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25. April 2010, 12:42 Uhr

Warum Google so polarisiert

"Allwissender Gigant", "Imperium" mit "heiklem Datenschatz" - und immer wieder "Datenkrake": Beim Thema Datenschutz hat Google einen zweifelhaften Ruf. Warum polarisiert der Suchmaschinen-Primus so?

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Geliebt und gehasst: Google polarisiert die Nutzer in Deutschland© Virginia Mayo/AP

In Deutschland hat Google einen zweifelhaften Ruf. Einerseits wird dem Betreiber der größten Suchmaschine der Welt ein fragwürdiger Umgang mit dem Datenschutz vorgeworfen. Andererseits sind die Dienste des Unternehmens in Deutschland extrem populär. Und auch andere IT-Riesen sammeln fleißig Informationen über ihre Nutzer. Warum polarisiert der Suchmaschinen-Primus so? Thesen zum "Google-Bashing" - die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.

Google ist längst keine Garagenfirma mehr, kultiviert aber sein Tüftler-Image. Die Programmierer dürfen beispielsweise 20 Prozent ihrer Arbeitszeit für Projekte nutzen, die mit ihren eigentlichen Aufgaben nichts zu tun haben. "Es herrscht ein ausgeprägter Ingenieursglaube", sagt Veit Siegenheim, Unternehmensberater und Co-Autor des Buchs "Die Google-Ökonomie". Was technisch möglich ist und nützlich scheint, wird auch gemacht - ohne gleich an den Datenschutz zu denken.

Das geht manchmal schief. Beispiel "Buzz": Im Februar integrierte Google sein neues soziales Netzwerk in das Mail-Postfach und bediente sich an den Adressbüchern der Nutzer, damit bei "Buzz" gleich etwas los war. Die Crux: Alle Welt konnte damit die Kontakte der Nutzer sehen. Nach Protesten ruderte Google zurück. Man habe den Dienst mit den eigenen Mitarbeitern getestet, sagt der Datenschutz-Beauftragte Peter Fleischer. Bedenken wegen ihrer Privatsphäre hatten die Googler nicht - aber diese seien eben Technik-affiner als der Rest der Welt.

Erst machen, dann fragen

Google fotografiert für die Straßenansicht "Street View" ganze Städte - wer damit nicht einverstanden ist und das Bild von seinem Haus löschen lassen will, muss selbst aktiv werden. "Bei uns riefen viele verzweifelte Leute an, die von Google auf ein noch in der Entwicklung befindliches Online-Tool für den Widerspruch verwiesen wurden", sagt Marit Hansen vom Landesdatenschutzzentrum Schleswig-Holstein in Kiel.

Erst machen, dann fragen: So hemdsärmelig geht das Unternehmen häufiger vor, etwa beim Einscannen von urheberrechtlich geschützten Büchern oder auch bei "Buzz". Manch einer fühlt sich davon überrollt.

Die verklemmten Deutschen

Was ist geheim, was ist öffentlich? Die Antwort darauf fällt höchst unterschiedlich aus - je nach Herkunft. In Skandinavien weiß jeder, was der Nachbar verdient; US-Behörden veröffentlichen fast alle Verwaltungsakten sowie Namen und Adressen von Sexualstraftätern. "Deutsche sorgen dagegen sich zutiefst um ihre Privatsphäre", meint der Medienforscher Jeff Jarvis. "Das ist kulturell verankert." Die Hüllen ließen die Deutschen nur in der Sauna fallen.

Wenn Google ganze Straßenzüge ablichtet und in dem Dienst "Street View" veröffentlicht, stört das in anderen Ländern kaum jemanden - dagegen sorgt das in Deutschland für großes Unbehagen. Jarvis sieht hier allerdings den US-Konzern im Recht: "Die Straße ist ein öffentlicher Ort, also darf Google dort Fotos machen." Übrigens vermessen auch Microsoft und der Kartenanbieter Navteq mit Kameraautos die Welt.

Geschäftsmodell: Daten sammeln

Die Daten der Nutzer sind ein wertvoller Schatz. Je besser Google die Vorlieben der Surfer kennt, desto gezielter lässt sich Werbung schalten, desto höher fällt der Umsatz aus. Das Unternehmen betont zudem stets, mit den - freilich anonymisierten Informationen - seine Dienste zu verbessern.

