwärmepumpe, Pellet-Heizung oder jetzt eben Windrädern. Aber egal wie ich auch rechne, im Vergleich zur Ölheizung und dem Strom aus dem Atomkraftwerk amortisieren sich die ganzen alternativen Anlagen meist erst nach 10 Jahren, manchmal sogar erst nach 20 Jahren. Ob diese Anlagen nach dieser Zeit noch tadellos funktionieren oder nur noch Schrottwert haben und ersetzt werden müssen, kann auch niemand sagen. Hält das Windrad da oben wirklich 50 Jahre ohne Wartungs- und Reparaturkosten? Oder muss ich, sobald es "Gewinn" abwirft, erneut einen 5stelligen Betrag in die Hand nehmen und neu investieren? Da schweigen die Verkäufer dann ganz gerne mal. Klar würde ich gern etwas für die Umwelt tun... aber nicht um jeden Preis.
Skarrin (30.03.2010, 15:03 Uhr)
@Jever-Huelse
Zu schade, dass Sie offenbar nichts von Physik verstehen. Denn sonst würden Sie uns Unwissenden ja erklären können, was Sie eigentlich mit Ihrer Behauptung meinen.
Jever-Huelse (30.03.2010, 13:26 Uhr)
Träumer
Schöne neue Welt, von der hier fernab jeden Sachverstandes geträumt wird.

Leider wird es sie nie geben, denn sie hat einen unerbittlichen Gegner: Die Physik!

MfG Jever
tvc64 (30.03.2010, 11:47 Uhr)
Nicht zu vergessen...
die Fa. Windpower GmbH (WIPO), die im ostfriesischen Greetsiel beheimatet ist und marktreife Kleinwindanlagen herstellt, Leistung bis 4000 Kwh, Preis ca. 10.000 ?.
In Kooperation mit den Stadtwerken Emden ist auch eine finanzielle Förderung geplant.
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