Das Mega-Versprechen des Kim Schmitz

1. November 2012, 17:52 Uhr

Genau ein Jahr nach seiner Festnahme will Kim Schmitz den Nachfolger seiner Hosting-Plattform Megaupload starten. Um nicht wieder im Gefängnis zu landen, hat er sich einige Kniffe einfallen lassen. Von Christoph Fröhlich

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Kim Schmitz im Juni 2012: Der Megaupload-Gründer plant für Januar 2013 eine neue Hostingplattform.©

Größer. Besser. Schneller. Stärker. Und vor allem sicherer soll es sein: Kim "Dotcom" Schmitz hat den Mund wieder mächtig voll genommen und lautstark den Nachfolger der Hosting-Plattform Megaupload angekündigt. Am 20. Januar 2013 soll das "Mega" getaufte Projekt seine Pforten öffnen, eine Website gibt es schon, mit genauen Infos hält sich der pfundige Internetmillionär aber noch weitgehend zurück. Doch die Botschaft ist klar: Kim Schmitz ist zurück im Geschäft, und zwar dicker als je zuvor.

Alles auf Anfang

Die Festnahme von Kim Schmitz sorgte im Januar weltweit für Schlagzeilen: Nachdem Polizisten sein Anwesen in Neuseeland stürmten, ihn festnahmen, in Untersuchungshaft steckten und alle Konten einfroren, sah es nicht gut aus für den in Kiel geborenen Hacker mit Spitznamen "Kimble". Dem 38-jährigen wurden Verstöße gegen das Urheberrecht, Geldwäsche und organisierte Kriminalität vorgeworfen, in den USA drohen ihm immer noch zwanzig Jahre Haft.

Obwohl die Razzia fast ein Jahr her ist, ist der Fall noch immer nicht entschieden: Kürzlich erklärte ein Gericht in Neuseeland die von der Polizei gesammelten Beweismittel für unzulässig, außerdem hat Schmitz einige Millionen seines eingefrorenen Kontos wieder zurückbekommen. Die Verhandlung für die Auslieferung an die USA soll erst im März 2013 stattfinden.

Bis dahin will Schmitz längst wieder zu den Big Playern im Internetgeschäft gehören: Läuft alles nach Plan, startet zum ersten Jahrestag seiner Festnahme am 20. Januar 2013 seine neue Mega-Plattform. Wieder geht es um das Hochladen von Dateien, wieder sollen Filme, Bilder, Musik und Games getauscht werden können. Doch diesmal soll es keine Angriffsfläche für US-Anwälte geben.

Es geht nur um die Privatsphäre - behauptet Schmitz

Dafür haben sich Schmitz und sein Team einiges einfallen lassen: Eine aufwändige Technik soll die Dateien schon beim Hochladen verschlüsseln, erklärt Mathias Ortmann, ein Partner von Schmitz, dem Techmagazin "Wired". Der Code sei weder von den Betreibern noch von Ermittlern zu knacken, sodass Behörden keine Chance hätten, die Server nach illegalem Material zu durchsuchen. Erst nach dem Download sollen die Dateien auf dem Rechner des Nutzers entschlüsselt werden. Die User selbst sollen von dem Prozedere nicht viel mitbekommen, im Mittelpunkt steht immer noch die simple Handhabung der Vorgänger-Plattform, bei dem die Downloads mit einem Klick gestartet werden konnten.

Das ist praktisch für die User, da ihre Dateien so besser vor fremden Augen geschützt sind. Und auch für die Serverbetreiber: Da sie nicht wissen, was für Dateien auf ihren Festplatten lagern, können Sie auch nicht zur Verantwortung gezogen werden - hoffen jedenfalls Schmitz und sein Team. "Was immer auf die Seite hochgeladen wird, es wird ohne den passenden Schlüssel verschlossen und privat bleiben", sagt Schmitz im Gespräch mit "Wired".

Auch gegen Serverausfälle sei Mega gefeit: Jede Datei werde auf zwei Computern an unterschiedlichen Standorten gespeichert, damit seien selbst Naturkatastrophen keine Gefahr mehr. Die Server sollen auf alle Länder der Welt verteilt werden, dafür wird derzeit händeringend nach neuen Partnern gesucht. Das Angebot stehe jedem Serverbetreiber offen - solange er nicht in den USA wohnt.

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Kim Schmitz' neue Mega-Plattform bietet wieder die Möglichkeit, Dateien hochzuladen, soll aber wesentlich sicherer sein©

Katz- und Mausspiel

Laut Schmitz' Rechtsanwälten sei der neue Dienst juristisch sauber und könne nur gestoppt werden, wenn man die Verschlüsselung an sich verbieten würde. Das sei aber nicht möglich, erklärt Schmitz - und beruft sich dabei auf höchste Ebene: "Nach Auffassung der Vereinten Nationen für Menschenrechte ist Privatsphäre ein menschliches Grundrecht", erklärt Dotcom. "Man hat ein Recht darauf, seine privaten Informationen und Gespräche zu verbergen."

Julie Samuels, Anwältin der "Electronic Frontier Foundation", die sich mit Bürgerrechten im Netz beschäftigt, ist anderer Meinung. Das neue Mega sei für die User ein interessanter Dienst, sagt sie "Wired", doch es löst nicht die grundsätzlichen Probleme in der Auslegung des Internetrechts. "Es ändert das Katz-und-Maus-Spiel, das im Netz vonstattengeht", sagt sie, "doch es bleibt ein Katz-und-Maus-Spiel."

Ob Schmitz' Plan aufgeht und der Dienst wie angekündigt am 20. Januar 2013 startet, ist derzeit ungewiss. Es ist nicht das erste Mal, dass Kimble mit viel Getöse einen Dienst ankündigt, der dann nie erschienen ist. Doch diesmal sei alles anders, suggeriert die bislang spärlich gefüllte Mega-Website. Fährt man mit der Maus über den knallroten Mega-Button, erscheint die Mitteilung: "Am 20. Januar wird dieser Button die Welt verändern." Darüber prangt in riesigen roten Lettern: "We promise, we deliver" - "Was wir versprechen, halten wir".

Lesen Sie auch bei unserem Partner pcwelt.de - Hacker Kim Schmitz im Portrait.

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