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18. Juli 2011, 13:12 Uhr

Datenkrake punktet beim Datenschutz

Google gilt als eifriger Sammler von Nutzerdaten. Mit Google+, die Antwort auf Facebook, punktet ausgerechnet die Datenkrake bei Datenschützern. Doch nicht alle teilen das Lob. Von Helene Laube, San Francisco

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Mit wem teile ich was? Mit Circles behält der Nutzer von Google+ bessere Kontrolle© Google

Larry Page hat mit Google+ das erste große Produkt seit seinem Antritt als Vorstandschef im April eingeführt. Das neueste soziale Netzwerk des Suchmaschinenkonzerns befindet sich seit Ende Juni zwar noch in einer für die breite Öffentlichkeit nicht verfügbaren Testphase. Aber Google+ findet großes, vorwiegend positives Echo. "Es ist noch sehr früh, aber Google+ hat aufgrund von Vorteilen wie der Kontrolle des Nutzers über seine Inhalte oder Videochats mit mehreren Leuten zumindest das Potenzial, ein starker Anwärter zu werden", sagte Danny Sullivan vom Branchenblog Search Engine Land dem Rundfunksender NPR. Laut Page haben sich mehr als zehn Millionen Leute Google+ angeschlossen. "Die Nutzer sind zudem sehr aktiv und teilen mehr als eine Milliarde Inhalte pro Tag", sagte Page.

Mit zehn Millionen Nutzern ist Google+ noch rund 740 Millionen Anhänger vom Marktführer Facebook und etwa 300 Millionen Anwender von Twitter entfernt. Der weltgrößte Suchmaschinenkonzern kann bei der Aufholjagd zwar auf seine enorme Marktmacht und seinen hohen Bekanntheitsgrad setzen. Aber wie frühere Anläufe gezeigt haben, reicht das nicht.

Die Schatten der Vergangenheit

Google versucht seine Angebote seit Jahren in den Bereich Social Media auszuweiten, um nicht Nutzer und Werbebudgets an Rivalen wie Facebook zu verlieren. Diverse Versuche scheiterten: Orkut ist nur in Brasilien und Indien populär und verliert mittlerweile auch dort Marktanteile an Facebook. Buzz, das 2010 in Googles E-Mail-Dienst Gmail integrierte soziale Netzwerk, geriet aufgrund von Datenschutzlücken zum Fiasko. Im März erzielte Google nach Beschwerden eine Einigung mit der US-Handelsaufsicht Federal Trade Commission und muss strengere Auflagen beim Schutz der Privatsphäre der Nutzer erfüllen.

Kein Wunder also, dass der Konzern bei seinem neuen sozialen Netzwerk besonders viel Wert auf mehr Datenschutz legt. Datenschutzexperten begrüßen insbesondere, dass Nutzer besser als bei Facebook kontrollieren können, welche Links, Kommentare, Fotos oder Videos sie mit wem teilen. "Google+ sichert den Datenschutz der Nutzer viel besser als manch anderes Angebot", sagt Rebecca Jeschke von der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation.

"Nur, weil die Konkurrenz so katastrophal ist"

Das heißt laut Chris Soghoian aber nicht viel: "Google+ schneidet nur besser ab als etwa Facebook, weil die Konkurrenz in der Hinsicht so katastrophal ist", sagt der Doktorand am Center for Applied Cybersecurity Research an der Indiana University. Er findet es ironisch, dass auf mehr Privatsphäre bedachte Nutzer jetzt ausgerechnet Google mehr Daten anvertrauen, weil sie Facebook nicht trauen.

Weltweit haben Aufsichtsbehörden Google wegen seiner Datensammelwut im Visier. Google+-Nutzer können zudem weder kontrollieren, zu welchen Kontaktnetzwerken sie hinzugefügt werden, noch können sie sich daraus entfernen. "Das ist problematisch - man könnte mit Leuten assoziiert werden, mit denen man nicht assoziiert werden will", sagt John Simpson vom US-Verbraucherverband Consumer Watchdog.

Finanzanalysten reagieren positiv, aber verhalten auf Google+. Der Anfangserfolg sei "ermutigend, aber der Wettbewerb wird hart", hieß es in einem Bericht von Morgan Stanley. Die Wall Street verfolgt die Investitionen in Projekte wie Google+, Android oder Google Offers und die Rekrutierung neuer Mitarbeiter argwöhnisch.

Im jüngsten Quartal, dessen Zahlen Google vergangene Woche präsentierte, kletterten die Betriebsausgaben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 50 Prozent auf knapp drei Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg um 36 Prozent auf 2,51 Milliarden Dollar. Der Nettoumsatz, bei dem die an Werbepartner bezahlten Kommissionen herausgerechnet wird, legte um 21 Prozent auf 6,92 Milliarden Dollar zu.

Gefunden in ... ... der "Financial Times Deutschland"

Von Helene Laube, San Francisco
 
 
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