Das fehlende Spendensiegel mag da gar nicht mehr stören. Der Geschäftsführer der Institution, die diese Gütemarke vergibt, Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin, kritisiert: "Der perfekte Markt existiert in der Ökonomie nicht" und lasse sich folglich auch nicht auf einen "perfekten" Spendenmarkt übertragen. "Zu glauben, die Summe der Spendermeinungen sei schlauer als das bestehende Prüfsiegel, schießt klar über das Ziel hinaus", sagt Wilke. Aber selbst dieser Kritiker sieht "den neuen Ansatz positiv", weil jüngere Menschen, die eben mehr im Internet unterwegs sind, zum Spenden animiert werden.
Die Macher von Betterplace verstehen sich nicht als opferwillige Idealisten im traditionellen Sinne, als Menschen, die etwas Gutes tun wollen, sondern als soziale Unternehmer oder "Social Entrepreneurs", wie das neudeutsch heißt. Die gute Tat wird wie ein Geschäft betrieben, hoch effizient, online, mit kleinem Wasserkopf. Betterplace-Mitgründer Till Behnke, 30, hat mehrere Jahre als Projektmanager für Daimler Financial Services gearbeitet. Er kann rechnen und einen Business-Plan aufsetzen. Sein soziales Herz hat er als Student in Südafrika entdeckt, als er die Armut in den Townships rund um Kapstadt kennen lernte. Zusammen mit anderen Studenten baute Behnke einer armen Familie ein Häuschen.
Die laufenden Kosten der Stiftung werden nicht aus Spenden getragen. Die gemeinnützige Stiftungs-GmbH Betterplace wird von einer normalen GmbH getragen. Firmen wie Daimler Financial Services oder Scout 24 organisieren gegen eine Gebühr auf der Website betterplace.org eigene, soziale Projekte (das firmiert heute unter "Corporate Social Responsibility"). Und wohlhabende Privatleute wie der ehemalige Ebay-Deutschland-Manager Jörg Rheinboldt oder Investoren wie die Risikokapital-Gesellschaft des SAP-Mitgründers Hasso Plattner haben die Stiftung mit direkten Spenden angeschoben. Andere Unternehmen schießen ebenso Geld bei und werben dafür auf der Plattform mit ihrer guten Tat.
Das Konzept von Betterplace, das auf Vorbilder aus den USA zurückgreift, hat auch in Deutschland einige Nachahmer gefunden. Auch andere Konzepte dienen dem guten Zweck: Bei Elargio können Nutzer eigene Spendenaktionen anmelden, etwa einen Marathonlauf mit Spendensammeln kombinieren. Und bei Netzwirken können Nutzer abstimmen, welches Projekt die meisten Spenden erhalten soll. Selbst Internet-Shops, die versichern, bei Einkäufen über ihre Seite einen Teil der Verkaufsprovision zu spenden, sind entstanden.
Es bleibt nur zu hoffen, dass die Selbstkontrolle im Web wirklich so stark ist, dass sich unter die Spendensammler im Netz nicht doch noch unbemerkt Abzocker mogeln.