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15. Oktober 2009, 21:30 Uhr

Ein Blick in Googles Wundertüte

Wie wird künftig kommuniziert? Google glaubt, die Lösung gefunden zu haben. Mit Wave soll alles einfacher werden. stern.de surft auf der ersten Welle und hat sich die Preview angeschaut. Von Gerd Blank

Google, Google Wave, Social Web, Web 2.0, Kommunikation

Derzeit lässt sich der neue Google-Dienst Wave nur auf Einladung nutzen© Google

"Hast du schon eine Einladung?" Kaum etwas adelt ein Mitglied der digitalen Bohème derzeit mehr, als von Google zum neuesten Dienst Wave eingeladen zu werden. Wer schon einen der limitierten Zugänge hat, wird von Kollegen, Freunden und sogar Fremden angebettelt: "Bitte, lade mich doch auch ein!" Denn Google lässt jedes neue Mitglied acht weitere Menschen anwerben. Mit diesem Schneeballsystem wächst die Gemeinschaft schnell an, aus dem exklusiven Kreis entsteht so eine große Gemeinschaft.

Das hat auch schon bei Google Mail funktioniert. Auch bei diesem Freemail-Service wurden zunächste einige wenige Nutzer eingeladen, die aber wiederum weitere Personen von den Vorteilen überzeugen konnten. Das Prinzip dahinter ist klar: Wenn mir ein Service von einem Freund empfohlen wird, muss er gut sein. Ein Test der Stiftung Warentest zeigt aber, dass eine gute Bewertung nicht nur ein Freundschaftsdienst ist: Google Mail schnitt als bester kostenloser E-Mail-Dienst ab.

Hype oder Massenphänomen?

Wie aus einem Hype für wenige Nutzer ein Massenphänomen wird, weiß Google also. Doch was kann Wave? Ist es so gut, wie einige vermuten, oder macht Google lediglich die Welle? Der erste Blick ist auf jeden Fall erst einmal sehr unspektakulär, wie immer, wenn man einen Google-Dienst das erste Mal öffnet. Das Browserfenster wird zu einer Art Kommandozentrale, die sehr stark an die Oberfläche eines Freemail-Anbieters erinnert. Oben links gibt es auch eine Inbox für eingegangene Nachrichten. Doch damit hört die Gemeinsamkeit auch schon auf. In einem Video erläutert ein Google-Mitarbeiter, was man mit Wave machen kann.

Wave ist keine weitere E-Mail-Option, auch wenn viele Ideen der Kommunikation per Mail in das neue Konzept einfließen. Der Unterschied zwischen Mail und Wave lässt sich relativ einfach erklären: Will man per E-Mail mehrere Personen erreichen, schickt man mehrere E-Mails. Bei Wave gibt es nur eine Nachricht, die von allen Empfängern gleichzeitig genutzt werden kann. Ja, genutzt, denn sie wird nicht nur gelesen, sondern lässt sich, wie wir es aus der normalen Kommunikation kennen, weiterspinnen. Jede neue Kommunikation wird als neue "Wave" gestartet. Wie in einem Chat können alle Teilnehmer ihre Gedanken einstreuen, es entsteht ein echtes Gespräch. Mehr noch: War man mal kurz nicht am Bildschirm und hat einen Teil der Unterhaltung verpasst, lässt sich per Playback jede neue Mitteilung mit Zeitstempel auch später verfolgen. Auch Bilder lassen sich in die Gespräche einfügen, oder - falls man kurz abschalten will - Spielchen wie Sudoku spielen.

Bei anderen Diensten abgeschaut

Die Wave-Entwickler haben sich viele Social-Community-Dienste genau angeschaut. So findet man Elemente aus Facebook und Twitter sowie aus Kommunikationstools wie Chat und natürlich E-Mail. Doch statt alle Kommunikationsmöglichkeiten nebeneinander anzubieten, vermengt Google Wave alles. Es kommt so nicht mehr darauf an, über welchen Kanal die Nutzer miteinander sprechen. Es geht nur noch um das Thema und nicht mehr um die Form. Die benutzten Gesprächswellen lassen sich jederzeit wieder aufrufen und weiterführen. Gesprächsteilnehmer werden einfach mit der Maus per Drag and Drop aus der Kontaktliste hinzugefügt - oder wieder aus dem Gespräch entfernt.