Obwohl Google beteuert, sorgsam mit Nutzerdaten umzugehen und diese keinesfalls zu einem Profil zu verknüpfen, sehen Datenschützer die große Konzentration von persönlichen Informationen in einer Hand skeptisch. "Die Daten sind der Kontrolle der Nutzer und deutscher Behörden entzogen", sagt Marit Hansen. Immerhin: Sie erkennt in letzter Zeit einige "positive Impulse" für mehr Datenschutz, etwa den Dienst "Dashboard", der zumindest Teile der von einem Nutzer gespeicherten Daten übersichtlich zusammenfasst. Allerdings zeigten die jüngsten Hacker-Attacken auf Google-Server, bei denen die Angreifer laut "New York Times" auch den Passwort-Tresor im Visier hatten, dass Risiken bleiben.

Immer auf die Grossen?

Das Internet revolutioniert, wie wir arbeiten, kommunizieren und uns vergnügen - und Google ist der größte Aufrührer. Wer Unbehagen gegenüber der digitalen Welt empfindet, wird auch den Konzern aus dem Silicon Valley skeptisch sehen. Der Internet-Vordenker Jarvis meint auch: "Googles Geschäftsmodell schadet den deutschen Medien - sie suchen nach einem Gegner, dem sie die Schuld dafür geben können."

Politiker und Datenschützer klagen über Google, doch die deutschen Nutzer kümmert es kaum: Die Suchmaschine des Konzerns beantwortet 90 Prozent aller Suchanfragen. "Die Diskussion läuft auf einer anderen Ebene", sagt Googles Datenschutz-Beauftrager Peter Fleischer. Einmal habe er etwa das Gespräch mit einem Datenschützer gesucht, der das Unternehmen dauernd in Interviews kritisierte. Der habe aber nicht mit dem Amerikaner reden wollen. "Er nutzte Google einfach als Begriff, um eine Debatte in Politik und Medien anzustoßen."

Manch Datenschützer und Politiker kritisiert das Unternehmen also, um sich zu profilieren, vermutet Veit Siegenheim: "Es ist populär auf Google zu schießen, weil außer dem Unternehmen keiner widerspricht."

DPA/Christof Kerkmann
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
screne (27.04.2010, 12:31 Uhr)
@Lou123
Richtig ist, dass zwischen Facebook und Google ein qualitativer Unterschied besteht.

Dein Vergleich mit WOW hinkt aber. Wenn bei Facebook die Weitergabe "freiwillig" geschieht (obwohl es die Standardeinstellung ist), dann ist das Weitergeben von Daten bei WOW ebenso freiwillig, denn man MUSS ja wohl nicht WOW spielen, sondern man tut es "freiwillig".

Wobei, den angesprochenen Unterschied zwischen Facebook und Google wird es in Zukunft mit Facebooks "Mag ich"-Knopf auch nicht mehr geben. Der einzige Unterschied ist dann noch, dass Google "nicht evil" sein will und Facebook dagegen Datenschutz ziemlich sch**ssegal ist. DAS macht mir Angst, selbst als Nicht-Facebook-Nutzer, denn mit dem o.g. Knopf weiß Facebook in Zukunft auch von mir, wo ich mich herumtreibe.
Lou123 (26.04.2010, 14:16 Uhr)
@screne und Motzerator
Der Unterschied zwischen Facebook und Regierung, Spielefirmen oder Google ist der, dass es sich bei Facebook um die freiwillige Weitergabe der Daten handelt. Wenn man nicht will, dass was öffentlich ist, sollte man kein Profil anlegen.

