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8. Juli 2009, 21:01 Uhr

Google macht die Fenster zu

Suchmaschinenriese Google will ein weiteres Geschäftsfeld aufmischen: Die Ankündigung eines eigenen Betriebssystems namens Chrome OS ist ein direkter Angriff auf Microsoft und dessen System Windows. Und eine weitere Maßnahme, Menschen ins Web zu locken und damit zu potenziellen Google-Nutzern zu machen. Doch was erwartet den Nutzer wirklich? Von Ralf Sander

Google, Chrome OS

Google will auch Betriebssysteme aufmischen© Justin Sullivan/Getty Images

Ohne den großen Rivalen konkret zu nennen, teilt Google bei der Ankündigung seines eigenen Betriebssystems ordentlich aus: Die Nutzer "möchten sofort auf ihre E-Mails zugreifen können und nicht erst lange darauf warten müssen, bis der Computer hochgefahren und der Browser gestartet ist. Die Computer sollen so schnell bleiben, wie sie es am Anfang waren", heißt es in der Ankündigung von Chrome OS. Auf wen die Anspielungen abzielen, ist klar: Microsoft mit seinem Betriebsystem Windows, das seit Jahrzehnten den PC mit einem Marktanteil von 90 Prozent dominiert. "Sie möchten nicht jedes Mal Stunden mit der Konfiguration ihres Computers zubringen müssen, wenn sie sich neue Hardware anschaffen, und sich nicht mehr ständig um Softwareupdates kümmern müssen", stichelt Google weiter. Doch auch ohne die verbalen Attacken ist klar: Googles Pläne für ein eigenes Betriebssystem sind ein direkter Angriff auf den Softwareriesen aus Redmond. Und eine weitere Maßnahme, Menschen ins Web zu locken und damit zu potenziellen Google-Nutzern zu machen.

Die Ankündigung von Chrome OS erfolgte im offiziellen Firmenblog. Sundar Pichai, der Vizepräsident des Produktmanagements, und Linus Upson, Engineering Director, versprechen viel in ihrem Postin, Konkretes und Details fehlen allerdings. So viel ist bekannt: Chrome OS soll ein schnelles, Ressourcen sparendes und schnell startendes Betriebssystem sein, das zunächst auf Netbooks zum Einsatz kommen soll. In der zweiten Hälfte 2010 würden die ersten Geräte mit dem vorinstallierten Betriebssystem auf den Markt kommen, heißt es in der Mitteilung. Diese besonders kleinen und günstigen Notebooks sind die zurzeit erfolgreichste Geräteklasse auf dem PC-Markt. Später wird Chrome OS wahrscheinlich auch für Laptops und Desktop-PCs angepasst werden.

Der Browser als Betriebssystem

Dass das Betriebssystem denselben Namen trägt wie der Ende 2008 veröffentlichte Webbrowser Chrome, ist kein Zufall. Die auf dem freien Betriebssystem Linux basierende Technik des Surfprogramms wird auch dem Betriebssystem zugrunde liegen, das Ende dieses Jahres nach dem Open-Source-Prinzip veröffentlicht wird und von jedermann weiterentwickelt werden kann.

Chrome OS ist ein konsequenter Schritt in Googles Bemühen, das so genannten Cloud Computing voranzutreiben und so viele Anwendungen wie möglich im Web ablaufen zu lassen und auf dem Rechnern des Nutzer nur noch die Ergebnisse auszuliefern. "Schnelligkeit, Einfachheit und Sicherheit sind die zentralen Aspekte von Google Chrome OS", propagiert das Unternehmen. Google verspricht, dass sein Betriebssystem bereits nach wenigen Sekunden bereit ist und der Nutzer sofort das Internet nutzen kann. Dort soll alles Weitere geschehen: Ob Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Bildbearbeitungen oder Terminkalender - Anwendungen für fast jeden Bedarf existieren inzwischen als Web-Versionen, die sich ohne Installation und häufig auch kostenlos nutzen lassen. Es gibt verschiedene Hersteller solcher webbasierten Applikationen, und Google verspricht, sich an alle Webstandards zu halten, sodass auch bestehende Angebote problemlos funktionieren sollen. Doch Google verfügt selbst über ein riesiges Portfolio in diesem Bereich und wird es Nutzern von Chrome OS verlockend leicht machen, diese auch zu nutzen. Denn Google lebt davon, dass möglichst viele Menschen möglichst lange das Web benutzen - und so Werbeeinnahmen für den Suchmaschinenriesen generieren.

Für Microsoft könnte dieser Schlag des großen Rivalen schmerzhaft sein. Die Windows-Betriebssysteme sind das Herzstück der Unternehmensumsätze, von ihrem Erfolg und ihrer Verbreitung hängt auch das Wohl der Office-Produktfamilie ab. Dass Firmen mit Tausenden von Windows-Arbeitsplätzen nun rudelweise zu Chrome OS umschwenken werden, ist wohl nur schwer vorstellbar. Bei kleinen Internetgeräten und Netbooks kann Chrome OS allerdings neue Impulse geben. Sollte Google sein Betriebssystem erwartungsgemäß kostenfrei abgeben, könnten Hardware-Hersteller die Windows-Lizenzgebühren einsparen und noch günstigere Geräte anbieten. Zusätzlich sind neue Gerätetypen, vielleicht besonders klein oder flach, vorstellbar, weil Chrome OS extrem geringe Hardwareanforderungen haben soll und die Rechenarbeit und die Datenspeicherung sowieso in der Datenwolke des Internet stattfinden.

