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So trickst Amazon bei den Preisen

Amazon ist immer am billigsten? Stimmt nicht. Nur mit Tricks verschafft sich der Konzern den Ruf als Schnäppchenparadies. Wir sagen, wie Sie wirklich den günstigsten Amazon-Preis herausbekommen.

Von Christoph Fröhlich

  Amazon ist bei einigen Highlights meist der billigste Anbieter - beim Großteil des Sortiments gibt es aber günstigere Alternativen

Amazon ist bei einigen Highlights meist der billigste Anbieter - beim Großteil des Sortiments gibt es aber günstigere Alternativen

Die Lieferung kommt schnell und vom Kühlschrank bis zum Kindersitz ist alles im Angebot: Amazon ist für viele Deutsche die erste Anlaufstelle, wenn es ums Shoppen im Internet geht. Neben dem bequemen Bestellsystem sind es auch die vermeintlich günstigen Preise, die Amazon einen guten Ruf bescheren. Doch ist der Shopping-Riese wirklich so billig, wie immer angenommen wird? Eine Studie des Startups Boomerang beweist das Gegenteil und zeigt, dass die Preise durchschnittlich eher im oberen Bereich angesiedelt sind. Durch geschickte Tricks wird das hohe Niveau aber verschleiert.

Dem Technologieportal "Re:Code" zufolge nutzt Amazon ein ausgeklügeltes System, um wie ein Billiganbieter zu wirken, aber trotzdem saftige Gewinne zu kassieren. So analysiert der Konzern fortwährend, welche Produkte derzeit besonders beliebt sind - und sortiert diese am unteren Ende der allgemeinen Preisskala in das eigene Warensystem ein. Weniger populäre Produkte seien hingegen meist teurer als die Konkurrenz, schreibt das Magazin.

Mit wenigen günstigen, dafür umso begehrteren Produkten verschafft sich Amazon einen Ruf als Schnäppchenparadies.

Beliebte Produkte sind billiger

Ihre These belegen die Verfasser der Studie mit einigen Beispielen: So hat ein Samsung-Fernseher - eines der meistverkauften Modelle bei Amazon überhaupt - beinahe sechs Monate lang 350 Dollar gekostet. Zum Black Friday, dem Auftakt der Weihnachtssaison, an dem besonders viele Amerikaner ihre Geschenke kaufen, wurde der Preis auf 250 Dollar gesenkt - und viele Konkurrenten unterboten. Der Grund dafür: Amazon wusste, dass viele Menschen das TV-Modell kaufen werden und senkte den Preis, um den Käufern das Gefühl zu geben, bei Amazon ein Schnäppchen gemacht zu haben. Aber wo ist da jetzt der Trick?

Der Preis für HDMI-Kabel, die häufig zusammen mit einem neuen Fernseher gekauft werden, wurde im gleichen Atemzug um 33 Prozent angehoben. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens sind die Kabel nicht unter den beliebtesten Produkten gelistet, sodass die Preissteigerung den meisten Kunden nicht auffällt. Zweitens weiß Amazon, dass nur die wenigsten Kunden bei günstigen Produkten einen Preisvergleich durchführen - und viele Kunden so die teureren Kabel kaufen. Auch bei weiterem Zubehör funktioniert dieser Trick.

Zehn Milliarden Preisänderungen

Die Autoren der Studie nennen noch ein weiteres Beispiel: Einer der beliebtesten Router in den USA war bei Amazon 20 Prozent günstiger als bei der populären Handelskette Walmart. Ein weniger beliebtes Modell, bei dem die meisten Kunden den Preis nicht im Kopf haben, war wiederum satte 30 Prozent teurer.

"Amazon führt allein in der Weihnachtszeit rund zehn Milliarden Preisänderungen durch", sagt Boomerang-CEO Guru Hariharan. Er muss es wissen, denn er war früher selbst bei Amazon tätig. "Andere Händler wiederum passen ihre Preise nur alle drei Monate an." Andere Untersuchungen zeigen, dass Amazon bei bis zu 20 Prozent seiner Produkte täglich den Preis ändert.

So fallen Sie nicht auf Amazons Tricks rein

Verbraucherschützer raten deshalb, stets die Preise zu vergleichen. Vor einem teuren Einkauf lohnt es sich zudem, die Seite "de.camelcamelcamel.com" aufzurufen, die sämtliche Preise von Amazon überwacht. Man kann sich einen E-Mail- und Twitter-Alarm erstellen, der über Preissenkungen informiert, Preisverlaufsdiagramme der letzten 18 Monate untersuchen oder sich den Camelizer installieren, eine Browser-Erweiterung für Mozillas Firefox und Googles Chrome.

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