Hingegen kann man die Sammelleidenschaft der anderen Vertreter schwer stoppen...euere Arbeitnehmerdaten werden von der Regierung zentral gesammelt, siehe ELENA: http://stopptelena.de/ , wer beispielsweise WOW spielt, dessen "letzte Aktivitäten" können per RSS Feed abgefragt werden und so ein Nutzungsprofil von Dritten erstellt werden. Mit etwas Aufwand und krimineller Energie können damit sogar die Adresse, der Realname und der außerhäusige Aufenthalt ermittelt werden...
Wie hies nochmal bei Terry Pratchett ein Fluch? "Mögest du in interessanten Zeiten leben!"?
nerventanz (25.04.2010, 15:46 Uhr)
"Fragen"? Dann wären wir immer noch in der Steinzeit
Man muss nicht fragen, wenn es keine Experten dafür gibt. Das ist rein eine politische Entscheidung. Und WENN man schnell voran kommen will, dann fragt man Politiker nicht. Ende.

Wenn man Politiker und Meinungsträger erstmal einlädt, dann hat man sowieso schon verloren. Die unterhalten sich dann über Gott und die Welt und gehen Implikationen durch (obwohl sie oft nichtmal wissen was Implikation bedeutet, habe ich schon mal auch festgestellt). Man kommt entweder zu keinem Ergebnis oder es dauert Jahrzehnte.

Warum ist das so? Ganz einfach, hier steht es: http://bikeshed.com/

Ich weiß es ist etwas philosophisch, aber GENAU DESWEGEN umgeht man solche (eigentlich einfachen) Probleme mit Ineffiktivität, indem man die Leute, die überhaupt nichts von Sachen verstehen, sondern überall irgendwelche Problemchen sehen (die eigentlich uninteressant sind).

Google macht's total richtig. Nicht fragen, sondern tolle Sachen zustande bringen.
DasBertl (25.04.2010, 15:13 Uhr)
Warum? Weils der Größte ist...
Das ist ganz einfach: Wir fürchten uns vor Monopolisten oder Konzernen, die nahe an einen Monopolisten herankommen. Früher wurde auf Microsoft geschossen, jetzt auf Google und (langsam kommend und sich stetig steigernd) auf Apple.

Was die Datenkraken angeht: Google ist mir da recht wurscht, da bin ich selbst schuld wenn ich da alles mitmache. Viel gravierender find ich z.B. SCHUFA und Co... Die können einem mit ihrer Datensammlung unter Umständen das ganze Leben ruinieren. Und das nur, weil sie einen veralteten Datensatz haben oder weil man in der falschen Gegend wohnt...
tobix (25.04.2010, 14:28 Uhr)
@marihuhna
Die Datensammelwut der Regierung schließt die kommerzielle Datensammelwut nicht aus.

Von daher ist das Verhalten von Google und Co nicht "lächerlich", sondern mindestens genauso gefährlich. Denn diese Firmen haben die finanziellen Möglichkeiten und das Know-How, mit den Daten etwas anzufangen!
stasicom (25.04.2010, 14:20 Uhr)
"Es ist populär auf Google zu schießen, weil außer dem Unternehmen keiner widerspricht."

Klar wird widersprochen. Hier z.B.

Artikel ist gute Analyse. Richtige Analyse.

Würden zuständige Politiker und sog. Datenschützer nicht so populistisch, sondern im "echten Sinne von Verbraucherschutz" handeln, muss die Aufklärung eine andere, bessere werden.

Was bringt es, wenn hier facebook-kids auf Datenschutz sch****n weil das uncool ist und andererseits die "analoge Landbevölkerung" auf das Teufelswerk im Internet konditioniert wird?

Es ist halt Deutschland hier...
marihuhna (25.04.2010, 13:30 Uhr)
Lächerlich
Google mag zwar ein riesger Datensammler sein, gegen unseren Überwachungsstaat aber nahezu harmlos. Seit den 80er Jahren arbeiten wechselnde politische Bündnisse daran die Bürgerrechte abzuschaffen. Raus aus einer Welt mit Post und Bankgeheimis und Unverletzbarkeit der Wohnung hin zu totaler Überwachung des Einzelnen, nach dem Motto "wer das nicht will hat etwas zu verbergen". Da wirkt es nahezu grotesk von Frau Aigner sich über die paar Häuserbildchen von Streetview zu echauffieren wärend im Gegenzug Heerscharen von unnützen Beamten den Bürger nach gusto und ohne richterliche Anordnung in den verschiedensten privaten Belangen ausspähen können. Google ist nur ein Sündenbock um von den eigenen Machenschaften in Berlin abzulenken! Stoppt diese Datenpiraten in Berlin!
screne (25.04.2010, 13:30 Uhr)
Facebook
Ich kann die Aufregung um Google nicht ganz nachvollziehen. Von allen IT-Unternehmen ist Google noch eines derjenigen, die verantwortungsvoll mit den gesammelten Daten umgehen, auch wenn sie tatsächlich viele Daten sammeln. Man schaue sich nur mal an, was Spieleunternehmen wie EA so alles an Daten sammeln -- ohne Rechtsgrundlage und Kontrolle UND abseits der medialen Wahrnehmung.