Vorteile und Nachteile

Und der ganz normale Nutzer? Welche Vorteile könnte Chrome OS ihm bringen? Zum einen Sicherheit: Google verspricht, dass aufgrund der Architektur von Chrome OS Viren, Trojaner und andere Schadprogramme kein Problem mehr seien. Dass die Daten nicht auf dem Rechner, sondern auf einem Server im Netz abgespeichert werden, erspart Sicherheitskopien und lässt einen Verlust des Rechners nicht mehr so dramatisch erscheinen. Außerdem kann man seine Daten von jedem Internetzugang aus erreichen, zum Beispiel auch mit einem Mobiltelefon.

Aber auch einige Nachteile lassen sich bereits erkennen: Noch sind die Anwendungen im Web nicht so leistungsstark wie Programme, die direkt auf dem Rechner laufen. Der Zugang zum Internet, sei es über ein lokales Netzwerk, einen W-Lan-Hotspot oder UMTS, ist noch nicht allgegenwärtig. Zwar wird Chrome OS eine Technik eingebaut haben, die es ermöglicht, beispielsweise eine Online-Textverarbeitung auch dann weiterzunutzen, wenn die Internetverbindung abreißt. Doch das Grundkonzept von Chrome OS basiert nun einmal darauf, dass der Rechner online ist. Außerdem, und das ist der Wichtigste, müssen sich Firmen, aber auch Privatpersonen, darüber klar werden, welche ihrer Daten sie in einer diffusen Datenwolke irgendwo im Internet speichern wollen.

