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30. Januar 2009, 12:26 Uhr

"Wir haben die Wahlbeteiligung gesteigert"

Mehr als 1,5 Millionen verfolgten die Amtseinführung von Barack Obama über das soziale Netzwerk Facebook. Im stern.de-Interview erklärt die zuständige Managerin Randi Zuckerberg, wie Facebook Politik beeinflussen kann und weshalb das Weltwirtschaftsforum in Davos von dem Webangebot profitiert.

Zuckerberg, Facebook, Politik

Randi Zuckerberg ist die Schwester des Facebook-Gründers - und seine Angestellte© Facebook

Angela Merkel, Cem Özdemir, Frank-Walter Steinmeier und Guido Westerwelle haben etwas gemeinsam - sie alle sind mit einem eigenen Profil bei Facebook vertreten. Das weltweit größte soziale Netzwerk will zunehmend auch das politische Engagement seiner über 150 Millionen Mitglieder fördern. stern-Redakteur Dirk Liedtke sprach mit der zuständigen Facebook-Managerin Randi Zuckerberg. Die 26-Jährige ist die Schwester des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg.

Frau Zuckerberg, wie hat Facebook die Amtseinführung von US-Präsident Obama begleitet?

Wer die Übertragung auf der CNN-Website verfolgte, konnte sich mit seinen Facebook-Daten einloggen und so die Kommentare seiner Facebook-Freunde und aller anderen Facebook-Mitglieder live verfolgen, die auch online waren. Gleichzeitig waren 1,5 Millionen Facebook-Mitglieder bei CNN angemeldet und haben über zwei Milionen Statusmeldungen abgesetzt, die Hälfte kam übrigens aus der ganzen Welt, der Rest aus den USA.

Wird es so etwas auch in Wahlkämpfen in Deutschland geben?

Ich hoffe, dass wir das auch bei Wahlkampfdebatten in Deutschland oder Europa haben werden. Wir reden mit vielen Medien, haben aber noch nichts unterschrieben.

Kann Facebook wirklich Wahlen beeinflussen?

Bei den Vorwahlen in den USA konnten wir in Iowa die Wahlbeteiligung der 18- bis 34-jährigen Bevölkerung um 2500 Prozent steigern. Wir hatten vorher in unserem Nachrichtenticker zum Wählen aufgerufen. Das war mein Aha-Moment, in dem ich verstand, wie wichtig soziale Medien für Wahlen sein können.

Wie kann Facebook unparteiisch bleiben? Immerhin gibt es auch Facebook-Seiten von undemokratischen Staatsmännern wie dem chinesischen Premierminister Wen Jia-bao.

Wir werden niemals einen bestimmten Kandidaten unterstützen. Facebook ist eine Plattform, die wir kostenlos bereitstellen. Wir arbeiten mit jedem zugelassenen Kandidaten zusammen und zeigen, wie Facebook funktioniert. Dann sind die Wahlkämpfer aber selbst für ihre Seite verantwortlich.

Und wie steht es um extremistische Parteien?

Unsere Nutzerbedingungen sind in Sachen Volksverhetzung eindeutig. Aber wir würden uns im Zweifelsfall eher gegen Zensur und für die freie Meinungsäußerung entscheiden. Da Menschen auf Facebook mit ihrer wahren Identität mit Namen und Foto registriert sind, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass sie Hass verbreiten.

Was ist mit Nicht-Regierungs-Organisationen?

Tausende gemeinnütziger Organisationen sind auf Facebook vertreten. Ein Beispiel, das mir besonders gefällt: Das erste Gesetz, das saudischen Frauen einen Führerschein erlaubte, geht auf eine Petition bei Facebook zurück.

Zuckerberg, Facebook, Politik

Abstimmungen wie diese werden auf Facebook während des Weltwirtschaftsforums durchgeführt© Facebook

Warum fahren Sie in diesem Jahr zum Weltwirtschaftsforum nach Davos?

Bei ausgewählten Diskussionen laufen parallel bei Facebook Echtzeit-Umfragen zu den Themen, die auch Politiker und Manager in Davos diskutieren. Der Moderator kann eine Frage an Facebook-Nutzer richten, und es dauert nur drei bis fünf Minuten, bis Tausende Menschen ihre Meinung abgegeben haben. Die Ergebnisse sind auf Monitoren für alle Konferenzteilnehmer sichtbar.

Wie viele Facebook-"Freunde" haben Sie eigentlich?

Das dürften über Tausend sein, allerdings mit deutlich unterschiedlichen Datenschutz-Einstellungen. Meine Familie bekommt so mehr von mir mit als ein Journalist, den ich bei einem Interview kennenlerne.

Interview: Dirk Liedtke
 
 
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