Mit Google Wave lassen sich Partys organisieren und Abstimmungstools einbauen. Natürlich können Landkarten eingebaut werden, schließlich gibt es ja Google Maps. Sogar Videotelefonie ist mit Wave möglich. Und hat man Freunde aus Frankreich, braucht man nicht einmal französisch zu lernen: Google Wave übersetzt den Text während der Eingabe. Wave lässt sich auch auf Webseiten und Blogs einbinden, was die Kommunikation der Leser untereinander vereinfacht.

Nur der Anfang

Doch das ist nur der Anfang, Google wirbt darum, dass Entwickler für die offene Plattform weitere Tools entwickeln. So wird sicher künftig E-Mail integriert und eine Anbindung zu anderen Kommunikationsdiensten geschaffen. So testet Google in den USA gerade einen eigenen Telefondienst, der zu Google Wave passt. So könnten, bei einer vernünftigen Spracherkennung, Personen per Telefon an einer Welle teilnehmen. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Ganz klar, bei Google Wave handelt es sich derzeit nur um eine Preview, nicht alles funktioniert so, wie es später einmal soll. Und da nur ein begrenzter Personenkreis zu diesem ersten Blick eingeladen wurde, finden hauptsächlich Selbstgespräche statt. Doch es wird auch deutlich, dass die großen Innovationen nicht bei Apple oder Microsoft entstehen, sondern bei Google. Google hat das Suchen vereinfacht, Betriebssystem und Browser veröffentlicht und mischt auch erfolgreich im Handymarkt mit. Nun gibt das Unternehmen mit Wave möglicherweise die Antwort auf die Frage, wie wir in der immer komplizierten Welt miteinander reden. Google, die Einheitssprache, die jeder versteht.

Von Gerd Blank
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Hans-aus-Brasil (16.10.2009, 21:05 Uhr)
mArQz
Stimme Dir zu, wie sich hier manche verbissen reinsteigern. Als hätte Google ihnen persönlich etwas angetan. Alles nur negativ sehen. Muss man doch nicht benutzen und aus. Ist ja noch nicht mal auf dem Markt für jederman.
mArQz (16.10.2009, 12:58 Uhr)
Ich wieder :-)
So wie ich diesen Beitrag verstanden habe, wird es möglich sein, aus verschiedenen Quellen (telefonisch, Email, SMS) einen Chat zusammen zu bauen. Das halte ich schon für innovativ.
Die Option der Massenmail hat den großen Nachteil, dass an jeden einzelnen "Chatter" eine Mail verschickt werden muss. Die Inbox ist dann voll von Mails obwohl man ja nur die letzte braucht. Klar ist das jetzt nicht so überragend wie Stern das hier darstellt, aber ich finde es dennoch sehr praktisch.

Dass du schon viele Jahre vor mir einen PC besessen hast, sagt doch nichts über deine derzeitige Einstellung zu Innovationen aus. Ich kann mir gut vorstellen, dass du am liebsten alles so lassen würdest, wie es gerade ist. Somit würden wir 2 verschiedene Ansichten besitzen. Ein wirkliches Problem damit habe ich jedoch nicht :-)

confused (16.10.2009, 12:25 Uhr)
@mArQz
Doch Google spioniert aus, deswegen wie du schon sagst man MUSS es ja nicht nutzen, man sollte es nicht nutzen, (ich nutze Google höchstens als Suchmaschine wenn überhaupt da ich andere Vorziehe). Und was du meinst wegen Party spontan organisieren , das geht auch via Email als Massenmail, oder via Chat (die gibt es schon ewig, das ist alles nichts Innovatives neues was Google bietet). Wg. Alter etwa doppelt so alt wie du ;-) und meinen ersten PC hatte ich da warst du noch nicht mal geboren ;-)
mArQz (16.10.2009, 11:57 Uhr)
Falls Deutschlehrer unter uns sind!
2. Kenne ich kein vergleichbares Programm, welches diese Eigenschaften benutzerfreundlich zusammengefasst hat.
mArQz (16.10.2009, 11:55 Uhr)
Wie seid ihr denn drauf?
Ich versteh gerade nicht wirklich die Kritik mancher, die diese Innovation mit Big Brother verbinden.