Von Ralf Sander
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Gruebler-66 (09.07.2009, 23:47 Uhr)
Aber eins ist doch wohl klar.....
... sobald es ein System gibt das einen annähernden Verbreitungsgrad wie Windows hat, das sich alle Hacker / Virenschreiber, usw. darauf genau so stürzen wie jetzt auf Windows.
Das verbreitetste System ist logischerweise das Interesanteste.
Und spätestens dann wird auch in dem anderen System jede noch so kleine Lücke gefunden werden.
Ich bin wirklich kein Windows Fan, aber die Versprechen von Google klingen in jeder Beziehung nach Traumland.
Hardware minimalste Anforderungen, "absolut sicheres BS", usw..
Und alle Anderen sind doof weil sie noch nicht auf die Alumfassende Lösung gekommen sind.
Wers glaubt...
Dialogus (09.07.2009, 11:12 Uhr)
@JosefG
Das Problem ist viel grundlegender, als dass man einfach mit ein paar schlauen Tools es lösen könnte. Denn die Tools sind auch nur so gut, wie es die Basis des OS hergibt. Und genau darum geht es. Windows hat eine sehr marode Basis, in der es nur Workarounds gibt, weil das Ganze historisch gewachsen ist. Paradigmenwechsel in der Architektur gab es nicht. Linux hingegen hat eine sehr intelligente Architektur und bietet damit eine gute Ausgangslage für ein solides OS. Hinzu kommt der Name Google. Ich denke, dass Google es fertig bringt, die von Ihnen beschriebenen Probleme in den Griff zu bekommen, so dass man USB, Bluetooth, etc. nutzen kann (was momentan auch geht, mit z.B. Ubuntu...). Als IT-Architekt und Entwickler schlage ich mich tagtäglich mit windows herum, aber auch mit anderen, wie Unix/Linux, Host...Windows ist mir Abstand das problematichste System. Wir haben sehr grosse Kunden und keiner nutzt Windows als Grundsystem für Kernanwendung, die das Business am Laufen halten, dann lieber Host oder Unix.
mabro49 (09.07.2009, 10:49 Uhr)
Betriebssystem
Man muß schon Google heißen, dann kann man Microsoft attackieren.
Ich selbst (mit einem Freund und Kollegen) habe vor über 15 Jahren ein BS entwickelt, das es in Geschwindigkeit und Komfort (besonders im Serverbereich) mit Windows aufnehmen konnte.
Doch ohne ziehenden Namen hat es an Interesse gemangelt.
War dann doch Interesse vorhanden, wollten die sogenannten "Angels" nur eines : ein Patent oder mindestens die Rechte am Produkt.
gmathol (09.07.2009, 10:16 Uhr)
@insLot
Sie irren wenn Sie glauben das Apple nur auf Apple Hardware laeuft, da gibt es mittlerweile offene System oder sogar Kochbuecher wie man Apple auf dem PC laufen lassen kann.
Ich lasse Mac OS in einer virtuellen Box unter Suse auf einem PC laufen. Mann kann auch DOS, OS/2, XP, Windows Server in dieser Virtuellen Box installieren und laufen lassen und das flott und ohne zu booten.
Als Entwickler brauche ich diverse Betriebssystem z. B. auch Sun/Solaris, AIX etc. auch hier hilft die Virtuelle Box von SUN.
JosefG (09.07.2009, 08:38 Uhr)
@Dialogus
War ja auch höchste Zeit, dass sich mal ein Linux-Troll meldet. Welchen Prozess können Sie denn unter Windows nicht beenden? Und warum nicht. Etwa noch nie was vom "Process Explorer " von Mark Rosinovich gehört. Da können Sie sogar sehen, welche DLLs von den einzelnen svhosts gestartet werden.
Und auf welche DLLs und Handles die einzelnen Prozesse zugreifen. Und noch viel, viel mehr.
Übrigens: ich fand UNIX auf einem PDP 11 gar nicht so schlecht. Auf einem modernen Desktop mit einem duzend unerkannter Peripheriegeräte allerdings eine reine Zumutung. Dieser Schrott kommt weder meinen Scanner noch meinen Laserdrucker zurecht. Von WLAN und Bluetooth erst gar nicht zu reden. Und da habe ich sogar noch eine USB Steckdosenleiste. Und ich würde auch noch gerne Daten zu meinem Handy schicken.
Nicht zu vergessen, ich brauche auch noch Programme zum Arbeiten. Den ganzen Tag mit einem "richtigen OS" rumspielen, ist wohl eher was für picklige 12-Jährige.
insLot (09.07.2009, 08:27 Uhr)
Das System von morgen
So wie ChromeOS, wird letztlich der Nachfolger von Windows 7 sein. Es geht alles Richtung Netz.
.
Wenn ChromeOS auf Linux basiert, kann das genau der richtige Schritt sein. Um dem System zu einem Durchbruch zu verhelfen.
.
War lange Überfällig. Apple ist eh nur ne Randnotiz, ein Betriebssystem, dass auf einzelne Rechner spezialisiert ist, ist in meinen Augen im besten Fall als Firmware zu sehen.
.
Der Markt kann dringend Bewegung vertragen. Und ein Finanzstarker Konzern wie Google hinter Linux ist genau das was noch gefehlt hat!
Dialogus (09.07.2009, 07:52 Uhr)
Meine Herren
wem es nicht passt, der muss es ja nicht benutzen. Mich würde ja mal interessieren, wie viele Schlaumeier hier den Internet Explorer 6 genutzt haben, der mehr durch seine Sicherheitslücken als durch Innovation gepunktet hat?! Oder doch eher Firefox, der ist ja sicherer...
Windows und OS, da muss ich gerade mal laut lachen. Ein OS, bei dem der User nicht die Oberhand hat, Prozesse zu beenden wenn er es für nötig hält, ist schonmal ein Schritt in die falsche Richtung. @you_me_2: Wenn man kein Englisch kann, soll man es lassen. Die Zukunftsform lautet: will be watching you...
you_me_2 (09.07.2009, 06:27 Uhr)
Big Google..
..will watching you.
Dagegen ist das, was MS immer nachgesagt wird, ein laues Mailüftchen.
Gruebler-66 (09.07.2009, 00:35 Uhr)
Nachdem...
... google schon in seinen Geschäftsbedingungen für den einfachen Mail Dienst angibt die Mails ihrer Kunden zu durchforsten soll ich ein komplettes BS von denen benutzen???
Wie blöd gehts denn noch?
Alle privaten und geschäftlichen Daten auf google Servern speichern?
Hallo???
Ok, es wird wahrscheinlich genug Aldi Surver geben die Big Brother goggle freiwillig ihre Kreditkarten Nummern, die Bilder ihrer Frau beim letzten FKK Urlaub und auch gleich noch die Daten der neuen ach so sicheren Krankenkarte schicken.
Sollen sie, aber denkt mal drüber nach, würdet ihr all das auch dem Kaufhaus um die Ecke auf nem USB Stick freiwillig vorbei bringen?
Ist dasselbe.
Und komm mir keiner mit Datenschutz, das Unternehmen sitzt in den USA und es gelten deren "Datenschutz" Bestimmungen.
Schöne Grüße ans "Heimatschutz Ministerium"...
Ich glaub manchmal nicht was die Leute für ein bisschen vermeintliche Bequemlichkeit aufgeben... :-(
PreachTheGospel (09.07.2009, 00:33 Uhr)
Mal ehrlich
Gemäß Google und anderen die Ihre Daten im Netz haben wollen und mit Browserapplikationen arbeiten wollen, sei mal gesagt:
Wenn das Netz gestört ist, dann ist nichts, aber auch gar nichts mehr mit arbeiten offline.
Und wo sind all die Leute die Immer MS als "böse" anprangern (meistens die EU) und Google ist überall drinnen, fehlt noch die Unterwäsche von Google (meine Idee!!!).
Die Rechner heute sind sehr leistungsstark und wir alle wissen, wenn die halbe Nachbarschaft am Wochenende am Browsen ist, wird das Netz manchmal ganz schön lahm, und da habe Ich echt keine Lust drauf.
Alles per Browser abwickeln ist einfach so langsam, es macht keinen Spaß.
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