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19. Januar 2012, 08:27 Uhr

US-Justiz schließt Online-Speicherdienst Megaupload

US-Behörden haben die Datentausch-Plattform Megaupload dicht gemacht. Unter den festgenommenen Betreibern sind auch drei Deutsche - darunter ein guter, alter Bekannter.

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Schillernde Figur des Interntet-Zeitalters: Der Deutsche Kim Schmitz wurde jetzt in Neuseeland festgenommen, seine Online-Plattform Megaupload von der US-Justiz dicht gemacht© Reuters

Im Kampf gegen die Internetpiraterie haben die US-Behörden einen der weltgrößten Online-Speicherdienste dichtgemacht und den deutschen Internetunternehmer Kim Schmitz festnehmen lassen. Schmitz habe sich mit dem Portal Megaupload.com der organisierten Kriminalität schuldig gemacht, erklärte das US-Justizministerium am Donnerstag. Die Hackergruppe Anonymous reagierte mit einem Angriff auf die Internetseite des Ministeriums.

Die US-Justiz sprach von einem der größten Urheberrechtsfälle, die in den USA je zur Anklage gebracht worden seien. Die Verdächtigen sollen im Netz Umschlagplätze für Raubkopien betrieben haben, durch die ein Schaden von über einer halben Milliarde Dollar entstanden sei. An den Ermittlungen seien auch das Bundeskriminalamt und die deutschen Justizbehörden beteiligt gewesen.

Richter in Neuseeland verweigert Freilassung

Insgesamt klagte die US-Justiz sieben Männer an. Schmitz sei mit zwei anderen Deutschen und einem Niederländer in Neuseeland verhaftet worden, hieß es. Am Freitag erschien das Quartett vor dem North Shore District-Gericht. Der Richter lehnte dort die Freilassung gegen Kaution ab. Die vier sollen Montag erneut vor Gericht erscheinen. Die USA haben die Auslieferung der Männer beantragt. Die neuseeländische Justiz selbst hat keine Anklage erhoben.

Unter den drei Flüchtigen sei ein weiterer Deutscher. Die Gruppe trage über Megaupload.com und ähnliche Seiten die Verantwortung "für massive weltweite Internetpiraterie von verschiedensten urheberrechtlich geschützten Werken". Mit illegalen Angeboten sollen sie mehr als 175 Millionen Dollar eingenommen haben.

Kim Schmitz - vom Hacker zum Internet-Millionär

Internetnutzer konnten auf Megaupload Dateien kostenlos hoch- und herunterladen. Die Anklage wirft den Betreibern vor, die Seite ausdrücklich als Tauschbörse für urheberrechtlich geschützte Inhalte wie Musikstücke oder Filme eingerichtet zu haben. Megaupload sei nach eigener Darstellung rund 50 Millionen Mal täglich aufgerufen worden und habe mehr als 150 Millionen registrierte Benutzer gezählt, erklärte das Justizministerium in Washington.

Der frühere Computer-Hacker Schmitz, der sich auch Kim Dotcom und Kim Tim Jim Vestor nennt, war in den 90er Jahren eine schillernde Figur der New Economy und machte mit ausschweifenden Partys von sich reden. Nach dem Platzen der Internetblase wurde er 2002 vom Amtsgericht München wegen Insiderhandels mit Aktien zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Zuletzt war der 37-Jährige laut US-Justiz in Neuseeland und in Hongkong gemeldet.

Schmitz und den Mitangeklagten drohen in den USA nun langjährige Haftstrafen. Alleine auf den Vorwurf der Verschwörung zu organisierter Kriminalität stehen bis zu 20 Jahre Gefängnis. Außerdem werden den Männern Geldwäsche und Verstöße gegen das Urheberrecht zur Last gelegt.

Anonymous attackiert Website des US-Justizministeriums

Die Hacker-Gruppe Anonymous erklärte über den Online-Kurznachrichtendienst Twitter, aus Rache für das Vorgehen gegen die Megaupload-Betreiber die Internetauftritte des US-Justizministeriums, des Musikkonzerns Universal sowie des Verbandes der US-Musikindustrie lahmgelegt zu haben. Die Seiten waren Donnerstagabend (US-Ortszeit) nicht abrufbar. Die Hackergruppe hatte in der Vergangenheit immer wieder ähnliche Protestaktionen gestartet.

Der Konflikt zwischen der Freiheit im Internet und dem Schutz von geistigem Eigentum ist eine der zentralen Fragen des Online-Zeitalters. Im US-Kongress stehen derzeit zwei von der Film- und Musikindustrie unterstützte Gesetze zur Abstimmung, die den Behörden bei Verdacht auf Urheberrechtsverletzungen die Sperrung ausländischer Webseiten ermöglichen sollen. Kritiker warnen vor einer Zensur im Netz. Aus Protest hatten das Online-Lexikon Wikipedia und viele andere Websites am Mittwoch ihr Angebot vorübergehend abgeschaltet.

kng/AFP/DPA/Reuters
 
 
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