1. Es zwingt euch doch keiner dieses Programm zu nutzen. Bestes Beispiel sind diese Payback Punkte Sammler. Ich halte auch sehr wenig davon und deswegen sammel ich diese auch nicht. Manch einem ist es egal, als gläsernder Kunde dazustehen. Er spart lieber die Mark-Fufzig.

2. Kenne ich kein vergleichbares Programm, wo diese Eigenschaften benutzerfreundlich zusammengefasst wurden. Bestes Beispiel ist die Organisation einer kleinen spontanen Party. Wie viele SMS oder einzelne Telefonate dafür drauf gehen, sollte jeder selber wissen. Wenn denn nun die Möglichkeit besteht einen "Chat" aus verschiedenen Quellen zusammenzufassen, finde ich das schon genial.

Und zum Schluss würde ich euch gerne fragen, in welchem Alter ihr seid? Ich bin 24 Jahre jung/alt und ich bin immer offen für neue Innovationen im Bereich der IT. Klar, brauche ich auch keinen automatischen Übersetzer, jedoch kann man doch nicht voraussetzen, dass jeder die gleiche Bildung besitzt wie man selbst.
confused (16.10.2009, 11:10 Uhr)
GROSSE INNOVATIONEN ??
Über das Internet telefonieren konnte man schon via MS Messenger zu zeiten wo es gerade mal Win 95 gab, genauso Chatten, und Emails versenden. Irgendwelche Partys oder sonstwas auf seiner Seite veröffentlichen kann man auch schon lange, nicht erst seit Google, wo jeder Zugriff drauf hatte der in der Freundesliste war, und nebenher ich will nicht das irgendetwas von irgendeiner Maschine übersetzt wird wenn ich mit jemandem irgendwo schreibe das braucht kein Mensch, genausowenig wie das jeder auf der Landkarte automatisch sieht wo ich bin. Sorry lieber Redakteur und Schreiberling, hört mal auf Google in den Himmel heben, denn es gibt schon immer gute Suchmaschinen die nur leider von Google ausgebootet wurden, und auch die Browser der Konkurrenz sind besser da den ganzen Mist den Google integriert KEINER BRAUCHT ausser die die sich ausspionieren lassen wollen. Google ist Big Brother und wer es nutzt egal welchen Dienst von Google lässt Big Brother zu.
ice-t (16.10.2009, 11:09 Uhr)
Was ist daran neu?
Das ist ein Chatdienst....das wars...
Ich finde daran nichts neu...
Plancklala (16.10.2009, 10:56 Uhr)
Die Ritter des Trailerparks sind zurück und entwickeln in totaler Unfähigkeit den Durchblick
"Ein weiterer Schritt zur totalen und zentralen Überwachung "
Ja, gibt es da so einen Baum der Überwachungsskala,den jemand abnschreitet? Vielleicht führst du deine Ansicht technisch fundierter aus, sonst klingst du nur wie einer mehr unter den Jan van Helsings unserer Tage.
Lammbock (16.10.2009, 09:39 Uhr)
Wenn man bei Google...
nur 4 Buchstben ändert und noch 4 Buchstaben hinzufügt, kommt Big Brother raus!

Ein weiterer Schritt zur totalen und zentralen Überwachung - und das ohne wirklich etwas Neues damit anzubieten, zumindest kann ich hierbei nix fundametal Neues erkennen.
Aber schön zu sehen und zu lesen, wie naiv und unkritisch sich der Großteil des Internetvolkes immer wieder auf diese Überwachungs- oder Analysetools einlässt.

Ob die auch so begeistert wären, wenn ihnen ständig ein Marktforscher über die Schultern schauen würde? Beim Telefonieren, beim Briefe schreiben, beim Einkaufen, beim Fernsehgucken, beim Fotos angucken der Freundin oder des Kindes, bei der Unterhaltung mit dem Arzt über den Gesundheitszustand???
grafbyte (16.10.2009, 00:05 Uhr)
Ja klingt gut!
Ist jemand so nett und kann mir eine Einladung schicken ?

dimico[at]gmx.de
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