Und was ist mit Facebook? Dieses Unternehmen hat sich noch nichteinmal den verantwortungsvollen Umgang mit Daten auf die Fahnen geschrieben -- im Gegenteil, persönliche Daten sollen standardmäßig öffentlich sein und werden auch fleißig weiterverkauft.

Wenn die Frau Aigner die hysterische Rhetorik auf Facebook lenken würde, könnte ich das verstehen. Bei Google halte ich es für übertrieben.

Ich glaube, jeder, der Googles Street View kritisiert, hat diesen Dienst einfach noch nie genutzt und hat deshalb auch keine Ahnung vom Nutzen dieses Dienstes. Wenn ich irgendwo hinfahre wo ich bisher noch nicht ware weiß ich es zu schätzen, dass ich mich dort schonmal umsehen kann, damit ich mich z.B. auf die Verkehrssituation einstellen kann und nicht ewig nach günstigen Parkmöglichkeiten suchen muss. Frau Aigner kann das ganz sicher nicht nachvollziehen, denn die lässt sich ja schön von ihrem Fahrdienst kutschieren. Insofern: sie als Blinde betätigt sich als Späherin, sieht aber die Feinde nicht dort, wo sie tatsächlich sind.
Motzerator (25.04.2010, 13:24 Uhr)
Nicht Google, sondern Facebook ist der Datenkrake
Das Theater um Google Street View kann ich nicht verstehen, denn die Anwendung ist auf jeden Fall extrem nützlich.

Bisher liefern Google Maps und Google Earth nur Luftbilder, man kann also nur von Oben auf die Szenerie sehen. Wen man zum Beispiel Firmen recherchiert, um sich dort zu bewerben, hat man keine Möglichkeit zu erkennen, ob diese beispielsweise ein Ladenlokal betreiben. Man sieht ja nur das Dach.

Allerdings muss dafür gesorgt werden, das Google den Datenschutz wahrnimmt. Dazu sollten alle Menschen, Nummernschilder und so weiter künstlich verfremdet werden. Das lässt sich mit heutigen Algorithmen auch automatisch erledigen.

Viel schlimmer finde ich das Verhalten von Facebook, die sich als soziales Netzwerk die Daten der User besorgen und dann damit überall im Web hausieren gehen. Hier besteht eine hohe Gefahr, das private Dinge in die falschen Hände geraten.

Bisher habe ich Facebook ja noch als Plattform zur Platzierung von Bewerbungsinformationen genutzt, damit Personalsachbearbeiter unter meinem Realnamen etwas im Netz finden. Aber selbst um diese Daten mache ich mir langsam Sorgen.

Aber es ist nicht nur Facebook. Auch in anderen Systemen wie dem MSN Messenger lauern gefahren, das System verpetzt einen gerne mal im Bekanntenkreis, die Funktion dazu heißt "Neuigkeiten". Wo ich da gefahren sehe? Nun, ein Beispiel: Man hat eine Freundin, plaudert mit einem anderen Girl über MSN, spielt eines der eingebauten Spiele mit ihr und schon kann jeder in der Freundesliste in den Neuigkeiten lesen, mit wem man da gespielt hat. Solche kleinen "Petzen" zu deaktivieren ist schwierig.

Die Anbieter von Sozialen Netzwerken und Chatsystemen sollten hier schnellstens ihre Politik ändern und erkennen, das absoluter Datenschutz oberste Priorität hat, ansonsten werden die Benutzer diese Medien weniger nutzen oder immer mehr Fake Profile verwenden, um ungestört schreiben zu können. Beides kann nicht im Interesse der Betreiber sein.
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