Wieder rufe ich beim Support an, habe wieder einen neuen Mitarbeiter dran und erzähle mein Tralala-Lied vom "Ich packe meinen Koffer". Der neue Kollege guckt, sieht "Datenrückspiegelung läuft" und sagt mir, das kann noch ein paar Stunden dauern. Immer noch? Wie lange wollen die denn noch ein paar kümmerliche Gigabyte zurückspielen? Ich beginne fast hysterisch zu werden, jammere um meine verlorene Existenz, drohe mit Anwälten, meiner Frau und bösem Karma und verlange nach dem Vorgesetzten. Den kriege ich dann überraschenderweise auch, wiederhole meine Rede der Marke "Ich packe meinen Koffer" und bettele um Hilfe. Mir wird zugesichert, dass jetzt im anscheinend viel zu weit entfernten Rechenzentrum angerufen wird.
Eine Stunde später kriege ich tatsächlich einen Rückruf. Die gute Nachricht: Mein Server müsste in kurzer Zeit wieder erreichbar sind. Die schlechte Nachricht: Alle Daten sind futsch. Die extra bezahlte RAID1-Sicherung auf eine separate Festplatte: Nur noch Datenmüll. Die normalen Backups des Rechenzentrums: Voller Datengrütze. Kein verwertbares Byte mehr dabei. Eine Entschuldigung für die völlig vergeigte Datensicherung bekomme ich nicht. Ein Mitarbeiter erklärt mir fröhlich: "Das ist so selten, dass in dieser Kombination alles schief geht, dass es wahrscheinlicher ist, einen Sechser im Lotto zu bekommen." Super.
Normalerweise ist das ja kein Problem. Wir waren aber selbst auch schusselig. Ich hatte nur einen vollständigen Server-Backup vom Mai 07, dazu mehrere Teil-Backups vom Oktober und vom Januar, die dank meiner maroden DSL-Internet-Anbindung aber nicht vollständig waren. Meine Buchhalterin Jeanine nutzte genau diesen Moment meiner inneren Ohnmacht, um mir einen vom Pferd erzählen zu wollen. Nämlich vom Voltigier-Verein ihrer Tochter. Kein guter Zeitpunkt. "Bitte - jetzt - nicht", wimmelte ich sie mit lautlos gehauchten Worten ab, um mich ganz auf die entsetzliche Leere in meinem Bauch konzentrieren zu können. Würden die Daten wirklich weg sein, dann würde es Monate kosten, sie zu restaurieren. Zumal Denny gleich meinte: "Ab Montag bin ich mit einem anderen Großprojekt beschäftigt." Au weia. Er hatte gerade erst im Dezember viel Energie in die Seiten gesteckt, um neue Ideen zu realisieren.
Ich rief erneut beim Support an, erzählte wieder meinen Koffer-Monolog, wurde zum Vorgestellten durchgestellt und bettelte. Wenn es irgendwo auf dieser Welt noch einen Backup meiner Daten geben sollte, dann MÜSSE er mir helfen, ihn zu finden und zu restaurieren. Der Mann versprach zu tun, was er könne.
Abends hatte ich dann tatsächlich die Meldung auf dem AB: "Backup gefunden, wird gerade zurückgespielt, abends müssten die Seiten wieder online sein."
Am Freitag sind die Homepages tatsächlich wieder da. Und auch noch auf dem neuesten Stand. Denny zieht aus der Stadt heraus mit einer schnellen DSL-Verbindung rasch ein Backup, ich stelle die neuesten Texte online und informiere die Kunden. Alles wird gut.
Am Ende bleibt die Erkenntnis meiner Frau: "Egal, wie schlimm es kommt, am Ende hast du immer Schwein." Ich persönlich muss sagen, dass ich es ein Unding finde, dass der Provider so viele Tage braucht, um eine Festplatte auszutauschen und einen Backup zurückzuspielen. Und ich muss mich selbst am Ohr ziehen, dass ich nicht viel intensiver an meine eigene Datensicherung gedacht habe. Puhh. Das Wochenende, das jetzt kommt, habe ich zur Erholung aber echt nötig.
Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania