Das neue MeeGo-Phone Nokia N9 im Überblick

23. Juni 2011, 00:05 Uhr

Das Nokia N9 ist das erste MeeGo-Smartphone des finnischen Handyherstellers und macht einen durchaus gelungenen ersten Eindruck.

Das Nokia N9 ist das erste MeeGo-Smartphone des finnischen Handyherstellers und macht einen durchaus gelungenen ersten Eindruck.

Das Unibody-Polykarbonat-Gehäuse fühlt sich etwas an wie Billigplastik, wenn man es berührt, jedoch geht es nahtlos in den 3,9-Zoll-OLED-Display mit ClearBlack-Technologie über. ClearBlack soll das Schwarz des Displays satter machen und Farben intensiver darstellen. Eine Nutzung im Freien wird durch die Quasi-Entspiegelung nicht mehr zur Herausforderung. Das Nokia-N9-Design-Team hat sich Mühe gegeben, die Displayqualität noch weiter zu verbessern als beim Xperia Arc.

Bis auf die Lautstärkeregelung und den Power-Button auf der rechten Seite, verzichtet Nokia beim N9 auf Tasten. Auch der Home-Button gehört der Vergangenheit an, stattdessen navigieren die Anwender mittels einer "Wischgeste" zurück auf den Startbildschirm.

Das N9 (das als 16-GB- und 64-GB-Modell erhältlich sein wird) hat leider keinen MicroSD-Kartenslot, bietet aber neben einem Kopfhörer- und einen Micro-USB-Anschluss, eine Öffnung für eine Micro-Sim-Karte. Dies lässt darauf schließen, dass Nokia Apples Vorhaben unterstützt, einen neuen Sim-Karten-Standard zu etablieren.

Das Smartphone bietet dem Anwender eine ungewöhnlich positionierte VGA-Kamera auf der unteren Vorderseite. Für alle, die in Zukunft Videotelefonate tätigen möchten, durchaus ein Vorteil. Die Rückseitenkamera hat eine Auflösung von 8 Megapixeln und ist mit einem Carl-Zeiss-Objektiv und einer f2.2-Blende ausgestattet. Doppel-LED sorgt für eine ausreichende Blitz-Leistung. Die Kamera ist wesentlich zentraler positioniert als bei anderen Smartphones, sodass man an eine Kompaktkamera erinnert wird. Auch die Qualität der Fotos steht einer Kompaktkamera in nichts nach - ein großer Pluspunkt! Aber leider bietet das N9 keine manuelle Taste für die Kamera und ein Verwackeln der Aufnahme ist verstärkt möglich. Auch der Fokus wird über das Touchscreen ausgewählt.

Der Einsatz von MeeGo 1.2 auf dem Nokia N9 ist begrüßenswert, nachdem sich Symbian nicht als besonders benutzerfreundlich erwiesen hat. Für ausreichend Leistung soll bei dem Smartphone ein ARM-Cortex-A8 OMAP3630-Prozessor mit 1 GHz sowie ein PowerVR-SGX530-Grafikchip und 1 GB RAM sorgen. Es ist mittlerweile üblich, Smartphones mit diesen hohen Leistungsmerkmalen auszustatten. Hoffentlich wird Nokia auch bei seinem aktuellsten Symbian-Anna-Update ähnliche Spezifikationen bereithalten.

Das N9 kann entweder über die Power-Taste oder durch zweimaliges Antippen und Entsperren des Displays eingeschaltet werden. Durch eine schwungvolle "Wischgeste" nach oben bekommt der Anwender seine am häufigsten genutzten Anwendungen, wie beispielsweise den Browser oder die Kamera, angezeigt.

Der zentrale Hauptbildschirm (einer von dreien) bietet dem Anwender eine Symbolliste der installierten Apps zum Durchscrollen an. Mit jedem Download aus dem Ovi Store wird diese Liste (und damit die Bildschirmanzeige) natürlich länger.

Nokia schweigt sich noch darüber aus, wie viele MeeGo-Apps zum Launch des N9 erhältlich sein werden. Es dürfte allerdings sehr einfach sein, Symbian-Versionen auf das Smartphone zu laden, nachdem beide Betriebssysteme auf dem Framework QT basieren. Am besten wäre es, wenn Entwickler lediglich eine Box anklicken müssten, um ihre Symbian-Apps auch für die neue Plattform anbieten zu können.

Mittels einer "Wischgeste" kommt der Anwender direkt von der App-Liste zu einer Multitasking-Oberfläche. Dem User werden dort entweder vier oder neun Kacheln (je nach Zoombereich) angezeigt, die die meistgenutzten Apps beinhalten. Zudem kann der User runterscrollen, um alle geöffneten Apps auf einen Blick zu sehen. Mit einem längeren Drücken auf den Touchscreen können einzelne oder alle Anwendungen geschlossen werden.

Durch eine "Wischgeste" innerhalb der App-Liste nach links, erhält der User auf einem weiteren Startbildschirm eine Liste mit Benachrichtigungen über entgangene Anrufe und SMS sowie Facebook- und Twitter-Updates. Diese Funktion hat bei dem getesteten Prototyp leider nicht funktioniert. Es stellt sich die Frage, ob Nokia es schafft, ein intuitives System bereitzustellen oder ob der Anwender mit einem Durcheinander an Twitter-Updates samt SMS überfordert wird.

Durch die Programmierschnittstelle WebKit2 soll ein schnellerer und stabilerer Browser für das Smartphone garantiert werden.

Leider hat das getestete Nokia N9 die Webseiten bei einer HSDPA-Verbindung nur sehr langsam geladen und auch die "TextFlow"-Funktion, mit der sich die Schrift der Fenstergröße anpasst, konnte nicht genutzt werden.

Flash-Videos konnten auf dem N9 ebenfalls nicht wiedergegeben werden, auch dies könnte am Prototypen gelegen haben.

Das N9 bietet zum Glück eine vollwertige QWERTZ-Tastatur und keine T9-Tastatur, wie das beim Nokia N8 der Fall ist.

Dennoch ist das Keyboard verglichen mit der Konkurrenz nicht hundertprozentig zufriedenstellend, da Wortvorschläge nicht automatisch hinzugefügt werden, was den Schreibfluss durchaus stört.

Der PowerVR-SGX530-Grafikchip des Nokia N9 konnte durchaus überzeugen. Videos wurden in sehr guter Qualität auf dem ClearBlack-Display wiedergegeben. Auf einen HDMI-Port hat Nokia beim N9 verzichtet, in Sachen HD-Videos sollte man sich vom N9 daher nicht zu viel erwarten.

Auch Nokia Maps funktioniert auf dem MeeGo-Phone sehr zügig (abgesehen von ein paar kleinen Verzögerungen). Die 3D-Gebäude werden ohne Probleme angezeigt und auch die Geschwindigkeit der Navigation stellt mehr als zufrieden.

Das N9 ist auch für Spielliebhaber ein geeignetes Gerät. "Angry Birds" konnte einwandfrei auf dem Smartphone gespielt werden.

Mittels des NFC-Chip (Nahfeldkommunikation) in Verbindung mit Bluetooth werden lästige Prozeduren verkürzt. So reicht es beim Rundstrahl-Lautsprecher Nokia Play 360 zum Beispiel aus, das Smartphone kurz an den Lautsprecher zu halten, um umgehend eine Verbindung via Bluetooth herzustellen.

Ein unglaublich einfaches System das begeistert und zeigt, dass Nokia immer noch in der Lage ist Innovationen hervorzubringen. Sollten die Lautsprecher kostengünstig angeboten werden, könnten sie zu einem echten Verkaufsschlager werden.

Alles in allem ist es beim Nokia N9 recht schwierig, ein Fazit zu ziehen. Dass das N9 als erstes Smartphone von Nokia das Betriebssystem MeeGo verwendet, wird von Nokia bisher nicht an die große Glocke gehängt. Anscheinend sollen die Anwender nicht durch eine Vielzahl von verschiedenen, mobilen Betriebssystemen verwirrt werden.

Die drei Startbildschirme des N9 sind jedenfalls einmal etwas Anderes und durchaus innovativ - wenn sie auch recht einfach aufgebaut sind.

Das Design des N9 ist durchaus gelungen, auch wenn das Gehäuse einen Billigplastik-Eindruck hinterlässt. Das Smartphone liegt jedoch gut in der Hand und der Bildschirm bietet ein klares Bild und ist auch in seiner Größe richtig bemessen.

Beunruhigend ist jedoch, wie es beim Nokia N9 in Zukunft mit dem OS-Support ausschauen wird. Denn es werden wohl nicht viele Smartphones mit dem mobilen Betriebssystem MeeGo auf den Markt kommen. Bekanntlich wurde das Nokia N900, das Linux Maemo 5 vorinstalliert hatte, von Nokia nur stiefmütterlich behandelt. Obwohl MeeGo definitiv ein besseres OS als Symbian ist, könnte N9-Besitzer das gleiche Schicksal teilen.

Laut Nokia wird das N9 "später dieses Jahr" auf den Markt kommen. Der genaue Starttermin für Deutschland ist noch nicht bekannt. Ebenfalls gibt es noch keine Informationen zum Preis des N9. Sollte das MeeGo-Phone relativ günstig erhältlich sein, hätte es das Potenzial, ein beliebtes Smartphone zu werden. Dem Betriebssystem MeeGo wäre ein Erfolg auf jeden Fall zu wünschen, nachdem es sich wirklich um ein gutes OS handelt.

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